Von der Arbeits- zur Konsumgesellschaft?

Kritik eines Leitmotivs der deutschsprachigen Zeitgeschichtsschreibung
  1. Produktion und Transformationen der Arbeitsgesellschaft
  2. Produktion und Transformationen der Konsumgesellschaft
  3. Fazit: Eine relationale Perspektive auf Strukturen und Prozesse mittlerer Reichweite

Anmerkungen

Viele zeitgeschichtliche Übersichtsdarstellungen stützen sich auf die These, dass die Arbeitsgesellschaft der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts durch die Konsumgesellschaft der zweiten Jahrhunderthälfte abgelöst worden sei.[1] Eine Verschiebung vom Produktivismus zum Konsumismus, wie es Lawrence Birken einmal nannte,[2] nehmen aber auch zahlreiche soziologische Gesellschaftsdiagnosen und -kritiken an.[3] Aufgrund von Rationalisierung, Intensivierung und Massenproduktion einerseits, dem Aufkommen konsumgesellschaftlicher Phänomene andererseits, so die zentrale These, habe die (Lohn-)Arbeit im Laufe des Jahrhunderts markant an Bedeutung verloren. Das Interesse der Arbeitenden an ihrer Tätigkeit habe sich auf die Kaufkraft des Lohnes verlagert; in erster Linie seien sie zu KonsumentInnen geworden.[4] Aus der in jüngerer Zeit breit diskutierten Perspektive einer Geschichte von Selbstverhältnissen[5] ergänzt dieses Narrativ jene wirtschaftshistorischen Darstellungen, die von einem Niedergang der westlichen Industriegesellschaften seit den 1970er-Jahren ausgehen.[6]

Der Einfluss dieser »konsumistischen« Erzählung auf die zeitgeschichtliche Forschung im deutschsprachigen Raum, um die es mir hier geht, zeigt sich nicht zuletzt dort, wo sie noch die Kritik an vereinfachenden Darstellungen strukturiert. So warnt Eckart Conze einerseits davor, »aus dem Bedeutungsgewinn von Freizeit unmittelbar einen Bedeutungsverlust der Erwerbsarbeit abzuleiten«, doch fügt er andererseits hinzu, dass letztere »in vielen Fällen ihre unmittelbar sinnstiftende Bedeutung verlor. Arbeit behielt aber ihren Wert, weil sie Konsum und Freizeitaktivitäten erst ermöglichte.«[7] Mit anderen Worten: Arbeit habe nun hauptsächlich einen instrumentellen Wert erhalten.[8] Anklänge an das Narrativ finden sich auch in vielen Erzählungen über das »konsumistische Individuum«,[9] das »konsumtorische Kreativsubjekt«,[10] das Ende des »Booms«[11] oder den »Wertewandel«. So kritisierte Hans-Ulrich Wehler 2008 zwar die These vom Ende der Industriegesellschaft, fragte aber zugleich, »ob sich die Wachstumsschwäche der Bundesrepublik […] auch auf das Verblassen des Arbeitsethos und die Priorität des Freizeitgenusses zurückführen« lasse.[12]

Betrachtet man dagegen die in den folgenden beiden Abschnitten besprochenen arbeits- und konsumgeschichtlichen Studien zum deutschsprachigen Raum im 20. Jahrhundert, lassen sich mindestens zwei Argumentationslinien erkennen, welche das konsumistische Narrativ klar widerlegen. Erstens wird deutlich, dass die im 19. Jahrhundert einsetzende institutionelle und diskursive Regulierung von Arbeit nur langsam, d.h. erst im Laufe des 20. Jahrhunderts, auf breiter Basis durchgesetzt wurde. Zweitens gewannen konsumgesellschaftliche Strukturen und Angebote nicht erst seit dem »Wirtschaftswunder« an Bedeutung, sondern bereits in der ersten Jahrhunderthälfte. Konsumgesellschaftliche und arbeitsgesellschaftliche Phänomene, so meine These, etablierten sich im deutschsprachigen Raum nahezu parallel. Erstere ersetzten letztere nicht – beide ergänzten sich vielmehr.[13] Diese Überlegungen nehme ich im abschließenden dritten Teil zum Ausgangspunkt, um nach Ansätzen zu fragen, die über das konsumistische Narrativ hinausführen könnten.

1. Produktion und Transformationen der Arbeitsgesellschaft

Die These, dass der Konsum die Arbeit als wesentlichen Gegenstand von Selbstverhältnissen ersetzt oder zumindest in den Hintergrund gerückt habe, stützt sich auf zwei miteinander verbundene Argumente. Erstens habe die Arbeit schon im frühen 20. Jahrhundert eine zentrale Bedeutung gehabt, und zweitens habe sie diese seit den 1960er-Jahren wieder verloren. Beides lässt sich mit guten Gründen in Frage stellen.

Um zunächst das erste Argument zu differenzieren: Alf Lüdtke etwa schrieb schon 1993, dass man zwar den Produktionsstolz der Facharbeiter nicht unterschätzen, zugleich aber den Unterschied zu (klein)bürgerlichen Vorstellungen nicht übersehen dürfe. Zudem habe Arbeit noch in den späten 1920er-Jahren für weniger privilegierte Klassen hauptsächlich eine Notwendigkeit bedeutet.[14] Auch Jürgen Kocka weist darauf hin, dass die Lohnarbeit im frühen 20. Jahrhundert hauptsächlich als »Last« empfunden worden sei, die man als ökonomische Notwendigkeit auf sich nahm.[15] Aus geschlechtergeschichtlicher Perspektive warnt Kathleen Canning zwar einerseits davor, bei der Frage nach »work identities« von Frauen einfach der älteren Arbeitergeschichte zu folgen und davon auszugehen, dass die Arbeit aufgrund der subalternen Position von Arbeiterinnen keine Rolle für deren Selbstverhältnis gespielt habe. Andererseits argumentiert aber auch sie: »Regardless of the pride they might have taken in the products of their labor, most women worked out of dire necessity, as did most men.«[16]

»Arbeit oder Hungersnot!«. Plakat des Rats der Volksbeauftragten, 1919. Selbst in der unmittelbaren Notsituation nach dem Ende des Ersten Weltkriegs konnte ein Arbeitswille nicht einfach vorausgesetzt werden.
(Bundesarchiv, Plak 002-002-007, Grafiker: Alexander M. Cay)

Ein emphatischer Arbeitsbegriff, der als Grundlage für arbeitsgesellschaftliche Selbstverhältnisse dienen konnte, scheint folglich im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts noch kaum auf breiter Basis etabliert gewesen zu sein – trotz der seit dem 19. Jahrhundert nicht zuletzt auch in Teilen der Arbeiterbewegung sichtbaren Tendenz, Arbeit in diesem Sinne zu thematisieren.[17] Und wo ein solcher Arbeitsbegriff eine Rolle spielte, stand er neben zahlreichen anderen Aspekten, vor allem der Suche nach materieller Sicherheit.[18] Nicht zuletzt deshalb wendet sich Kocka gegen eine rein begriffsgeschichtlich argumentierende Arbeitsgeschichte.[19] Auch Josef Ehmer kritisiert, dass die Arbeitsgeschichte bisher dazu tendiert habe, »den jeweils untersuchten historischen Gesellschaften einen einheitlichen (oder zumindest vorherrschenden) Arbeitsbegriff zuzuschreiben«.[20] Stattdessen sollte für jeden Zeitraum und jede Region genau danach gefragt werden, unter welchen Umständen, mit welcher Reichweite und in welcher Weise Arbeit zu einem zentralen Prinzip von Selbstthematisierungen (gemacht) wurde. Neben der Klasse sind dabei insbesondere die Faktoren Geschlecht und Staatsangehörigkeit zu berücksichtigen.

Aus dieser Perspektive zeigt sich auch, dass es nicht reicht, das Aufkommen arbeitsamer Selbstverhältnisse schlicht als Ergebnis eines Popularisierungsprozesses bürgerlicher Werte zu beschreiben. Weder waren bürgerliche Klassen in jedem Fall hauptsächliche Trägerinnen bestimmter Vorstellungen,[21] noch wurden diese von anderen sozialen Gruppen unverändert übernommen. Auch blieb »das« Bürgertum in solchen Prozessen nicht unverändert.[22] Mit Thomas Welskopp lässt sich Arbeit deshalb zunächst und vor allem als Form der (Selbst-)Führung im 20. Jahrhundert verstehen, die sich von älteren Modi deutlich unterscheidet.[23] Die Etablierung arbeitsgesellschaftlicher Strukturen und Selbstverhältnisse erlaubte es, die antagonistischen Positionen der industrialisierungszeitlichen Klassengesellschaft durch ein für alle Männer – zunehmend aber auch für Frauen – gleichermaßen gültiges Identitätsangebot zu ersetzen.

Sebastian Conrad, Elisio Macamo und Bénédicte Zimmermann haben in einem Aufsatz von 2000 argumentiert, dass drei miteinander verknüpfte Prozesse für diesen Wandel zentral waren: die Etablierung einer an Lohnarbeit ausgerichteten Konzeption sozialer Ordnung und entsprechender Subjektkulturen, die Konsolidierung des Nationalstaats und das Entstehen der Arbeitswissenschaften. Auch sie betonen damit die Differenz dieser »modernen« zu älteren Modi der Thematisierung und Regulierung (re)produktiver Tätigkeiten. Zugleich wenden sie sich gegen die These, dass eine Arbeitsgesellschaft schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts existiert habe: Als Etablierungszeitraum bestimmen sie die Jahre zwischen 1880 und 1930, heben aber etwa hinsichtlich der »Beziehung zwischen Arbeit und Nation« hervor, dass diese bis zum Zweiten Weltkrieg »problematisch« geblieben sei. Wenn sie schreiben, dass im genannten Zeitraum »Individuum und Gesellschaft über den Begriff der Arbeit konstituiert wurden«, vertreten jedoch auch sie letztlich die These, dass man die Gesellschaften jener Zeit als Arbeitsgesellschaften beschreiben könne.[24]

Im Zuge der Renaissance der Arbeitsgeschichte im vergangenen Jahrzehnt wurden viele der von Conrad, Macamo und Zimmermann skizzierten Themenfelder genauer erforscht, so dass wir über die Geschichte der Kodifizierung der Arbeit heute recht gut Bescheid wissen. Das Wiener Forschungsprojekt »The Production of Work« (2008–2013) beispielsweise untersuchte die institutionelle Herstellung und Stabilisierung der Arbeitsgesellschaft von ihren »Rändern« her, von jenen Tätigkeiten also, die – wie bestimmte Formen der Mobilität – gänzlich aus dem Bereich kodifizierter Arbeit ausgeschlossen wurden oder deren Bestimmung als Arbeit strittig war.[25] In diesem Rahmen widmete sich Jessica Richter den häuslichen Arbeitskräften. Damit knüpfte sie an Forschungen seit den 1970er-Jahren an, welche die Zentralität jener Prozesse der Vergeschlechtlichung für die Etablierung arbeitsgesellschaftlicher Phänomene aufzeigen,[26] die von Conrad, Macamo und Zimmermann lediglich in einer Randbemerkung beachtet wurden. Richter legt dar, wie die Thematisierungen häuslicher Tätigkeiten auch in den 1930er-Jahren noch zwischen der Bestimmung als Lohnarbeit und als Dienst hin- und herwechselten und dabei keineswegs einer linearen Entwicklung folgten. Entsprechend vielfältig waren auch die Einstellungen der Hausarbeiterinnen zu ihren Tätigkeiten.[27] Das Ende von Richters Untersuchungszeitraum (1938) ist deshalb hauptsächlich durch die politischen Ereignisse jenes Jahres motiviert und nicht durch grundlegende Verschiebungen im Gegenstand. Ganz allgemein sollte der Nationalsozialismus aus arbeitsgeschichtlicher Perspektive nicht als scharfe Zäsur betrachtet werden, auch wenn die rassistische und antisemitische Aufladung des Arbeitsbegriffs sowie die Rolle der Arbeit bei der Ausbeutung und Vernichtung von unzähligen Menschen selbstverständlich nicht vergessen werden dürfen.[28]

Wie aktuelle Studien zeigen, hatten sich die staatlichen Institutionen der Arbeitsvermittlung bzw. der Berufsberatung und mit ihnen das Berufskonzept bis zum Ende der 1930er-Jahre weitgehend etabliert.[29] Wo auch die zweite Jahrhunderthälfte unter die Lupe genommen wird – und damit komme ich auf die These eines Niedergangs der Arbeitsgesellschaft nach der Jahrhundertmitte zurück –, zeigt sich allerdings, dass die Produktion von Berufs- und Arbeitssubjekten nun keineswegs aufhörte.[30] In seiner Dekonstruktion der zeitgenössischen Debatte über den »Wertewandel« geht etwa Jörg Neuheiser von einer Kontinuität des Facharbeiterethos bis in die 1980er-Jahre hinein aus. Er argumentiert, dass sich »mit dem vermeintlich postmaterialistischen Sprachgebrauch […] kein gewandeltes Arbeitsethos verband, das Leistung und Fleiß grundsätzlich neu auffasste oder gar von einer Abwertung der Rolle der Arbeit für das menschliche Leben und die individuelle Identitätskonstruktion der Akteure im Betrieb gekennzeichnet war«.[31]

Aus geschlechtergeschichtlicher Perspektive untersucht Barbara Duden, was zu jenem »verwirrenden Nebeneinander einer Formverwandlung und einer Kontinuität in der Situation von Frauen geführt hat«, die wir heute beobachten können: Die formale Gleichberechtigung und eine zunehmende Integration in den Arbeitsmarkt haben keine strukturelle Veränderung der Arbeit von Frauen bewirkt. Duden erklärt dies nicht zuletzt mit dem Versprechen der »Selbstverwirklichung durch Erwerbsarbeit« und der Erfindung eines »weiblichen Erwerbsbedürfnisses« seit den 1960er-Jahren, die einerseits durchaus neue Lebensläufe ermöglichten, andererseits aber das Bewusstsein für bestehende Ungleichheiten schwächten und dazu führten, dass etwa der in einigen Bundesländern entlohnte Hausarbeitstag wieder abgeschafft und Hausarbeit (erneut) als »Nicht-Arbeit« oder »private[s] Interesse« betrachtet werden konnte.[32]

Wahlplakat der Christlichdemokratischen Volkspartei (CVP), 1983. Ein erneuter »Wertewandel« in den 1980er-Jahren oder doch eher Kontinuität?
(Schweizerische Nationalbibliothek, Graphische Sammlung, Posters – SNL_1983_292)

Wie aber ist dann zu erklären, dass zahlreiche zeitgenössische BeobachterInnen einen Zerfall ebendieses Arbeitsethos wahrnahmen? Schon 1958 hatte Hannah Arendt bekanntlich prophezeit, dass eine Arbeitsgesellschaft bevorstehe, »der die Arbeit ausgegangen ist, also die einzige Tätigkeit, auf die sie sich noch versteht«. In der »Gesellschaft von Jobholders« sah sie den Endpunkt einer Entfremdungsgeschichte in der Neuzeit, die doch mit einer so »unerhört vielversprechenden Aktivierung aller menschlichen Vermögen und Tätigkeiten begonnen« habe.[33] Kaum anders las sich am Ende des Jahrhunderts Richard Sennetts Befürchtung, dass das Arbeitsethos »an der Oberfläche der Erfahrung« bleibe.[34] Interessant sind weniger die einzelnen Stimmen innerhalb dieser Debatte als vielmehr deren andauernde Präsenz. Sie war nicht nur daran beteiligt, arbeitsgesellschaftliche Phänomene zu konsolidieren, sondern half auch, sie so zu transformieren, dass die tatsächlichen, vermuteten oder erwünschten Veränderungen der (Arbeits-)Welt – nicht zuletzt vor dem Hintergrund des parallel dazu diskutierten Aufstiegs der Konsumgesellschaft – nach wie vor innerhalb des diskursiven Rahmens der Arbeitsgesellschaft behandelt werden konnten. Indem bestimmte Elemente ausgetauscht oder verändert wurden, konnten zentrale Aspekte unangetastet bleiben.[35]

Beispiele für solche Prozesse lassen sich in der Geschichte von Fitnesspraktiken[36] und in der neuerdings breit erforschten Geschichte des »Stress« finden.[37] Beide Bereiche trugen zur Transformation des arbeitenden Körpers seit den 1970er- und 1980er-Jahren bei. Auch die von Sabine Donauer untersuchten Formen der Emotionalisierung von Arbeit sind unter dieser Perspektive zu betrachten: Vom Diskurs über die »Arbeitsfreude« des frühen 20. Jahrhunderts[38] über die Forderungen nach Arbeiterbeteiligung und »Humanisierung« bis zu den motivationspsychologischen Ansätzen der 1960er- und 1970er-Jahre – immer ging es (auch) um die (Re-)Produktion von Arbeit und Arbeitsgesellschaft.[39] Dieser Prozess war folglich mit der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts keineswegs abgeschlossen. Wie jüngst wieder Karsten Uhl am Beispiel der arbeitswissenschaftlichen Beschäftigung mit dem »Faktor Mensch« argumentierte, lassen sich innerhalb des 20. Jahrhunderts auch keine grundlegenden Brüche erkennen.[40] Das bedeutet gerade nicht, dass arbeitsgesellschaftliche Phänomene ein einmal etabliertes Arrangement der produktionsorientierten (Selbst-)Führung wären; vielmehr sind die arbeitsbezogenen Selbstverhältnisse und Praktiken ihrerseits zu historisieren: Je nach Zeit, Personenkreis und geographischem Raum unterschieden sie sich teilweise massiv.

In diesem Sinne wies die von Sven Reichardt beschriebene »Alternativökonomie« der 1970er- und 1980er-Jahre, trotz der zeitgenössischen Rhetorik »[g]egen die angebliche Anonymität und Entfremdung der modernen Arbeitsgesellschaft«, keineswegs einfach über diese hinaus in eine »Erlebnis-« oder »Konsumgesellschaft«. In den Praktiken der »Selbstverwaltung« und in der Suche nach »Selbstentfaltung, Arbeitszufriedenheit«, »ganzheitliche[n] Arbeitsformen« und Überwindung der Vergeschlechtlichung von Arbeit nahm sie ältere Versuche auf, ein emphatisches Verhältnis zur Arbeit herzustellen. Zugleich aber transformierte sie diese.[41] Frank Bösch fragt deshalb zu Recht, »inwieweit nicht gerade die Möglichkeit einer freieren Berufswahl seit den 1970er Jahren dazu führte, dass Selbstverwirklichung und Identitätsbildung eher stärker auf die Arbeit bezogen wurden«.[42]

Dieses Plakat aus der (dritten) Trimm-Dich-Aktion des Deutschen Sportbundes (1979–1982) wirkt in seiner Aussage etwas rätselhaft: Soll im Büro mehr gespielt werden? Ist die Büroarbeit womöglich selbst ein Spiel? Stärker als das etwaige Ende der Arbeitsgesellschaft lassen sich hier deren Veränderungen in den frühen 1980er-Jahren erkennen: Ganzheitlichkeit und Fitness statt Entfremdung im grauen Alltag.
(Bundesarchiv, Plak 006-040-001, Grafiker: Tomi Ungerer)

Wenn die Frage nach der Etablierung und den Transformationen arbeitsgesellschaftlicher Phänomene im 20. Jahrhundert beantwortet werden soll, ist es unerlässlich, auch weitere Aspekte insbesondere der Zeit nach 1945 zu untersuchen und beispielsweise danach zu fragen, inwiefern das Arbeitsethos von Facharbeitern der 1950er-Jahre mit jenem ihrer über keinen gesicherten Aufenthaltsstatus verfügenden Kolleginnen am Fließband vergleichbar ist.[43] Es zeigt sich dann, dass eine über einzelne Klassen und andere soziale Gruppen hinausgehende relative Angleichung der Lebenslagen, die sich womöglich auch in einer ähnlichen Bewertung von Arbeit äußert, lediglich für einzelne Lebensbereiche und erst für die Jahrzehnte seit den trente glorieuses festzustellen ist. Von einer linearen Entwicklung lässt sich jedoch auch hier nicht sprechen.[44] Darüber hinaus wäre die Rolle des Kalten Kriegs zu diskutieren, was bisher aus der Perspektive der neuen Arbeitsgeschichte erst ansatzweise geschehen ist.[45] Damit ließe sich die Frage wieder aufnehmen, wie das Verhältnis von arbeitsgesellschaftlichen Anrufungen im »Westen« und »arbeiterlicher Gesellschaft«[46] im »Osten« zu bewerten ist. Eine Zeitgeschichtsschreibung, die eine solche »Differenzierungsarbeit«[47] nicht leistet, läuft Gefahr, selbst zur (Wieder-)Herstellung jener Arbeitsgesellschaft beizutragen, die sie zu analysieren behauptet. Dies gilt freilich auch für die komplementäre These vom Aufstieg der Konsumgesellschaft.[48]

2. Produktion und Transformationen der Konsumgesellschaft

Wie Mary Nolan 1994 in ihrer grundlegenden Studie über die Visions of Modernity in der Weimarer Republik zeigte, begegneten schon die ZeitgenossInnen der meistens in der Zukunft, in »Amerika« oder allenfalls in den Großstädten vermuteten »Konsumgesellschaft« und ihren Begleiterscheinungen mit ambivalenten Haltungen, nicht selten mit offener Ablehnung.[49] Zugleich sind diese heftig geführten Debatten aber ein Zeichen dafür, dass konsumgesellschaftliche Phänomene bereits ein unübersehbarer Aspekt der damaligen Gegenwart geworden waren und somit auch jenen Menschen, die gerade zu arbeitsgesellschaftlichen Subjekten wurden, alternative – oder besser: komplementäre – Angebote machten. Dies ist Forschungsmeinungen entgegenzuhalten, die auf die beschränkten Realisierungschancen konsumgesellschaftlicher Lebensentwürfe hinweisen[50] und den Beginn »moderner Zeiten« im deutschsprachigen Raum nicht vor den 1950er-Jahren ansetzen.[51] Neuere Arbeiten betonen deshalb zu Recht die sich seit dem frühen 20. Jahrhundert eröffnenden Vorstellungsräume und weisen darauf hin, dass auch sie ein zentraler Bestandteil der Geschichte der Konsumgesellschaft sind.[52] Die Frage, ob die in den Schaufenstern dargebotenen Waren tatsächlich gekauft werden konnten, ist wichtig, aber breiter zu kontextualisieren.[53] In diesem Sinne schreibt Hartmut Berghoff, dass der Lebensstandard deutscher ArbeiterInnen des beginnenden 20. Jahrhunderts zwar niedriger gewesen sei als jener ihrer englischen oder US-amerikanischen ZeitgenossInnen. Zugleich aber hätten merkliche Verbesserungen euphorische Voraussagen genährt, dass das 20. Jahrhundert Wohlstand für alle ermöglichen werde.[54]

»KonsumentInnen aller Länder vereinigt Euch« – so könnte man die Aussage dieses Plakats zuspitzen, das den (künftigen) Konsum in leuchtenden Farben zeigt.
(Schweizerische Nationalbibliothek, Graphische Sammlung, Posters – SNL_BIEN_34)

Die Versorgungsengpässe des Ersten Weltkriegs und die Effekte der darauf folgenden Krisenzeiten waren sicherlich nicht geeignet, diese Hoffnungen zu erfüllen. Doch bei aller gebotenen Vorsicht sollte man den Einfluss konsumgesellschaftlicher Versprechen auch hier nicht unterschätzen,[55] vor allem mit Blick auf die jüngeren Altersgruppen. Dies gilt insbesondere für jene von der deutschen Historiographie oftmals übersehenen kleineren Staaten Europas, die von den Krisen und Weltkriegen weniger beeinträchtigt wurden oder gar davon profitierten.[56] Inwieweit sie in den kriegsversehrten größeren Ländern als Vorbilder dienten, ist noch kaum untersucht worden, da sich vergleichende und transnational ausgerichtete Studien in und über Deutschland nach wie vor meistens auf die »großen Drei« konzentrieren: Frankreich, Großbritannien und die USA. Ebenso wäre genauer zu analysieren, inwiefern der Erste Weltkrieg – neben seiner Bedeutung für die Etablierung arbeitsgesellschaftlicher Identitätsangebote und die Rationalisierung des (Nahrungsmittel-) Konsums[57] – tatsächlich eine Krise der Konsumgesellschaft bedeutete.[58] Zu erwähnen sind hier etwa die Umstellung von Gold- auf Papiergeld oder die Soldatenpakete, deren Inhalt keineswegs nur »lebensnotwendige« Dinge enthielt.

Wichtig für die geschichtswissenschaftliche Erforschung konsumgesellschaftlicher Phänomene ist deshalb eine stärkere Berücksichtigung von Kontinuitäten[59] und eine gewisse Zurückhaltung gegenüber Krisenerzählungen. Das bedeutet jedoch nicht, dass der Aufstieg konsumgesellschaftlicher Phänomene linear erfolgt wäre – weder hinsichtlich ihrer konkreten Ausformung noch der sie tragenden sozialen Gruppen.[60] Insbesondere gilt dies für die Zeit des Nationalsozialismus.[61] Doch auch wenn etwa die so genannten »Volks«-Konsumgüter eher wenige KonsumentInnen erreichten, sollte laut Berghoff die erfolgreiche Strategie der Regierung nicht unterschätzt werden, unhaltbare Versprechen so zu präsentieren, dass die Menschen an ihre unmittelbar bevorstehende Erfüllung glaubten.[62] Die zahlreichen Bezugnahmen auf die fordistischen USA, deren Produktivität wie Lebensstandard man schließlich sogar übertreffen wollte, sollten deshalb nicht einfach als Täuschung verstanden werden.[63]

Im Unterschied zur Zwischenkriegszeit bzw. zum Nationalsozialismus und parallel zum vermuteten Niedergang der Arbeitsgesellschaft wurde in der deutschsprachigen Publizistik der 1950er- und 1960er-Jahre weniger darüber debattiert, ob eine Konsumgesellschaft für die Zukunft zu erwarten und wünschenswert sei – die Frage lautete eher, wie mit diesem bereits die Gegenwart prägenden Phänomen umzugehen sei. Oft bezog man sich dabei auf das kulturpessimistische Denken der Zwischenkriegszeit, doch auch die sich abzeichnende konsumorientierte Gesellschaftsordnung fand eine starke Anhängerschaft.[64] Es wäre genauer zu untersuchen, inwiefern das Insistieren auf deren Neuheit es den deutschen VertreterInnen dieser zweiten Position erlaubte, die erwähnten Kontinuitäten vom Kaiserreich über die Weimarer Republik und den Nationalsozialismus auszublenden und die »individualistische«, auf freier Wahl gebaute Gegenwart und Zukunft der »totalitären«, an der Arbeit orientierten nationalsozialistischen Vergangenheit gegenüberzustellen. Fest steht, dass die Einflüsse des Kalten Kriegs hierbei nicht unterschätzt werden sollten. Er wurde nicht nur über wirtschaftliche Produktivität, Sputnik und Stellvertreterkriege geführt, sondern gerade auch über den Konsum: Die Propagierung und Produktion einer kommerziellen Konsumkultur und des »citizen consumer« als Inbegriff eines »demokratischen« Selbstverhältnisses waren wesentliche Einsätze.[65]

Frauen standen konsumgesellschaftliche Identitätsangebote schon in der ersten Jahrhunderthälfte zur Verfügung. Doch definierten sich Männer noch in den 1950er-Jahren nur über ihre Arbeit, wie dieses Werbebild aus dem New Yorker Studio des deutsch-amerikanischen Fotografen Henry Ries (1917–2004) nahezulegen scheint?
(Deutsches Historisches Museum, Foto: Henry Ries; siehe auch ders., Ich war ein Berliner. Erinnerungen eines New Yorker Fotojournalisten, Berlin 2001, S. 41)

Dieser »ideological and material contest« beeinflusste auch die Historiographie,[66] die bis heute andere konsumgesellschaftliche Phänomene im »Westen« nur zögernd zur Kenntnis nimmt. Dazu gehören die Geschichte nicht marktförmig organisierten Konsums, wie er etwa durch die subventionierte Benutzung öffentlicher Infrastrukturen ermöglicht wird,[67] und insbesondere die schon im ausgehenden 19. Jahrhundert einsetzende relationale Etablierung des weiblichen Konsum- und des männlichen Arbeitssubjekts.[68] Hätten sich die VertreterInnen des konsumistischen Narrativs stärker mit den einschlägigen geschlechtergeschichtlichen Studien auseinandergesetzt, wäre deutlich geworden, dass sich die Geschichte von Arbeit und Konsum im 20. Jahrhundert so einfach nicht erzählen lässt. Unbeachtet blieben aber lange Zeit auch konsumgesellschaftliche Strukturen und Vorstellungen jenseits des »Eisernen Vorhangs«. Die entsprechenden Forschungen erlauben es nicht nur, der dichotomisierenden Gegenüberstellung von Arbeiterstaat und Konsumgesellschaft zu entkommen, sondern führen auch zu einer differenzierteren Betrachtung konsumgesellschaftlicher Phänomene.[69] Wer von »der« Konsumgesellschaft spricht, übersieht folglich die grundsätzliche Involviertheit des eigenen Untersuchungswerkzeugs in die erzählte Geschichte. Wie die damit eng verbundene Amerikanisierungsthese[70] war und ist dieser Begriff zunächst und vor allem als Teil eines wesentlich mit dem Kalten Krieg verbundenen politischen Projekts zu betrachten. Im Unterschied zum Kulturpessimismus schlug dieses jedoch nicht die Vergangenheit oder die »Gemeinschaft« als Lösung für die Ambivalenzen und Krisen der Moderne vor,[71] sondern den Konsum als Mittel gegen den Kommunismus.

Die Gegenüberstellung »fortschrittlicher«, »bürgerlicher«, »demokratischer« und marktregulierter Konsumgesellschaften einerseits und »totalitärer« (national)sozialistischer Arbeitsgesellschaften andererseits findet sich in manchen konsumistischen Darstellungen der Geschichte des 20. Jahrhunderts direkt wieder.[72] Reflexe lassen sich aber auch in differenzierteren Texten erkennen: Analog zu den zeitgenössischen Analysen gehen die meisten AutorInnen von einem historischen Phasenmodell aus,[73] dessen Übergangsperiode sie je nach Interesse und Untersuchungsgegenstand um 1950 oder in den 1960er-Jahren beginnen lassen. Vor allem aber werden die damaligen Debatten unkritisch übernommen, indem der Begriff der Konsumgesellschaft als heuristisches Werkzeug verwendet wird, mit dem gleich eine ganze Epoche beschrieben werden soll. Frank Trentmann hat in diesem Zusammenhang mehrfach kritisiert, dass das Konzept hauptsächlich durch die philosophische Beschäftigung mit der Moderne oder deren Verschwinden geprägt worden sei – und nicht durch eine empirische Untersuchung der historischen Dynamiken des Konsums. Dies habe zu jener monolithischen Gegenüberstellung von statisch organisierter Moderne und auf Wahlfreiheit basierender Konsumgesellschaft beigetragen, die hier auf dem Prüfstand steht. Man könne jedoch weder 1945 als »hour zero of consumerism« bestimmen noch dasselbe Konzept auf die 1950er- wie auf die 1990er-Jahre anwenden.[74]

Solcher Appelle zum Trotz scheint sich die Forschungssituation in der Zwischenzeit nicht wesentlich verändert zu haben. Dem Konzept der Konsumgesellschaft wird nach wie vor eine weitreichende Erklärungskraft zugeschrieben. Dagegen hoffe ich deutlich gemacht zu haben, dass die Komplexität von Gesellschaften in der ersten wie in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts nicht auf Begriffe zurückgeführt werden sollte, die einzelnen Lebensbereichen, geographischen Räumen oder spezifischen Phänomenen einen besonderen Stellenwert zuschreiben, um von hier aus auf die »ganze Gesellschaft« zu schließen. Mit anderen Worten: Wie die Arbeits- sollte die Konsumgesellschaft nicht als Werkzeug, sondern zuerst und vor allem als Untersuchungsobjekt betrachtet werden. Das bedeutet jedoch gerade nicht, dass es keine konsumgesellschaftlichen Strukturen und Selbstverhältnisse gegeben hätte, und dass sie es nicht auch weiterhin wert wären, untersucht zu werden. Analog zur Analyse der Produktion und Kodifizierung von Arbeit und Arbeitsgesellschaft muss dabei aber erstens gefragt werden, welche Phänomene unter welchen historischen Umständen als Konsum und konsumgesellschaftlich galten, welche davon ausgeschlossen wurden und wie sich die Konzepte von Konsum und Konsumgesellschaft selbst veränderten.[75]

Anstatt in idealtypisierender Weise konsumgesellschaftliche von arbeitsgesellschaftlichen Selbstverhältnissen zu unterscheiden, sollten zweitens vermehrt deren zahlreiche Verflechtungen untersucht werden. Dabei ist insbesondere zu beachten, dass Arbeit und Konsum nahezu gleichzeitig als Gegenstände von Selbstthematisierungen und Gesellschaftsbeschreibungen etabliert wurden. Der Konsum war nicht die Lösung der Problematik entfremdeter oder durchrationalisierter Arbeit; konsumgesellschaftliche Angebote ersetzten die arbeitsgesellschaftlichen weniger, als dass sie sie ergänzten.[76] Und vielleicht müsste man sogar prüfen, inwiefern die arbeitsgesellschaftlichen Identitätsangebote selbst eine Reaktion auf die Versprechen der Konsumgesellschaft waren. In jedem Fall erweist sich die Bestimmung von Epochen über diese Begriffe und deren Verknüpfung durch ein Phasennarrativ als eine der einflussreichsten Erzählungen, welche die Geschichts- und Sozialwissenschaften in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts produziert haben: Nicht zuletzt konnten Arbeit und Konsum aufgrund der »wirklichkeitskonstituierenden Funktion«[77] solcher Erzählungen zu mächtigen Modi der (Selbst-)Führung im 20. Jahrhundert werden.

3. Fazit: Eine relationale Perspektive
auf Strukturen und Prozesse mittlerer Reichweite

Die Arbeits- wie die Konsumgeschichtsschreibung zum deutschsprachigen Raum, so ist aus der bisherigen Argumentation zu folgern, sollten stärker als bisher über ihre jeweilige Rolle in der Geschichte des 20. Jahrhunderts, ihre Bedingtheit durch diese und ihre gegenseitigen Verschränkungen nachdenken. Dabei stehen sie nicht allein, wie ein Blick auf die internationale Debatte zeigt. Schon 1993 kritisierte etwa Gary Cross, dass ein stark generalisierender Fordismusbegriff die Cultural Studies daran gehindert habe, sich abgesehen von ihrer Bestimmung als ökonomische Grundlage der Konsumkultur konkret mit Arbeit zu beschäftigen.[78] Zweifellos ist es das Verdienst der Konsumgeschichtsschreibung, den Fokus auf Dinge und Handlungen jenseits von Betrieb und Klassenpolitik gelenkt und sich so an der Dezentrierung der Produktion beteiligt zu haben.[79] Aus heutiger Perspektive ist jedoch zu fragen, ob sie nicht die kritischen Potentiale und Perspektiven der Arbeitsgeschichte etwas vorschnell zusammen mit dieser entsorgte.[80]

Ein Desinteresse an Arbeit und Produktionsverhältnissen lässt sich etwa in vielen jener jüngeren konsum- und wirtschaftsgeschichtlichen Studien erkennen, die einem verbreiteten Unbehagen an sektoriellen und anderen schematischen Herangehensweisen Ausdruck verleihen. Zweifellos können die vielschichtigen Netzwerke von Produktion, Distribution, Vermittlung und Konsumtion auch ohne eine solche Perspektivierung gewinnbringend untersucht werden, so etwa in den aktuellen Arbeiten zu Commodity- oder Supply-Chains,[81] zu Vermittlungsinstitutionen und -praktiken[82] oder zur Materialität von (Waren-)Dingen.[83] Dennoch könnte es auch hier zu neuen Fragen und Erkenntnissen führen, wenn den arbeitenden AkteurInnen in diesen Netzwerken mehr Interesse entgegengebracht würde.[84]

Zur Ausblendung von Arbeit durch die Cultural Studies, so argumentiert Cross weiter, sei es nicht zuletzt deshalb gekommen, weil sich die Arbeitsgeschichte ihrerseits wenig für die Konsumkultur interessiert habe. Diese habe für eine »culture of classlessness« gestanden, welche die Bedeutung von Arbeit als Basis kollektiven Handelns zu untergraben drohte.[85] Tatsächlich nimmt die Arbeitsgeschichte heute zwar eine zunehmend transnationale Perspektive ein,[86] doch obwohl volkskundliche und alltagsgeschichtliche Arbeiten seit den 1960er-Jahren entsprechende Perspektiven präsentierten,[87] wurden Fabrik, Betrieb oder Unternehmen und die sie umgebenden Institutionen bisher nur selten wirklich verlassen.[88] In jüngerer Zeit jedoch lässt sich (wieder) eine Öffnung für konsum- und kulturgeschichtliche Perspektiven beobachten, welche die älteren Ansätze aufnimmt und mit neuen Fragen verknüpft.[89]

Arbeiter oder Konsumenten? Das Bild zeigt die Zigaretten- und Süßigkeitenangebote in der »automatischen Kantine« einer Krupp-Lokomotivfabrik um 1965.
(Historisches Archiv Krupp, Essen, F 34/26.20)

Vor dem Hintergrund dieser Beobachtungen stellt sich die Frage, ob die Ursachen für die zurückhaltende gegenseitige Wahrnehmung von Arbeits- und Konsumgeschichtsschreibung – zumindest im hier besprochenen Zusammenhang einer Geschichte von Selbstverhältnissen – nicht gerade in den gemeinsamen Grundlagen dieser beiden Forschungsrichtungen zu suchen sind. So argumentiert etwa David Graeber, die im Begriff »Konsum« implizierte dualistische Aufteilung von Handlungssphären führe fast unweigerlich dazu, dass alle Formen nicht-entfremdeter Produktion der Kategorie des Konsums zugeschrieben würden.[90] In der Tat dürfte der auf die klassische Nationalökonomie zurückgehende Dualismus von Konsumtion und Produktion dazu beigetragen haben, dass die Arbeits- und die Konsumgeschichtsschreibung die von Cross dargestellten zwei gegensätzlichen, letztlich aber komplementären Haltungen etablierten. Problematisch werden in dieser Sichtweise nicht nur die Rede von der Arbeits- und der Konsumgesellschaft, sondern auch die Konzepte des Konsums und der Arbeit selbst.[91]

Diese Überlegungen machen deutlich, dass nach wie vor ein Bedarf an theoretischer und methodologischer Reflexion besteht, wenn es darum gehen soll, eine (Zeit-)Geschichte von Arbeit und Konsum zu konzipieren und in umfassendere Darstellungen der Geschichte des 20. Jahrhunderts zu integrieren. Fest steht, dass wir dabei nicht einfach auf Epochenbeschreibungen und Periodisierungen verzichten können. Eine Geschichtswissenschaft, die sich in Detailstudien verliert und Probleme schlicht durch die Erhöhung der Komplexität lösen will, zieht sich auf einen fragwürdigen Positivismus zurück.[92] Für diese Aufgabe aber eignen sich die konsumistische Erzählung und ihre beiden Kernbegriffe nicht. Hier überwiegen die heuristischen Nachteile des hohen Abstraktionsgrades und der politischen Aufladung eindeutig gegenüber den Vorteilen der dadurch ermöglichten eingängigen Darstellung.

Eher hilflos erscheint deshalb auch der Versuch, das Narrativ abzuschwächen, indem die Konsumgesellschaft lediglich als »Fluchtpunkt der historischen Entwicklung des Konsums« und das Konzept selbst als »Tendenzbegriff« bestimmt werden;[93] zu deutlich ist auch hier noch ein teleologisches Moment enthalten. Es führt aber ebenfalls nicht weiter, die Phasenerzählung einfach durch eine Geschichte konkurrierender Identitätsangebote zu ersetzen[94] – ganz zu schweigen von dem Versuch, die »postmaterialistische[n]« Einstellungen ebenso wie einen angeblich »krasse[n] Hedonismus und Individualismus« der »68er« als »weithin überschätzte Durchgangsphase« zu diskreditieren, nach der heute glücklicherweise »traditionelle Tugenden wie das Leistungsdenken und das Arbeitsethos erneut nachhaltig auf[ge]wertet« würden.[95] Dagegen weist etwa Gerhard Schulze darauf hin, dass man »[ü]ber Eigenschaften von Gesellschaften […] nur vergleichend reden« könne. Sein Begriff der »Erlebnisgesellschaft« sei deshalb lediglich »ein graduelles Prädikat«, denn es sei »absurd, diesen Aspekt zum Ganzen zu erklären«.[96] Genau diese Perspektive bleibt er jedoch schuldig; die »Erlebnisgesellschaft« folgt in seiner Darstellung auf die Arbeitsgesellschaft[97] und ist letztlich nichts anderes als ein Konkurrenzbegriff zur Konsumgesellschaft.

Im thematisch vergleichbaren Zusammenhang der Gegenüberstellung von Industrie- bzw. Klassengesellschaft einerseits und Konsumgesellschaft andererseits hat jüngst auch Thomas Welskopp die Problematik solcher Darstellungen aufgezeigt: Solange diese Konzepte als Alternativen verwendet werden, folgert er aus seinen Überlegungen, »laufen wir Gefahr, an synthetischer Aufschließungskraft für eine Theorie moderner Gesellschaften eher zu verlieren als zu gewinnen«.[98] Und Frank Trentmann argumentiert, dass die Herausforderung in der Integration verschiedener gesellschaftlicher Bereiche bestehe, und nicht in der Anwendung oppositioneller oder sequentieller Analysemodelle.[99] Eine solche, von »Wechselbeziehungen und Interdependenzen«[100] ausgehende Perspektive nahm Rudolf Braun schon 1965 ein, wenn er mit Blick auf die bis in die Frühe Neuzeit zurückreichende Geschichte der Industrialisierung argumentierte, dass das Arbeits- und Konsumverhalten sowie Begriffe wie Freizeit und Ferien »in ihrem heutigen Sinngehalt […] einem Lebensrhythmus angehören, der sich erst in jüngster Zeit herausgebildet hat: einem ›industriellen‹ Lebensrhythmus«.[101] Interessant an dieser Formulierung ist für meine Argumentation weniger der Verweis auf die Industriegesellschaft als vielmehr der Umstand, dass Braun auf analog zu den hier diskutierten Konzepten konstruierte »Gesellschaftsbegriffe« und Phasenmodelle verzichtet. Stattdessen schlägt er eine Periodisierung vor, die sich an grundlegenderen Verschiebungen orientiert – dem Aufkommen kapitalistischer und im weitesten Sinne »industrieller« Produktionsweisen.[102] Die untersuchte Epoche erscheint dabei keineswegs so monolithisch wie die von den Gesellschaftsbegriffen bezeichneten Zeiträume; die Beschreibung des industriellen Kapitalismus verkommt nicht zu einer ahistorischen Bestimmung abstrakter Produktionsverhältnisse. So veränderten in Brauns Beispiel zwar die im 19. Jahrhundert errichteten Fabriken und Maschinen das Leben im Zürcher Oberland, doch geschah dies auf der Basis von Strukturen, die bereits die ältere Verlagsindustrie etabliert hatte.[103]

Wie kann diese Perspektive auf die hier im Zentrum stehende Geschichte des 20. Jahrhunderts übertragen werden? Anstatt »metonymische« Begriffe ins Zentrum zu stellen, die von einem Aspekt auf eine »ganze Gesellschaft« schließen,[104] möchte ich vorschlagen, in einem ersten Schritt nach jenen Phänomenen mittlerer Reichweite zu fragen, die einen bestimmten Zeitraum prägten.[105] Mit Braun einen begrenzten geographischen Raum anzuschauen bietet sich für solche zeitlichen »Querschnitte«[106] nach wie vor an. Methodisch ebenso vielversprechend – besonders für die hier zentrale Untersuchung der Formierung von Selbstverhältnissen – ist auch die Analyse von Quellengattungen, die quer zu einzelnen Lebensbereichen liegen. Dazu zählen Unterhaltungsmedien, aber auch Egodokumente wie Tagebücher und Familienkorrespondenzen.[107]

Wichtig ist, wie auch Frank Bösch argumentiert, eine solche »neue« Alltagsgeschichte[108] »nicht als Verlustgeschichte zu untersuchen (Abschied vom Bürgertum oder [von der] Arbeiterkultur), sondern als das alltägliche Einpassen in neue soziale Rahmungen«.[109] Wie ich in diesem Aufsatz gezeigt habe, ist dabei zudem unabdingbar, dass wir die Relationalität der unterschiedlichen Aspekte dieser Rahmungen berücksichtigen. In diesem Sinne schlägt Thomas Welskopp vor, Arbeit und Konsum nicht grundsätzlich zu unterscheiden, sondern als sich jeweils bedingende Bereiche der Herstellung und Allokation von Waren zu beschreiben, die sich unter den historischen Bedingungen eines zunehmend großbetrieblich produzierenden und über Märkte distribuierenden Kapitalismus etablierten.[110] Wie auch immer man die Rolle von Industrialisierung und Märkten bewertet: Zu untersuchen sind also weniger einzelne Lebensbereiche wie »die« Arbeit oder »der« Konsum. Vielmehr muss analysiert werden, wie sich diese Bereiche zu unterschiedlichen Zeitpunkten überhaupt gegenseitig konstituierten.[111] Die vergangenen rund eineinhalb Jahrhunderte lassen sich dann als Epoche beschreiben, in der sich ein komplexes Arrangement aus Märkten, (Klein-)Familie, Arbeit, Migration, Zweigeschlechtlichkeit, Freizeit, (sub)urbanisierten Räumen, Betrieben, Nationalstaaten, Konsum, Religion sowie weiteren Institutionen und Identitätsangeboten herausbildete.

Ohne die komplexen Verschränkungen der einzelnen Lebensbereiche aus den Augen zu verlieren, erzählte Rudolf Braun die Geschichte dieses Arrangements vom Aufkommen des Fabriksystems her. Auch in der Zeitgeschichtsschreibung können wir nicht auf das Hervorheben bestimmter Phänomene verzichten. In einem zweiten Schritt gilt es deshalb, das Arrangement zu strukturieren. Welche Prioritäten wir dabei setzen, welche Aspekte wir als »Grundpfeiler des Lebens«[112] in einer bestimmten Periode identifizieren, hängt von unseren Erkenntnisinteressen ab: Es spielt eine Rolle, ob wir eher aus geschlechter-,[113] migrations- [114] oder technikgeschichtlicher[115] Perspektive auf die Geschichte schauen. Mit Johanna Gehmacher und Maria Mesner ist deshalb festzuhalten, »dass für jede postulierte Zeitgrenze die Gegenstandskonstruktionen mit zu reflektieren sind, aus denen heraus sie entwickelt wurde«.[116] Auch so spricht jedoch vor dem Hintergrund der hier diskutierten Forschungen einiges dafür, dass Konsum und Arbeit zu den prägenden Aspekten des 20. Jahrhunderts gehörten.

In einem »GEOkompakt«-Heft aus dem Jahr 2014 zum Thema »Stress« heißt es: »Wir leben in einer ›Arbeitsgesellschaft‹ – und kaum jemand wundert sich darüber. […] Völlig natürlich erscheint es uns, dass Arbeit allgegenwärtig ist, dass sie unseren Alltag strukturiert, einen Großteil unserer Lebenszeit in Anspruch nimmt, über Einkommen und Lebensstandard bestimmt. […] Ebenso sehr erwarten viele, dass ein Job heute weit mehr bieten soll als reinen Broterwerb. Suchen wir in der Arbeit nicht nur Sicherheit, sondern zugleich auch Erfüllung. […] Gleichzeitig wünschen sich […] immer mehr Menschen, dass Beruf und Freizeit in einem Gleichgewicht stehen sollen. Die work-life balance gilt ihnen nicht als Selbstverständlichkeit, sondern als etwas, wofür man sich einsetzen muss.«[117] Arbeit, so argumentiert die Wissenschaftsjournalistin Dela Kienle, war das bestimmende Prinzip der letzten 300 Jahre. Aus der Perspektive der Geschichte von Selbstverhältnissen[118] habe ich dagegen gezeigt, dass diese Geschichte nicht ohne balance, nicht ohne die relationale Berücksichtigung des (restlichen) Lebens, geschrieben werden kann. Konsumgesellschaftliche Strukturen und Selbstverhältnisse spielten dabei eine zentrale Rolle. Und so erstaunt es nicht, dass die von der Autorin als Gegenstück zum Arbeitsstress beschworenen Praktiken der Frei- und Familienzeit in den restlichen Artikeln immer auch konsumgesellschaftlich strukturiert daherkommen.

Das Heft selbst enthält zwar erstaunlicherweise fast keine Werbung von Dritten, seine Existenz ist aber das Resultat einer an verschiedene Kundensegmente angepassten Ausdifferenzierung der Marke »GEO«: Neben Ausgaben für Kinder und Geschichtsinteressierte findet sich unmittelbar vor Kienles Artikel der Hinweis auf die »GEO SAISON Extra« mit Konsumtipps für Reisen in die Toskana. Daneben wird die »neue Travel-Outdoor-Kollektion [...] GEO by killtec« vorgestellt, und unter dem Motto »work hard play hard« das im gleichen Verlag erscheinende Magazin »Business Punk« beworben. Diese Zeitschrift, so die Selbstbeschreibung, »ist das Business-Lifestyle-Magazin für alle, die etwas bewegen wollen. Für Leute, die ihr eigenes Ding durchziehen und die in Unternehmen etwas unternehmen. Für die ein Job mehr ist als nur ein Job, weil er sie antreibt und zum Leben dazugehört. Für alle, die bereit sind, sich in ein Projekt richtig reinzuknien und für die Uhrzeiten nur eine Art Richtgeschwindigkeit sind und Schlaf ein notwendiges Übel ist – weil sie nach dem Büro lieber mit Kollegen und Freunden feiern. Auch mal bis in den frühen Morgen.«[119] Die hier skizzierte Perspektive ermöglicht es, über simplifizierende Kommerzialisierungsthesen hinauszugehen und den »Business Punk« als Subjekt des beginnenden 21. Jahrhunderts zu beschreiben, das wesentlich durch die Geschichte der Konsum- und Arbeitsgesellschaft seit dem frühen 20. Jahrhundert geprägt ist.[120]

Anmerkungen:

[1] Der vorliegende Artikel systematisiert eine Thematik, die ich bei den Schweizerischen Geschichtstagen 2013, einem Workshop an der Columbia University im März 2013 und dem Basler Geschlechtergeschichte-Kolloquium 2014 mit FachkollegInnen diskutiert habe. Ihnen gilt mein Dank, insbesondere meiner Workshop-Mitorganisatorin Maren Möhring. Bedanken möchte ich mich ferner bei Brigitta Bernet, Ulf Brunnbauer, Sabine Donauer, Alexa Geisthövel, Thomas Haupt, Jan-Holger Kirsch, Oliver Kühschelm, Daniel Morat, Eveline Müller, Yvonne Müller, Jörg Neuheiser, Julia Stegmann, Nina Verheyen und den anonymen GutachterInnen für Kritik, Lektüre und/oder eigene Manuskripte. Das Verfassen des Textes wurde durch ein Ambizione-Stipendium des Schweizerischen Nationalfonds ermöglicht.

[2] Lawrence Birken, Consuming Desire. Sexual Science and the Emergence of a Culture of Abundance 1871–1914, Ithaca 1989. Kritisch dagegen jüngst der in diesem Zusammenhang allgemein sehr empfehlenswerte Beitrag von Thomas Welskopp, Konsum, in: Christof Dejung/Monika Dommann/Daniel Speich Chassé (Hg.), Auf der Suche nach der Ökonomie. Historische Annäherungen, Tübingen 2014, S. 125-152, hier S. 127f.

[3] Vgl. insbes. Zygmunt Bauman, Consuming Life, Cambridge 2007; Richard Sennett, Der flexible Mensch. Die Kultur des neuen Kapitalismus, München 2000, S. 133; Hannah Arendt, Vita activa oder Vom tätigen Leben [1958], München 1998, S. 13, S. 410f.; Jeremy Rifkin, The End of Work. The Decline of the Global Labor Force and the Dawn of the Post-Market Era, New York 1995; Joachim Matthes (Hg.), Krise der Arbeitsgesellschaft? Verhandlungen des 21. Deutschen Soziologentages in Bamberg 1982, Frankfurt a.M. 1983; Ralf Dahrendorf, Im Entschwinden der Arbeitsgesellschaft. Wandlungen in der sozialen Konstruktion des menschlichen Lebens, in: Merkur 38 (1980), S. 749-760. Vergleichbar ist auch die Argumentation in Gerhard Schulze, Die Erlebnisgesellschaft. Kultursoziologie der Gegenwart, Frankfurt a.M. 1992.

[4] Vgl. für die neuere Literatur Andreas Wirsching, From Work to Consumption. Transatlantic Visions of Individuality in Modern Mass Society, in: Contemporary European History 20 (2011), S. 1-26; ders., Konsum statt Arbeit? Zum Wandel von Individualität in der modernen Massengesellschaft, in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 57 (2009), S. 171-199; Joachim Fischer, Bürgerliche Gesellschaft. Zur analytischen Kraft der Gesellschaftstheorie, in: Heinz Bude/Joachim Fischer/Bernd Kauffmann (Hg.), Bürgerlichkeit ohne Bürgertum. In welchem Land leben wir?, München 2010, S. 203-227, hier insbes. S. 218f.; ders., Warenwerbung und Warentest oder Poetismus und Rationalismus. Komplementäre Sozialmechanismen in der bürgerlichen Massenkultur, in: Kai-Uwe Hellmann/Dominik Schrage (Hg.), Konsum der Werbung. Zur Produktion und Rezeption von Sinn in der kommerziellen Kultur, Wiesbaden 2004, S. 49-62, hier insbes. S. 58ff.; Erica Carter, Frauen und die Öffentlichkeit des Konsums, in: Heinz-Gerhard Haupt/Claudius Torp (Hg.), Die Konsumgesellschaft in Deutschland 1890–1990. Ein Handbuch, Frankfurt a.M. 2009, S. 154-171, hier S. 170f.; Stefan Hradil, Arbeit, Freizeit, Konsum: Von der Klassengesellschaft zu neuen Milieus?, in: Thomas Raithel/Andreas Rödder/Andreas Wirsching (Hg.), Auf dem Weg in eine neue Moderne? Die Bundesrepublik Deutschland in den siebziger und achtziger Jahren, München 2009, S. 69-82, hier S. 73; Dominik Schrage, Die Verfügbarkeit der Dinge. Eine historische Soziologie des Konsums, Frankfurt a. M. 2009, S. 266; Wolfgang König, Kleine Geschichte der Konsumgesellschaft. Konsum als Lebensform der Moderne, Stuttgart 2008, S. 21, S. 27, S. 48; Edgar Wolfrum, Die geglückte Demokratie. Geschichte der Bundesrepublik Deutschland von ihren Anfängen bis zur Gegenwart, München 2007, S. 249, S. 255, vgl. allerdings auch S. 409f.

[5] Vgl. dazu Wiebke Wiede, Subjekt und Subjektivierung, Version: 1.0, in: Docupedia-Zeitgeschichte, 10.12.2014, URL: <http://docupedia.de/zg/Subjekt_und_Subjektivierung>.

[6] Vgl. dazu für den deutschsprachigen Raum die kritische Übersicht von Peter Hübner, Arbeitsgesellschaft in der Krise? Eine Anmerkung zur Sozialgeschichte der Industriearbeit im ausgehenden 20. Jahrhundert, in: Zeitgeschichte-online, Januar 2010, URL: <http://www.zeitgeschichte-online.de/zol-industriearbeiter-2010>, sowie Jörg Neuheiser, Arbeit zwischen Entgrenzung und Konsum. Die Geschichte der Arbeit im 20. Jahrhundert als Gegenstand aktueller zeithistorischer und sozialwissenschaftlicher Studien, in: Neue Politische Literatur 58 (2013), S. 421-448; Knud Andresen/Ursula Bitzegeio/Jürgen Mittag (Hg.), »Nach dem Strukturbruch«? Kontinuität und Wandel von Arbeitsbeziehungen und Arbeitswelt(en) seit den 1970er-Jahren, Bonn 2011; Dieter Sauer, Die Zukunft der Arbeitsgesellschaft. Soziologische Deutungen in zeithistorischer Perspektive, in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 55 (2007), S. 309-328.

[7] Eckart Conze, Die Suche nach Sicherheit. Eine Geschichte der Bundesrepublik Deutschland von 1949 bis in die Gegenwart, München 2009, S. 677f.; vgl. auch S. 233f., S. 560.

[8] Zur Kritik der so genannten Instrumentalismus-These vgl. nach wie vor Birgit Mahnkopf, Verbürgerlichung. Die Legende vom Ende des Proletariats, Frankfurt a.M. 1985, insbes. S. 156ff.; prägnant auch: Josef Mooser, Abschied von der »Proletarität«. Sozialstruktur und Lage der Arbeiterschaft in der Bundesrepublik in historischer Perspektive, in: Werner Conze/M. Rainer Lepsius (Hg.), Sozialgeschichte der Bundesrepublik Deutschland. Beiträge zum Kontinuitätsproblem, Stuttgart 1983, S. 143-186, hier insbes. S. 177.

[9] Anselm Doering-Manteuffel, Die deutsche Geschichte in den Zeitbögen des 20. Jahrhunderts, in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 62 (2014), S. 321-348, hier S. 344; ähnlich auch Ulrich Herbert, Europe in High Modernity. Reflections on a Theory of the 20th Century, in: Journal of Modern European History 5 (2007), S. 5-21, hier S. 16ff.

[10] Andreas Reckwitz, Das hybride Subjekt. Eine Theorie der Subjektkulturen von der bürgerlichen Moderne zur Postmoderne, Weilerswist 2006, insbes. Kap. 4.2.4.

[11] So unterscheiden Anselm Doering-Manteuffel/Lutz Raphael, Nach dem Boom. Perspektiven auf die Zeitgeschichte seit 1970, Göttingen 2008, 3., ergänzte Aufl. 2012, eine »konforme Konsumgesellschaft der Boomphase« und eine »individualisierte Konsumentengesellschaft« danach, deren Aufstieg mit dem »Rückgang der alten Arbeitswelt« verbunden gewesen sei (S. 124; vgl. auch S. 52ff. und S. 62). Auch wenn – oder gerade weil – damit also die Konsumgesellschaft selbst ausdifferenziert wird, bleibt das konsumistische Narrativ eines der zentralen Strukturmerkmale der ganzen Darstellung. Zugleich verfolgen die Autoren jedoch aufmerksam die Transformationen der Arbeitswelt in den Jahrzehnten nach 1970, wenn sie etwa – im Zusammenhang mit neuen Konsumpraktiken – von einer »Arbeitnehmergesellschaft neuen Typs« (S. 62) sprechen.

[12] Hans-Ulrich Wehler, Deutsche Gesellschaftsgeschichte, Bd. 5: Von der Gründung der beiden deutschen Staaten bis zur Vereinigung 1949–1990, München 2008, S. 58, S. 81; vgl. dazu auch Jörg Neuheiser, Der »Wertewandel« zwischen Diskurs und Praxis. Die Untersuchung von Wertvorstellungen zur Arbeit mit Hilfe von betrieblichen Fallstudien, in: Bernhard Dietz/Christopher Neumaier/Andreas Rödder (Hg.), Gab es den Wertewandel? Neue Forschungen zum gesellschaftlich-kulturellen Wandel seit den 1960er Jahren, München 2013, S. 141-167, hier insbes. S. 142.

[13] Ähnlich argumentiert Welskopp, Konsum (Anm. 2), S. 137ff., S. 144ff.; vgl. neuerdings auch die Einleitung sowie die Beiträge von Céline Angehrn und Martin Lengwiler in: Brigitta Bernet/Jakob Tanner (Hg.), Ausser Betrieb. Metamorphosen der Arbeit in der Schweiz, Zürich 2015. Schon Ende der 1990er-Jahre deutete auch Dietrich Mühlberg eine solche Perspektive an, doch orientierte er sich schließlich am konsumistischen Narrativ: Von der Arbeitsgesellschaft in die Konsum-, Freizeit- und Erlebnisgesellschaft. Kulturgeschichtliche Überlegungen zum Bedürfniswandel in beiden deutschen Gesellschaften, in: Christoph Kleßmann (Hg.), Deutsche Vergangenheiten – eine gemeinsame Herausforderung. Der schwierige Umgang mit der doppelten Nachkriegsgeschichte, Berlin 1999, S. 176-205, hier S. 181. Außerhalb des deutschsprachigen Raums hingegen wurden solche Fragen eingehender diskutiert, so beispielsweise aus einer betont ökologischen Sicht bei Sharon Beder, Consumerism – an Historical Perspective, in: Pacific Ecologist 9 (2004), S. 42-48; dies., Selling the Work Ethic. From Puritan Pulpit to Corporate PR, London 2000, insbes. Kap. 12.

[14] Alf Lüdtke, Eigen-Sinn. Fabrikalltag, Arbeitererfahrungen und Politik vom Kaiserreich bis in den Faschismus, Hamburg 1993, insbes. S. 120-160.

[15] Jürgen Kocka, Mehr Last als Lust. Arbeit und Arbeitsgesellschaft in der europäischen Geschichte, in: Zeitgeschichte-online, Januar 2010, URL: <http://www.zeitgeschichte-online.de/thema/mehr-last-als-lust>, Abschnitt 2.

[16] Kathleen Canning, Languages of Labor and Gender. Female Factory Work in Germany, 1850–1914, Ithaca 1996, S. 218ff., S. 258ff., hier S. 258.

[17] Vgl. dazu Thomas Welskopp, The Vision(s) of Work in the Nineteenth-Century German Labour Movement, in: Jürgen Kocka (Hg.), Work in a Modern Society. The German Historical Experience in Comparative Perspective, New York 2010, S. 55-71; Lüdtke, Eigen-Sinn (Anm. 14), S. 302ff.

[18] Vgl. Canning, Languages of Labor and Gender (Anm. 16), insbes. S. 258ff.; Ueli Haefeli, Der Erfolg gibt ihnen recht. Die zentrale Stellung von Arbeit und ihre retrospektive Wertung in zwei Schweizer Mittellandgebieten um die Mitte des 20. Jahrhunderts, in: Ulrich Pfister/Brigitte Studer/Jakob Tanner (Hg.), Arbeit im Wandel. Organisation und Herrschaft vom Mittelalter bis zur Gegenwart, Zürich 1996, S. 65-83.

[19] Kocka, Mehr Last als Lust (Anm. 15), Abschnitt 2; vgl. auch Lüdtke, Eigen-Sinn (Anm. 14), S. 124, S. 121.

[20] Josef Ehmer, Arbeit im Wandel. Überlegungen zur Geschichte und Geschichtsschreibung, in: Bettina Kubicek u.a. (Hg.), Arbeitswelten im Wandel. Interdisziplinäre Perspektiven der Arbeitsforschung, Wien 2012, S. 19-44, hier S. 20.

[21] Vgl. dazu am Beispiel des Leistungsdenkens Nina Verheyen, Unter Druck. Die Entstehung individuellen Leistungsstrebens um 1900, in: Merkur 66 (2012), S. 382-390.

[22] Mooser, Abschied (Anm. 8), S. 186.

[23] Welskopp, Vison(s) of Work (Anm. 17), S. 55f.; vgl. auch Carmen Platonina/Thomas Welskopp, Entfremdung. Marx’ negative historische Evolutionslehre der Arbeit, in: Marx-Engels-Jahrbuch 2010, S. 28-52.

[24] Sebastian Conrad/Elisio Macamo/Bénédicte Zimmermann, Die Kodifizierung der Arbeit: Individuum, Gesellschaft, Nation, in: Jürgen Kocka/Claus Offe (Hg.), Geschichte und Zukunft der Arbeit, Frankfurt a.M. 2000, S. 449-475, hier S. 453, S. 463, S. 474; vgl. auch Kocka, Mehr Last als Lust (Anm. 15), Abschnitt 3, sowie zur Schweiz neuerdings Martin Lengwiler, Arbeitsgesellschaft. Kodifizierung von Arbeit im 20. Jahrhundert, in: Bernet/Tanner, Ausser Betrieb (Anm. 13), S. 71-90.

[25] Vgl. u.a. Sigrid Wadauer, Establishing Distinctions: Unemployment Versus Vagrancy in Austria from the Late Nineteenth Century to 1938, in: International Review of Social History 56 (2011), S. 31-70; vgl. ferner Nicole Colin/Franziska Schößler (Hg.), Das nennen Sie Arbeit? Der Produktivitätsdiskurs und seine Ausschlüsse, Heidelberg 2013.

[26] Vgl. aktuell die Intervention von Barbara Duden, Kontinuität oder Epochenbruch? Zeitenwende oder geschichtliche Schwelle? Zur Zeitgeschichte der Integration der häuslichen Ökonomie von Frauen in die formelle Ökonomie, in: LʼHomme. Europäische Zeitschrift für feministische Geschichtswissenschaft 25 (2014) H. 2, S. 103-120, sowie Edith Saurer, Liebe und Arbeit. Geschlechterbeziehungen im 19. und 20. Jahrhundert, Wien 2014. Vgl. ferner u.a. Karin Hausen, Work in Gender, Gender in Work: The German Case in Comparative Perspective, in: Kocka, Work in a Modern Society (Anm. 17), S. 73-92; Regina Wecker, Zwischen Ökonomie und Ideologie. Arbeit im Lebenszusammenhang von Frauen im Kanton Basel-Stadt 1870–1910, Zürich 2007; Béatrice Ziegler, Arbeit – Körper – Öffentlichkeit. Berner und Bieler Frauen zwischen Diskurs und Alltag (1919–1945), Zürich 2007; Canning, Languages of Labor and Gender (Anm. 16); Gisela Bock/Barbara Duden, Arbeit aus Liebe – Liebe als Arbeit. Zur Entstehung der Hausarbeit im Kapitalismus, in: Gruppe Berliner Dozentinnen (Hg.), Frauen und Wissenschaft. Beiträge zur Berliner Sommeruniversität für Frauen, Juli 1976, Berlin 1977, S. 118-199.

[27] Jessica Richter, Den Dienst als offizielles Erwerbsverhältnis (re-)konstruieren. Hauswirtschaftliche und landwirtschaftliche DienstbotInnen in Österreich (1918–1938), in: Colin/Schößler, Das nennen Sie Arbeit? (Anm. 25), S. 189-213.

[28] Vgl. Michael Wildt, Der Begriff der Arbeit bei Hitler, in: Marc Buggeln/Michael Wildt (Hg.), Arbeit im Nationalsozialismus, Berlin 2014, S. 3-24; Werner Hamacher, Arbeiten Durcharbeiten, in: Dirk Baecker (Hg.), Archäologie der Arbeit, Berlin 2002, S. 155-200; Lüdtke, Eigen-Sinn (Anm. 14), insbes. S. 283-350.

[29] Vgl. Céline Angehrn, Berufsbilder. Das Tableau der modernen Arbeit, in: Bernet/Tanner, Ausser Betrieb (Anm. 13), S. 109-123; Sigrid Wadauer/Thomas Buchner/Alexander Mejstrik (Hg.), History of Labour Intermediation. Institutions and Finding Employment in the Nineteenth and Early Twentieth Centuries, New York 2015; Malte Bachem, Beruf und Persönlichkeit. Zuordnungsroutinen der Berufsberatung in der Schweiz um 1920, in: Geschichte und Gesellschaft 39 (2013), S. 69-85; Irina Vana, Zur Durchsetzung von Berufskonzepten durch die öffentliche Arbeitsmarktverwaltung (Österreich 1918–1938), in: Österreichische Zeitschrift für Geschichtswissenschaften 24 (2013) H. 1, S. 34-58; Daniela Saxer, Persönlichkeiten auf dem Prüfstand. Die Produktion von Arbeitssubjekten in der frühen Berufsberatung, in: Historische Anthropologie 19 (2011), S. 354-371.

[30] Vgl. u.a. Malte Bachem, Dealing with Human Capital in Space. Computergestützte Tests in der Berufsberatung der Schweiz, in: Traverse. Zeitschrift für Geschichte/Revue d’histoire 20 (2013) H. 2, S. 125-138; ders./Ruben Hackler, Überlegungen zu einer historischen Anthropologie des Verfahrens, in: H-Soz-Kult, Forum: Historische Anthropologie, 19.6.2012, URL: <http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/forum/type=diskussionen&id=1801>; Knud Andresen, Strukturbruch in der Berufsausbildung? Wandlungen des Berufseinstiegs von Jugendlichen zwischen den 1960er und 1980er Jahren, in: ders./Bitzegeio/Mittag, »Nach dem Strukturbruch«? (Anm. 6), S. 159-180; Ruth Rosenberger, Experten für Humankapital. Die Entdeckung des Personalmanagements in der Bundesrepublik Deutschland, München 2008; Eva Horn, Test und Theater. Zur Anthropologie der Eignung im 20. Jahrhundert, in: Ulrich Bröckling/Eva Horn (Hg.), Anthropologie der Arbeit, Tübingen 2002, S. 109-125.

[31] Jörg Neuheiser, Vom bürgerlichen Arbeitsethos zum postmaterialistischen Arbeiten? Werteforschung, neue Arbeitssemantiken und betriebliche Praxis in den 1970er Jahren, in: Jörn Leonhard/Willibald Steinmetz (Hg.), Semantiken von Arbeit im internationalen Vergleich, Köln 2015 (in Vorbereitung), Ms. S. 21; vgl. auch ders., »Wertewandel« (Anm. 12), insbes. S. 165. Ähnlich argumentiert aus sozialgeschichtlicher Perspektive auch Hartmut Kaelble, Sozialgeschichte Europas 1945 bis zur Gegenwart, München 2007, insbes. S. 129ff. Das Konzept des Wertewandels lehnt er jedoch nicht ab.

[32] Duden, Kontinuität oder Epochenbruch? (Anm. 26), Zitate S. 107, S. 109, S. 113, S. 116.

[33] Arendt, Vita activa (Anm. 3), S. 13, S. 410f.

[34] Sennett, Der flexible Mensch (Anm. 3), S. 133.

[35] Auf diesen Aspekt wies etwa Haefeli, Erfolg (Anm. 18), insbes. S. 79, schon in den 1990er-Jahren hin.

[36] Vgl. Niklaus Ingold/Flurin Condrau, Gesundheit am Arbeitsplatz. Betriebliche Fitness in den 1960er- und 1970er-Jahren, in: Bernet/Tanner, Ausser Betrieb (Anm. 13), S. 276-292; Roberta Sassatelli, Konsum und neue kommerzielle Strukturen der Individualisierung. Das moderne Fitnessverständnis, in: Thomas Großbölting (Hg.), Jenseits der Moderne. Die siebziger Jahre als Gegenstand der deutschen und der italienischen Geschichtswissenschaft, Berlin 2014, S. 249-276; Simon Graf, Leistungsfähig, attraktiv, erfolgreich, jung und gesund: Der fitte Körper in post-fordistischen Verhältnissen, in: Body Politics 1 (2013), S. 139-157; Tobias Dietrich, Eine neue Sorge um sich? Ausdauersport im »Zeitalter der Kalorienangst«, in: Martin Lengwiler/Jeannette Madarász (Hg.), Das präventive Selbst. Eine Kulturgeschichte moderner Gesundheitspolitik, Bielefeld 2010, S. 279-304; Stefanie Duttweiler, Ein völlig neuer Mensch werden – Aktuelle Körpertechnologien als Medien der Subjektivierung, in: Karl Brunner/Daniela Hammer-Tugendhat/Andrea Griesebner (Hg.), Verkörperte Differenzen, Wien 2004, S. 130-146.

[37] Vgl. dazu jüngst das entsprechende Themenheft dieser Zeitschrift (3/2014) und die dort genannte Literatur.

[38] Vgl. dazu nach wie vor Joan Campbell, Joy in Work, German Work. The National Debate, 1800–1945, Princeton 1989.

[39] Sabine Donauer, Emotions at Work – Working on Emotions. On the Production of Economic Selves in Twentieth-Century Germany, phil. Diss. Freie Universität Berlin 2013 (ausgezeichnet mit dem Deutschen Studienpreis 2014); dies., Emotions at Work – Working on Emotions: Ein Rückblick in die Geschichte der industriellen Erwerbsarbeit, in: Olaf Geramanis/Kristina Hermann (Hg.), Organisation und Intimität. Der Umgang mit Nähe im organisationalen Alltag – zwischen Vertrauensbildung und Manipulation, Heidelberg 2014, S. 151-168; dies., Job Satisfaction statt Arbeitszufriedenheit: Gefühlswissen im arbeitswissenschaftlichen Diskurs der 1970er Jahre, in: Pascal Eitler/Jens Elberfeld (Hg.), Zeitgeschichte des Selbst. Therapeutisierung – Politisierung – Emotionalisierung, Bielefeld 2015 (in Vorbereitung).

[40] Karsten Uhl, Humane Rationalisierung? Die Raumordnung der Fabrik im fordistischen Jahrhundert, Bielefeld 2014; vgl. auch Ehmer, Arbeit im Wandel (Anm. 20), S. 36f.; Winfried Süß/Dietmar Süß, Zeitgeschichte der Arbeit: Beobachtungen und Perspektiven, in: Andresen/Bitzegeio/Mittag, »Nach dem Strukturbruch«? (Anm. 6), S. 345-365, hier insbes. S. 351ff.; Sauer, Zukunft der Arbeitsgesellschaft (Anm. 6), insbes. S. 310ff., S. 328.

[41] Sven Reichardt, Authentizität und Gemeinschaft. Linksalternatives Leben in den siebziger und frühen achtziger Jahren, Berlin 2014, S. 319ff. und S. 885ff., Zitate S. 321, S. 332, S. 347, S. 890; vgl. dazu auch Detlef Siegfried, Time Is On My Side. Konsum und Politik in der westdeutschen Jugendkultur der 60er Jahre, Göttingen 2006, der dem Bereich alternativen Arbeitens allerdings kaum Aufmerksamkeit schenkt und sich wohl nicht zuletzt deshalb deutlicher am konsumistischen Narrativ orientiert (etwa S. 33).

[42] Frank Bösch, Das Nahe so fern. Die Lebenswelt als Herausforderung der Zeitgeschichtsschreibung, in: ders./Martin Sabrow (Hg.), ZeitRäume. Potsdamer Almanach des Zentrums für Zeithistorische Forschung 2011, Göttingen 2012, S. 73-88, hier S. 78.

[43] Vgl. dazu allgemein Canning, Languages of Labor and Gender (Anm. 16).

[44] Vgl. dazu jüngst Hartmut Kaelble, Abmilderung der sozialen Ungleichheit? Das westliche Europa während des Wirtschaftsbooms der 1950er bis 1970er Jahre, in: Geschichte und Gesellschaft 40 (2014), S. 591-609. Für die Arbeiterschaft bis 1970 vgl. nach wie vor Josef Mooser, Arbeiterleben in Deutschland 1900–1970. Klassenlagen, Kultur und Politik, Frankfurt a.M. 1984; vgl. auch Haefeli, Erfolg (Anm. 18).

[45] Vgl. etwa Brigitta Bernet/David Gugerli, Sputniks Resonanzen. Der Aufstieg der Humankapitaltheorie im Kalten Krieg – eine Argumentationsskizze, in: Historische Anthropologie 19 (2011), S. 433-446.

[46] Wolfgang Engler, Die Ostdeutschen. Kunde von einem verlorenen Land, Berlin 1999, S. 173ff.

[47] So der Titel eines Basler Forschungsprojekts zur Geschlechtergeschichte der Arbeitsgesellschaft (von Caroline Arni, Céline Angehrn und Simona Isler): <http://p3.snf.ch/Project-144487>.

[48] Vgl. auch Frank Trentmann, Beyond Consumerism: New Historical Perspectives on Consumption, in: Journal of Contemporary History 39 (2004), S. 373-401, hier S. 373f.

[49] Mary Nolan, Visions of Modernity. American Business and the Modernization of Germany, New York 1994; vgl. u.a. auch Adelheid von Saldern, Transatlantische Konsumleitbilder und Übersetzungspraktiken 1900–1945, in: Haupt/Torp, Konsumgesellschaft in Deutschland (Anm. 4), S. 389-402; Jakob Tanner/Angelika Linke (Hg.), Attraktion und Abwehr. Die Amerikanisierung der Alltagskultur in Europa, Köln 2006; Alf Lüdtke/Inge Marßolek/Adelheid von Saldern (Hg.), Amerikanisierung. Traum und Alptraum im Deutschland des 20. Jahrhunderts, Stuttgart 1996.

[50] Differenziert: Christina Benninghaus, Die anderen Jugendlichen. Arbeitermädchen in der Weimarer Republik, Frankfurt a.M. 1999; Detlev J.K. Peukert, Jugend zwischen Krieg und Krise. Lebenswelten von Arbeiterjungen in der Weimarer Republik, Köln 1987.

[51] Vgl. dazu, trotz des Hinweises auf den »specific mix of continuity and discontinuity«, Ralph Jessen/Lydia Langer, Introduction: Transformations of Retailing in Europe after 1945, in: dies. (Hg.), Transformations of Retailing in Europe after 1945, Farnham 2012, S. 1-18. Vgl. ferner u.a. Thomas Welskopp, Startrampe für die Gesellschaft des Massenkonsums: Verbreitung und Entwicklung der Selbstbedienung in Europa nach 1945, in: Christina Benninghaus u.a. (Hg.), Unterwegs in Europa. Beiträge zu einer Sozial- und Kulturgeschichte. Festschrift für Heinz-Gerhard Haupt, Frankfurt a.M. 2008, S. 247-267; Heinz-Gerhard Haupt, Konsum und Handel. Europa im 19. und 20. Jahrhundert, Göttingen 2003, S. 131ff.; Axel Schildt, Moderne Zeiten. Freizeit, Massenmedien und »Zeitgeist« in der Bundesrepublik der 50er Jahre, Hamburg 1995; Michael Wildt, Am Beginn der »Konsumgesellschaft«. Mangelerfahrung, Lebenshaltung, Wohlstandshoffnung in Westdeutschland in den fünfziger Jahren, Hamburg 1994.

[52] Vgl. dazu prägnant Frank Trentmann, Consumer Society Revisited: Affluence, Choice and Diversity, in: Jessen/Langer, Transformations of Retailing (Anm. 51), S. 19-32.

[53] Vgl. für die neueste Literatur u.a. Hartmut Berghoff/Uwe Spiekermann (Hg.), Decoding Modern Consumer Societies, New York 2012; Oliver Kühschelm/Franz X. Eder/Hannes Siegrist (Hg.), Konsum und Nation. Zur Geschichte nationalisierender Inszenierungen in der Produktkommunikation, Bielefeld 2012; Alessandro Stanziani, Rules of Exchange. French Capitalism in Comparative Perspective, Eighteenth to Early Twentieth Centuries, Cambridge 2012; Karl Ditt, Zweite Industrialisierung und Konsum. Energieversorgung, Haushaltstechnik und Massenkultur am Beispiel nordenglischer und westfälischer Städte 1880–1939, Paderborn 2011; Claudius Torp, Konsum und Politik in der Weimarer Republik, Göttingen 2011; Haupt/Torp, Konsumgesellschaft in Deutschland (Anm. 4); Schrage, Verfügbarkeit der Dinge (Anm. 4), insbes. S. 125ff.; Frank Trentmann, The Long History of Contemporary Consumer Society: Chronologies, Practices, and Politics in Modern Europe, in: Archiv für Sozialgeschichte 49 (2009), S. 107-128; Heinz-Gerhard Haupt/Paul Nolte, Markt. Konsum und Kommerz, in: Christof Mauch/Kiran Klaus Patel (Hg.), Wettlauf um die Moderne. Die USA und Deutschland 1890 bis heute, München 2008, S. 187-223.

[54] Hartmut Berghoff, Consumption Politics and Politicized Consumption: Monarchy, Republic, and Dictatorship in Germany, 1900–1939, in: ders./Spiekermann, Decoding (Anm. 53), S. 125-148, hier S. 129.

[55] Vgl. Moritz Föllmer, Individuality and Modernity in Berlin. Self and Society from Weimar to the Wall, Cambridge 2013; Berghoff, Consumption Politics (Anm. 54), S. 134; Rainer Gries, Produkte & Politik. Zur Kultur- und Politikgeschichte der Produktkommunikation, Wien 2006, S. 62ff.

[56] Vgl. allgemein Ruth Oldenziel/Adri Albert de la Bruhèze/Onno de Wit, Europe’s Mediation Junction: Technology and Consumer Society in the Twentieth Century, in: History and Technology 21 (2005), S. 107-139, hier S. 124; für Schweden Thomas Etzemüller, »Freizeit soll harmonische Menschen schaffen«. »Ambivalente Moderne« und social engineering in der Demokratie – die Ausstellung »Fritiden« in Ystad 1936, in: Historische Anthropologie 19 (2011), S. 372-390; für die Schweiz Beatrice Schumacher, Ferien. Interpretationen und Popularisierung eines Bedürfnisses in der Schweiz 1890–1950, Wien 2002.

[57] Vgl. dazu nach wie vor Jakob Tanner, Fabrikmahlzeit. Ernährungswissenschaft, Industriearbeit und Volksernährung in der Schweiz 1890–1950, Zürich 1999.

[58] In diesem Sinne argumentieren etwa Haupt/Nolte, Markt (Anm. 53), S. 197.

[59] Vgl. Jan Logemann, Tagungsbericht: The Consumer on the Home Front: Second World War Civilian Consumption in Comparative Perspective, London, 5.-7.12.2013, in: H-Soz-Kult, 5.2.2014, URL: <http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/tagungsberichte/id=5222>; Oldenziel/Bruhèze/Wit, Mediation Junction (Anm. 56), insbes. S. 116; vgl. auch Harald Homann/Verena Ott, Das Europa der Konsumenten: Konsumkultur, Konsumentenmoral und Kulturkritik um 1900 und 2000, in: Themenportal Europäische Geschichte (2013), URL: <http://www.europa.clio-online.de/2013/Article=575>.

[60] Oldenziel/Bruhèze/Wit, Mediation Junction (Anm. 56), S. 119; vgl. auch Frank Trentmann, »Kurze Unterbrechung – Bitte entschuldigen Sie die Störung«: Zusammenbruch, Zäsur und Zeitlichkeit als Perspektiven einer europäischen Konsumgeschichte, in: Benninghaus u.a., Unterwegs in Europa (Anm. 51), S. 219-245.

[61] Zur nationalsozialistischen Konsumgesellschaft vgl. etwa Tim Schanetzky, »Kanonen statt Butter«. Wirtschaft und Konsum im Dritten Reich, München 2015; Birthe Kundrus, Greasing the Palm of the »Volksgemeinschaft«? Consumption under National Socialism, in: Martina Steber/Bernhard Gotto (Hg.), Visions of Community in Nazi Germany. Social Engineering and Private Lives, Oxford 2014, S. 157-170; Pamela E. Swett, Selling under the Swastika. Advertising and Commercial Culture in Nazi Germany, Stanford 2013; Hans-Werner Niemann, »Volksgemeinschaft« als Konsumgemeinschaft?, in: Detlef Schmiechen-Ackermann (Hg.), »Volksgemeinschaft«: Mythos, wirkungsmächtige soziale Verheißung oder soziale Realität im »Dritten Reich«? Zwischenbilanz einer kontroversen Debatte, Paderborn 2012, S. 87-109; Rüdiger Hachtmann, »Volksgemeinschaftliche Dienstleister«? Anmerkungen zu Selbstverständnis und Funktion der Deutschen Arbeitsfront und der NS-Gemeinschaft »Kraft durch Freude«, in: ebd., S. 111-131; Pamela E. Swett/Corey Ross/Fabrice dʼAlmeida (Hg.), Pleasure and Power in Nazi Germany, Houndmills 2011; S. Jonathan Wiesen, Creating the Nazi Marketplace. Commerce and Consumption in the Third Reich, Cambridge 2011; Shelley Baranowski, Strength through Joy. Consumerism and Mass Tourism in the Third Reich, Cambridge 2004; Hasso Spode, Fordism, Mass Tourism and the Third Reich: The »Strength through Joy« Seaside Resort as an Index Fossil, in: Journal of Social History 38 (2004), S. 127-155.

[62] Berghoff, Consumption Politics (Anm. 54), S. 141.

[63] Dies ist auch Wolfgang Königs These vom »Scheitern einer nationalsozialistischen Konsumgesellschaft« entgegenzuhalten; vgl. Wolfgang König, Volkswagen, Volksempfänger, Volksgemeinschaft. »Volksprodukte« im Dritten Reich: Vom Scheitern einer nationalsozialistischen Konsumgesellschaft, Paderborn 2004.

[64] Zu den Konturen der Arbeits- und Konsumgesellschaft in den 1950er-Jahren und den entsprechenden Debatten vgl. nach wie vor Schildt, Moderne Zeiten, und Wildt, Am Beginn (beide Anm. 51).

[65] Vgl. dazu Kerstin Brückweh (Hg.), The Voice of the Citizen Consumer. A History of Market Research, Consumer Movements, and the Political Public Sphere, Oxford 2011; Ruth Oldenziel/Karin Zachmann (Hg.), Cold War Kitchen. Americanization, Technology, and European Users, Cambridge 2009; Lizabeth Cohen, A Consumers’ Republic. The Politics of Mass Consumption, New York 2003; Mühlberg, Arbeitsgesellschaft (Anm. 13), insbes. S. 192ff.

[66] Trentmann, Consumer Society Revisited (Anm. 52), insbes. S. 32.

[67] Oldenziel/Bruhèze/Wit, Mediation Junction (Anm. 56), insbes. S. 109, S. 115f., S. 123; Trentmann, Long History (Anm. 53); vgl. auch Jan Logemann, Trams or Tailfins? Public and Private Prosperity in Postwar West Germany and the United States, Chicago 2012. Einen interessanten Vorschlag, Arbeit und Konsum zu historisieren und letzteren als marktförmigen »Modus« der Allokation von Gütern im Kapitalismus zu beschreiben, macht dagegen Welskopp, Konsum (Anm. 2), S. 139ff.

[68] Vgl. etwa Carter, Frauen (Anm. 4), die Hinweise in Anm. 26 sowie zur Relationalität Angelika Epple, Globalgeschichte und Geschlechtergeschichte. Eine Beziehung mit großer Zukunft, in: L’Homme. Europäische Zeitschrift für feministische Geschichtswissenschaft 23 (2012) H. 2, S. 87-100.

[69] Vgl. für die jüngere Literatur u.a. Nada Boškovska/Angelika Strobel/Daniel Ursprung (Hg.), »Entwickelter Sozialismus« in Osteuropa. Arbeit, Konsum und Öffentlichkeit, Berlin 2016 (in Vorbereitung) und darin insbesondere den Aufsatz von Ulf Brunnbauer, Der Mythos vom Rückzug ins Private. Arbeit, Konsum und Politik im Staatssozialismus. Vgl. ferner u.a. Natalya Chernyshova, Soviet Consumer Culture in the Brezhnev Era, London 2013; Diane P. Koenker, Club Red. Vacation Travel and the Soviet Dream, Ithaca 2013; Małgorzata Mazurek, Morales de la consommation en Pologne (1918–1989), in: Annales 68 (2013), S. 499-527; David Crowley/Susan Reid (Hg.), Pleasures in Socialism. Leisure and Luxury in the Eastern Block, Evanston 2010; Ulrich Busch, Die DDR als staatssozialistische Variante des Fordismus, in: JahrBuch für Forschungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung 8 (2009) H. 3, S. 34-56; Karin Zachmann, Managing Choice. Constructing the Socialist Consumption Junction in the German Democratic Republic. in: Oldenziel/Zachmann, Cold War Kitchen (Anm. 65), S. 259-284; Amy E. Randall, The Soviet Dream World of Retail Trade and Consumption in the 1930s, New York 2008; sowie nach wie vor Ina Merkel, Utopie und Bedürfnis. Die Geschichte der Konsumkultur in der DDR, Köln 1999.

[70] Vgl. zu dieser Verknüpfung insbes. Victoria de Grazia, Das unwiderstehliche Imperium. Amerikas Siegeszug im Europa des 20. Jahrhunderts, Stuttgart 2010; vgl. ferner u.a. Conze, Sicherheit (Anm. 7), S. 195.

[71] Zur Gemeinschaft vgl. etwa Timo Luks, Der Betrieb als Ort der Moderne. Zur Geschichte von Industriearbeit, Ordnungsdenken und Social Engineering im 20. Jahrhundert, Bielefeld 2010.

[72] So etwa in Joachim Fischers Bemühungen, eine grundlegende Opposition von Bürgertum und Nationalsozialismus/Sozialismus zu konstruieren; vgl. Fischer, Bürgerliche Gesellschaft; ders., Warenwerbung (beide Anm. 4).

[73] So etwa Wirsching, From Work to Consumption; ders., Konsum statt Arbeit? (beide Anm. 4). Zur Kritik von Phasenmodellen vgl. auch Trentmann, Long History (Anm. 53), S. 109.

[74] Trentmann, Beyond Consumerism (Anm. 48), S. 373, S. 384; ders., Long History (Anm. 53), S. 107ff., S. 127; vgl. auch ders., »Kurze Unterbrechung« (Anm. 60), insbes. S. 221ff.

[75] Vgl. für eine solche Perspektive etwa Haupt/Nolte, Markt (Anm. 53), sowie die Unterscheidung von »consumer« und »user« bei Frank Trentmann, Knowing Consumers – Histories, Identities, Practices. Introduction, in: ders. (Hg.), The Making of the Consumer. Knowledge, Power and Identity in the Modern World, Oxford 2006, S. 1-27, hier S. 10f.

[76] Vgl. etwa Rudolf Helmstetter, Austreibung der Faulheit, Regulierung des Müßiggangs. Arbeit und Freizeit seit der Industrialisierung, in: Bröckling/Horn, Anthropologie der Arbeit (Anm. 30), S. 259-279, insbes. S. 274ff.

[77] Rüdiger Graf/Kim Christian Priemel, Zeitgeschichte in der Welt der Sozialwissenschaften. Legitimität und Originalität einer Disziplin, in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 59 (2011), S. 479-508, hier S. 482.

[78] Gary Cross, Time, Money, and Labor History’s Encounter with Consumer Culture, in: International Labor and Working-Class History 43 (1993), S. 2-17, hier S. 2.

[79] Vgl. nach wie vor Michel de Certeau, L’Invention du Quotidien, Vol. 1: Arts de Faire, Paris 1980, sowie Benjamin Ziemann, Sozialgeschichte jenseits des Produktionsparadigmas. Überlegungen zu Geschichte und Perspektiven eines Forschungsfeldes, in: Mitteilungsblatt des Instituts für soziale Bewegungen 28 (2003), S. 5-35, insbes. S. 23f.

[80] Vgl. mit Blick auf das Konzept der Klassengesellschaft Welskopp, Konsum (Anm. 2), S. 129ff.

[81]Vgl. dazu Ben Fine, Consumption Matters, in: ephemera. theory & politics in organization 13 (2013), S. 217-248; Jan-Otmar Hesse, Ökonomischer Strukturwandel. Zur Wiederbelebung einer wirtschaftshistorischen Leitsemantik, in: Geschichte und Gesellschaft 39 (2013), S. 86-114.

[82] Vgl. etwa Jessen/Langer, Transformations of Retailing (Anm. 51); Oldenziel/Bruhèze/Wit, Mediation Junction (Anm. 56).

[83] Vgl. etwa Frank Trentmann, Materiality in the Future of History: Things, Practices, and Politics, in: Journal of British Studies 48 (2009), S. 283-307.

[84] Vgl. neuerdings etwa Reichardt, Authentizität und Gemeinschaft (Anm. 41); Roman Rossfeld, Handelsreisende – travelling salesmen – voyageurs de commerce: eine Einführung, in: Zeitschrift für Unternehmensgeschichte 59 (2014), S. 129-134; ders., »Au service de Mercure«: réflexions sur une histoire économique et culturelle des commis voyageurs en Suisse, de 1890 à 1980, in: Entreprises et histoire 66 (2012), S. 194-211; Lydia Langer, Revolution im Einzelhandel. Die Einführung der Selbstbedienung in Lebensmittelgeschäften der Bundesrepublik Deutschland (1949–1973), Köln 2013; Maren Möhring, Fremdes Essen. Die Geschichte der ausländischen Gastronomie in der Bundesrepublik Deutschland, München 2012.

[85] Cross, Time (Anm. 78), S. 2; ähnlich auch Nikola Balnave/Greg Patmore, The Politics of Consumption and Labour History, in: Labour History 100 (2011), S. 145-166, hier S. 146f.

[86] Vgl. u.a. Andrea Komlosy, Arbeit. Eine globalhistorische Perspektive. 13. bis 21. Jahrhundert, Wien 2014; Kim Christian Priemel, Heaps of Work. The Ways of Labour History, in: H-Soz-Kult, 23.1.2014, URL: <http://www.hsozkult.de/literaturereview/id/forschungsberichte-1223>; Neuheiser, Arbeit (Anm. 6); Lex Heerma van Voss, Whither Labour History? Histories of Labour: National and International Perspectives, in: International Review of Social History 58 (2013), S. 97-106; Marcel van der Linden, Éditorial. Enjeux pour une histoire mondiale du travail, in: Le Mouvement Social 241 (2012), S. 3-29; Neville Kirk, Taking Stock: Labor History during the Past Fifty Years, in: International Labor and Working-Class History 82 (2012), S. 156-173; Sandro Mezzadra, Wie viele Geschichten der Arbeit? Für eine Theorie des postkolonialen Kapitalismus, in: Transversal 1/2012, URL: <http://eipcp.net/transversal/0112/mezzadra/de>; Süß/Süß, Zeitgeschichte der Arbeit (Anm. 40); Kocka, Work in a Modern Society (Anm. 17), und darin insbes. Andreas Eckert, What is Global Labour History Good For?, S. 169-181; Annemarie Steidl u.a. (Hg.), European Mobility. Internal, International, and Transatlantic Moves in the 19th and Early 20th Centuries, Göttingen 2009.

[87] Vgl. nach wie vor Rudolf Braun, Sozialer und kultureller Wandel in einem ländlichen Industriegebiet im 19. und 20. Jahrhundert, Erlenbach-Zürich 1965; Jürgen Kocka, Arbeiterkultur als Forschungsthema. Einleitende Bemerkungen, in: Geschichte und Gesellschaft 5 (1979), S. 5-11; Peter N. Stearns, Arbeiterleben. Industriearbeit und Alltag in Europa 1890–1914, Frankfurt a.M. 1980; Lüdtke, Eigen-Sinn (Anm. 14).

[88] Aktuelles Beispiel dafür ist der ansonsten ausgezeichnete Forschungsbericht von Priemel, Heaps of Work (Anm. 86). Hier kommt etwa der Begriff »leisure« kein einziges Mal vor, Konsum spielt lediglich eine marginale Rolle, und auch alltagsgeschichtliche Perspektiven werden nur in der Einleitung kurz erwähnt.

[89] Vgl. etwa Karsten Uhl, »Schafft Lebensraum in der Fabrik!« Betriebliche Kantinen und Speiseräume im deutschen Rationalisierungsdiskurs 1880–1945, in: Lars Bluma/Karsten Uhl (Hg.), Kontrollierte Arbeit – disziplinierte Körper? Zur Sozial- und Kulturgeschichte der Industriearbeit im 19. und 20. Jahrhundert, Bielefeld 2012, S. 363-398; Timo Luks, Die Massengesellschaft auf dem Weg in die Kantine. Fabrikmahlzeit, Selbstbedienung und »Ordnungsdenken« bei der Daimler-Benz AG 1948–53, in: Historische Anthropologie 17 (2009), S. 38-55. Grundlegend für eine solche Perspektive ist nach wie vor Tanner, Fabrikmahlzeit (Anm. 57).

[90] David Graeber, »Consumption«, in: Current Anthropology 52 (2011), S. 489-511, hier S. 501f.

[91] Vgl. dazu auch Welskopp, Konsum (Anm. 2), insbes. S. 139ff.

[92] Vgl. jüngst Claudia Opitz-Belakhal/Monika Mommertz, Epochengrenzen – Epochenbilanzen: Brüche und Persistenzen in der Geschlechtergeschichte der Renaissance. Gespräch mit Susanna Burghartz, in: LʼHomme. Europäische Zeitschrift für feministische Geschichtswissenschaft 25 (2014) H. 2, S. 121-128, insbes. S. 124f.

[93] Manuel Schramm, Konsumgeschichte, Version: 2.0, in: Docupedia-Zeitgeschichte, 22.10.2012, URL: <http://docupedia.de/zg/Konsumgeschichte>.

[94] Kocka, Mehr Last als Lust (Anm. 15), Abschnitt 4; Manfred Görtemaker, Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Von der Gründung bis zur Gegenwart, Frankfurt a.M. 2004, S. 621ff.

[95] Wehler, Deutsche Gesellschaftsgeschichte (Anm. 12), S. 320, S. 293.

[96] Schulze, Erlebnisgesellschaft (Anm. 3), S. 15.

[97] Ebd., insbes. S. 16, S. 22, S. 531ff.

[98] Welskopp, Konsum (Anm. 2), S. 130.

[99] Trentmann, Beyond Consumerism (Anm. 48), S. 387.

[100] Braun, Sozialer und kultureller Wandel (Anm. 87), S. 362.

[101] Ebd., S. 355ff.

[102] Vgl. dazu ebd., S. 16.

[103] Vgl. dazu den ersten Band von Brauns Studie zum Zürcher Oberland: Rudolf Braun, Industrialisierung und Volksleben. Veränderung der Lebensformen unter Einwirkung der verlagsindustriellen Heimarbeit in einem ländlichen Industriegebiet (Zürcher Oberland) vor 1800, Erlenbach-Zürich 1960, 2. Aufl. Göttingen 1979.

[104] So die treffende Formulierung in der Kritik von Graf/Priemel, Zeitgeschichte (Anm. 77), S. 483ff.

[105] Vgl. für eine solche Perspektive nach wie vor Alexa Geisthövel/Habbo Knoch (Hg.), Orte der Moderne. Erfahrungswelten des 19. und 20. Jahrhunderts, Frankfurt a.M. 2005.

[106] Braun, Sozialer und kultureller Wandel (Anm. 87), S. 351.

[107] Vgl. etwa Michael Rutschky, Das Merkbuch. Eine Vatergeschichte, Berlin 2012; Peter Fritzsche, The Turbulent World of Franz Göll. An Ordinary Berliner Writes the Twentieth Century, Cambridge 2011.

[108] Zur Verortung Brauns in diesem Kontext vgl. Jakob Tanner, »Das Große im Kleinen«: Rudolf Braun als Innovator der Geschichtswissenschaft, in: Historische Anthropologie 18 (2010), S. 140-156, insbes. S. 141, S. 145ff.

[109] Bösch, Das Nahe so fern (Anm. 42), S. 84f.

[110] Welskopp, Konsum (Anm. 2), S. 135ff.

[111] Vgl. etwa zur relationalen Geschichte von Arbeit und Tanz Astrid Kusser, Arbeitsfreude und Tanzwut im (Post-)Fordismus, in: Body Politics 1 (2013), S. 41-69; zur Geschichte von Schlaf, Arbeit und Leistung (mit Verweisen auf konsumgesellschaftliche Phänomene): Hannah Ahlheim, Die Vermessung des Schlafs und die Optimierung des Menschen. Eine deutsch-amerikanische Geschichte, 1930–1960, in: Zeithistorische Forschungen/Studies in Contemporary History 10 (2013), S. 13-37.

[112] Saurer, Liebe und Arbeit (Anm. 26), S. 13.

[113] Vgl. die Hinweise in Anm. 26 sowie neuerdings Johanna Gehmacher/Maria Mesner, Dis/Kontinuitäten. Geschlechterordnungen und Periodisierungen im langen 20. Jahrhundert, in: LʼHomme. Europäische Zeitschrift für feministische Geschichtswissenschaft 25 (2014) H. 2, S. 87-101, hier S. 92f.

[114] Vgl. etwa Massimo Perinelli, Migration und das Ende des bürgerlichen Subjekts. Transformationen des Subjekts vom Gastarbeiterregime bis zum Diskurs des Illegalen, in: Eitler/Elberfeld, Zeitgeschichte des Selbst (Anm. 39); Maurizio Coppola, Prekarität, Migration, Widerstand – am Beispiel der Schweiz, in: Sozial.Geschichte Online 10 (2013), S. 119-146, URL: <http://duepublico.uni-duisburg-essen.de/servlets/DerivateServlet/Derivate-32891/07_Coppola_Migration.pdf>; Therese Kaufmann, Materialität des Wissens, in: Transversal 1/2012, URL: <http://eipcp.net/transversal/0112/kaufmann/de>; Gudrun Löhrer, Arbeiten, in: Netzwerk Körper (Hg.), What Can a Body Do? Praktiken/Figurationen des Körpers in den Kulturwissenschaften, Frankfurt a.M. 2012, S. 16-29.

[115] Vgl. etwa Karin Harrasser, Sensible Prothesen. Medien der Wiederherstellung von Produktivität, in: Body Politics 1 (2013), S. 99-117; Ruth Oldenziel/Mikael Hård, Consumers, Tinkerers, Rebels. The People Who Shaped Europe, Basingstoke 2013.

[116] Gehmacher/Mesner, Dis/Kontinuitäten (Anm. 113), S. 101.

[117] Dela Kienle, Wie die Arbeit zur Tugend wurde, in: GEOkompakt 40/2014, S. 53-61, hier S. 53, S. 61 (Hervorhebung im Original).

[118] Auch Welskopp, Konsum (Anm. 2), S. 148, betont die Aktualität dieser Perspektive und weist darauf hin, »dass sich solche ›Identitäten‹ schon seit langer Zeit niemals eindimensional ausgeprägt und sich damit weder vollständig an die Stellung im Produktionsprozess noch an die Positionierung in der Kundenexistenz angelagert haben«.

[120] Für solche Perspektiven auf die Popgeschichte vgl. auch Alexa Geisthövel, Ein spätmoderner Entwicklungsroman: »Saturday Night Fever«/»Nur Samstag Nacht« (1977), in: Zeithistorische Forschungen/Studies in Contemporary History 10 (2013), S. 153-158.

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