Systeme und Organisationen unter Stress

Zur Geschichte der sozialwissenschaftlichen Katastrophenforschung (1949–1979)
  1. Katastrophenforschung und Kalter Krieg – Ein Überblick
  2. Eingeschneite Autobahnraststätten und »racial riots« – Kriegswissen und Theoriebildung
  3. Rationale Individuen und solidarische Gruppen – Katastrophenschutz und Wissenszirkulation
  4. Fazit

Anmerkungen

Am 25. Juni 1954 fegte der Hurrikan Alice über den Süden von Texas und den Norden Mexikos. 38 Menschen starben in der darauf folgenden Rio-Grande-Flut. Einige Tage später begann unter der Leitung des Soziologen Roy Clifford ein Forschungsteam, Überlebende zu interviewen, um Einsicht in das Katastrophenverhalten von Individuen und Gruppen zu gewinnen. Zwei Jahre später veröffentlichte Clifford in einem vom Committee on Disaster Studies des National Research Council herausgegebenen Bericht seine Ergebnisse und Empfehlungen, unter anderem bezüglich der Evakuierung der Bevölkerung.[1]

Wie reagieren Menschen auf Katastrophen? Wissenschaftliche Auseinandersetzungen mit dieser Frage lassen sich bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts zurückverfolgen. Doch zu einer Institutionalisierung sozialwissenschaftlicher Katastrophenforschung kam es erst ab 1949 in den USA. Während der 1950er-, 1960er- und 1970er-Jahre untersuchten von dort aus drei Forschungsgruppen innerhalb wie außerhalb der USA menschliches Verhalten in Situationen wie Erdbeben, Fabrikexplosionen und »racial riots«. Auf Initiative eines Armeezweigs wurde 1949 am National Opinion Research Center (NORC) der University of Chicago die weltweit erste Disaster Research Group gegründet. Bis zu ihrer Auflösung im Jahr 1954 interviewte sie über 1.000 Menschen, die in 70 verschiedene »Katastrophen« (disasters) involviert gewesen waren. Eine zweite Forschungsgruppe entstand im Auftrag der Generaloberstabsärzte 1952 im National Research Council (NRC): das schon erwähnte Committee on Disaster Studies. Seine Stabsmitarbeiter/innen führten zahlreiche Feldstudien durch. Das Komitee vergab aber auch Gelder für Katastrophenuntersuchungen, die gewissermaßen ›extern‹ durchgeführt wurden, das heißt von Angehörigen verschiedener amerikanischer Universitäten.[2] Ebenfalls mit finanzieller Unterstützung der Armee gründeten 1963 mehrere in der Katastrophenforschung bereits erfahrene Soziologen die dritte Forschungsgruppe: ein Disaster Research Center (DRC) an der Ohio State University. Zentral war für die Forscher/innen[3] die Frage, inwiefern Katastrophen Stress verursachen und wie dieser Stress Katastrophenverhalten beeinflusse, insbesondere dasjenige von »Organisationen«.

Forscher des Disaster Research Center bei einer Feldstudie nach einer Flut in Cincinnati, Ohio 1963
(Courtesy of the Disaster Research Center, University of Delaware)

Im vorliegenden Beitrag untersuche ich, auf welche Weise Katastrophenforscher/innen welche Art von Stress-Wissen generierten und wie dieses Wissen genutzt wurde. Ich werde skizzieren, wie der Kontext des Kalten Kriegs die katastrophenwissenschaftliche Stressforschung mitbestimmte, und analysiere deren Entwicklung als Ausdruck von und Plädoyer für bestimmte Formen von Gouvernementalität und des Regierens von Bevölkerungen. Die Quellen, auf denen mein Beitrag basiert, umfassen zum einen Publikationen der Katastrophenforscher/innen, zum anderen interne Dokumente – darunter Forschungsberichte und Korrespondenzen. Zuerst ordne ich die verschiedenen Gruppen überblicksartig in den historischen Zusammenhang des Kalten Kriegs ein, bevor ich im zweiten Teil ihre Erkenntnisinteressen und Forschungsgegenstände näher erläutere. Der dritte Teil ist ihren Befunden gewidmet und verfolgt die Nutzung des generierten Stress-Wissens.

1. Katastrophenforschung und Kalter Krieg – Ein Überblick

In den ersten Jahrzehnten nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs expandierten die US-amerikanischen Sozialwissenschaften stark. Die neue soziale, politische und ökonomische Wichtigkeit, die ihnen zugeschrieben wurde, manifestierte sich im Ausbau bestehender Universitätsdepartements, aber auch in der Gründung zahlreicher neuer Forschungszentren innerhalb und außerhalb der Universitäten. Der Kalte Krieg stellte für viele dieser Institutionen einen maßgeblichen Kontext dar.[4] Ihre interdisziplinäre Forschung – häufig aus dem Militärhaushalt finanziert – war geprägt vom Systemkonflikt und einem mit ihm verbundenen Gefahrensinn. Darunter verstehe ich mit Engell, Siegert und Vogl »ein[en] Verbund aus Wahrnehmungsformen, Darstellungsweisen und Verarbeitungsprozeduren, in denen wirkliche Bedrohungen und eingebildete Gefahren [...] kaum zu unterscheiden sind«.[5] Die Forschungszentren operierten unter dem Vorzeichen nationaler Sicherheitsdispositive wie dem Civil Defense-Komplex und damit auch im Zusammenhang von sozialer Kontrolle, liberaler Demokratie und Modernisierung.[6] Bei diesen Konzepten ging es, so möchte ich argumentieren, wesentlich um die Problematik des Regierens von Bevölkerungen, wie sie Michel Foucault Ende der 1970er-Jahre in seinen Vorlesungen zur Geschichte der Gouvernementalität skizziert hat. Sie drehten sich um die Frage, wie sich welche (Selbst-)Technologien am effizientesten zur »Führung der Führungen«[7] einsetzen ließen, sprich zur (Selbst-)Regulierung des Verhaltens von Kollektiven und Subjekten.

Die verschiedenen hier untersuchten Katastrophenforschungsgruppen gehören zweifelsohne zu denjenigen wissenschaftsgeschichtlichen Beispielen, für welche die Kategorie »Cold War Social Science« ein »nützliches Konzept« darstellt.[8] Mit der Finanzierung der Katastrophenforschung durch die Armee ging das Erkenntnisinteresse einher, aus der Analyse ziviler Katastrophen relevantes Kriegswissen generieren zu können – was auch die Wahl der Forschungsgegenstände beeinflusste. Diese war ferner geprägt von einem sich verschiebenden Gefahrensinn hin zu einem neuen Interesse für ›innere Feinde‹, aber auch von Konzepten wie demjenigen der Modernisierung.

Obgleich die sozialwissenschaftliche Katastrophenforschung dem Kalten Krieg ihre Förderung verdankte, war der Systemkonflikt keineswegs ihr alleiniger historischer Kontext. Erstens verschob sich die Finanzierung der Forschungsgruppen im Laufe der Zeit immer mehr in den zivilen Bereich. Zweitens beteiligten sich trotz erheblichen Drucks bei weitem nicht alle Wissenschaftler/innen am Kampf gegen die ›kommunistische Bedrohung‹. Und drittens waren die Ergebnisse nicht immer den Interessen der militärischen Sponsoren dienlich.[9] Viele Katastrophenforscher/innen verfolgten mit den ihnen zur Verfügung gestellten Mitteln soweit wie möglich ihre eigene Agenda. Sie brachten Studien hervor, deren direkter militärischer ›Gebrauchswert‹ schwer ersichtlich war, die bestehende Politiken innerhalb und außerhalb des Katastrophenschutzes jedoch grundlegend in Frage stellten.

Zeittypisch war die Katastrophenforschung zudem darin, dass sie multi- und interdisziplinär angelegt war.[10] Zu den Mitgliedern des Committee on Disaster Studies zählten nicht nur Soziologen, sondern auch Ärzte, Psychologen und Anthropologen. Wissenschaftler wie Anthony F.C. Wallace, der in den 1960er-Jahren parallel die Abteilung für Klinische Forschung am Eastern Pennsylvania Psychiatric Institute leitete, waren auch außerhalb der Katastrophenforschung multidisziplinär engagiert, manche zugleich in privaten Unternehmen – etwa in Marktforschungsfirmen. Die Gründungsmitglieder und Forscher des Disaster Research Center waren dann praktisch ausnahmslos Soziologen. Besonders in den 1960er-Jahren kam es zu einer disziplinären ›Vereinheitlichung‹ der Katastrophenforschung: Soziologische Ansätze wurden nun stärker betont als psychologische. Diese Verschiebung korrespondierte mit einem allgemeineren Trend in den Sozialwissenschaften – weg von einem Sponsoring multidisziplinärer Forschungsprogramme hin zu einer Finanzierung disziplinärer Gruppen.[11]

Viele der beteiligten Soziologen orientierten sich an Handlungs- und Systemtheorien (etwa an Talcott Parsons’ Strukturfunktionalismus oder Herbert Blumers symbolischem Interaktionismus). Im Sinne dieser Zugänge untersuchten die Forscher/innen »Kommunikationsvorgänge« und »Rollenverhalten«. Dementsprechend waren es nicht primär individuelle Stressreaktionen, welche die Forscher/innen interessierten, sondern Reaktionen von »Systemen« und »Organisationen«. Stress definierten sie als »a condition of strain, contradiction or discrepancy between any of the parts or elements of a given system, or between that system and its field of environment«.[12] Unter »organizational stress« verstanden sie »[t]he organizational state or condition when organizational demands exceed organizational capability«.[13] Katastrophen begriffen sie nicht als Stress an sich, sondern als »Kräfte«,[14] die Stress auslösten. Dies leitet zu den Erkenntnisinteressen und Forschungsgegenständen über.

2. Eingeschneite Autobahnraststätten und »racial riots« – Kriegswissen und Theoriebildung

Wie bei vielen anderen Forschungsgruppen in der Ära des Kalten Kriegs war auch die Finanzierung der Katastrophenforscher/innen durch verschiedene militärische und zivile Einrichtungen mit der Vorgabe verbunden, dass dabei nicht nur Grundlagenforschung betrieben werden solle, sondern ›praktisches‹, für staatliche und nicht-staatliche Institutionen handlungsweisendes Wissen zu generieren sei. Die Forscher/innen verschrieben sich dem Ziel, mit ihren Studien zur »Verringerung« der »tragischen Konsequenzen« von Katastrophen beizutragen. Ihre Arbeiten sollten »Empfehlungen« und »Vorschläge« enthalten, die als Beratungswissen für Organisationen des Katastrophenschutzes einsetzbar sein sollten. So hieß es in der Einleitung einer DRC-Studie zu einem 1964 in Alaska stattgefundenen Erdbeben, dass die Befunde dafür bestimmt seien, »Planern« und »Administratoren«, die mit dem »Notfallbetrieb von Organisationen« in »Friedens- oder Kriegs-Krisensituationen« befasst seien, als »Orientierungshilfe« (guidance) und »Richtlinien« zu dienen.[15]

Die Empfehlungen, welche die Forscher/innen bereitstellten, bezogen sich darauf, wie Bevölkerungen vor und in Katastrophensituationen besser gesteuert werden könnten. Eine wichtige Frage lautete etwa, welche Form von Katastrophenwarnung welches Verhalten provozieren würde. Auch sollte es möglich sein, aus den Berichten Rückschlüsse darauf zu ziehen, wie Rettungskräfte, Ordnungshüter und Amtsträger – zum Beispiel Krankenschwestern, Polizisten und Bürgermeister – so ausgewählt, »trainiert« und »geführt« werden könnten, dass sie die Bevölkerung in Krisensituationen ihrerseits richtig »führen« würden. Das beratende Wissen, dessen Produktion die Forscher/innen anstrebten, kann man daher als »Regulierungswissen« bezeichnen.[16]

Ein zweites übergreifendes Ziel war der Transfer von Katastrophen- in Kriegswissen. 1954 war in einer psychologischen Fachzeitschrift zu lesen: »American cities can now be attacked with the weapons which have led to dubbing our time the ›age of mega-deaths‹ […]. Fundamentally, it has become necessary to know how Americans react to disaster and how they deal with it.«[17] Dem Sponsoring der sozialwissenschaftlichen Katastrophenforschung durch die Armee lag das Interesse zugrunde, aus zivilen Katastrophen zu lernen, um besonders die Katastrophensituation eines nuklearen Angriffs planbar zu machen. In diesem Sinne ging es um eine »grand analogy«.[18] Die Wissenschaftler/innen untersuchten dementsprechend Situationen, die Ähnlichkeiten mit möglichen Kriegsszenarien aufwiesen. Zum Beispiel beauftragte die Federal Civil Defense Administration die NRC-Forschungsgruppe 1958 damit, das Verhalten von 800 Menschen in einer eingeschneiten Autobahnraststätte zu analysieren, weil die dort herrschende Lage Ähnlichkeit mit den Lebensbedingungen in einem Luftschutzbunker aufweise. Auf engem Raum musste darin nämlich eine »ziemlich heterogene Gruppe von Fremden« – unter anderem Ärzte, Soldaten, Lastwagenfahrer, »Rock’n’Rollers« und »negroes« – nicht nur mit knappen Ressourcen und mangelndem Komfort, sondern auch ›miteinander‹ zurechtkommen.[19]

Das eingeschneite Howard Johnson Brandywine Restaurant, Autobahnraststätte nahe des Pennsylvania Turnpike, März 1958. Verantwortlich für die Aufnahme war die Air Force.
(Courtesy of the Disaster Research Center, University of Delaware)

Die beiden NORC-Katastrophenforscher Eli Marks und Charles Fritz – letzterer war später auch Teil des Stabs der NRC-Forschungsgruppe – schrieben 1954 in einem Aufsatz, dass Panik während der untersuchten zivilen Katastrophen nur bei Menschen aufgetreten sei, die sich in unmittelbarer Todesgefahr und eingeschlossen gewähnt hätten. Die Autoren folgerten daraus, dass im Falle eines atomaren Angriffs ohne Vorwarnung nicht mit Panik zu rechnen sei, ebensowenig bei einem Angriff mit einer Vorwarnperiode von 10 Minuten. Im ersten Fall sei zu wenig, im zweiten Fall zu viel Zeit für eine unmittelbare Todesangst und Gefühle des Eingeschlossenseins – so die recht kühne These. Eine Warnung »bombs are being dropped now« hingegen könne durchaus ein Stimulus für Panik-Verhalten sein.[20]

Derart explizite Ableitungen wurden in späteren Studien seltener. Vor allem räumten die Wissenschaftler/innen nun ein, dass die Ähnlichkeiten zwischen den untersuchten zivilen Katastrophen und möglichen Kriegsszenarien – und damit die Grundlage solcher Übersetzungen – deutlich beschränkt waren. Das Autorenteam der Studie zur eingeschneiten Autobahnraststätte etwa bemerkte, dass viele für einen Luftschutzbunker bestimmende Charakteristika (wie totale Isolation) in jenem Restaurant nicht gegeben waren: Air-Force-Helikopter evakuierten Kranke und flogen Brot ein. Die Forscher/innen konzedierten, dass ihre Untersuchungen keine »stabilen Generalisierungen« zulassen würden.[21]

Noch weiter ging der bereits erwähnte Anthropologe Anthony F.C. Wallace, der bei einer vom Walter Reed Army Medical Center organisierten Tagung 1957 Folgendes referierte: »Experience with natural, peace-time disasters of the flood, fire, and tornado type is, I believe, not entirely adequate for predicting what can and should be done in the event of a nuclear disaster. The severity of the destruction and the magnitude of the area involved […] would establish conditions radically different from those prevailing after major peace-time disasters.«[22] Ähnliche Aussagen tauchen auch mehrfach in den Sitzungsprotokollen der NRC-Forschungsgruppe auf.[23]

Der Grund für die letztlich nur halbherzig vorgenommene Übersetzung von Katastrophen- in Kriegswissen lag in den offenkundigen Grenzen jener Analogie.[24] Hinzu kam jedoch, dass die Forscher/innen das Erkenntnisinteresse ihrer militärischen Sponsoren nicht teilten oder dass es für sie nicht primär war; sie zielten auf anderes Wissen. So erhofften sich die Mitglieder des NRC Disaster Studies Committee von einer zivileren Finanzierung durch die Ford Foundation, die der Gruppe Ende der 1950er-Jahre zuteil wurde, »die Freiheit, Probleme von einer theoretischeren und sozialen Perspektive« anzugehen, »ohne den unmittelbaren Druck, Antworten für spezifische Probleme liefern zu müssen«.[25] Dies unterstreicht noch einmal, dass der Systemkonflikt des Kalten Kriegs die Wissensproduktion in den Sozialwissenschaften zwar hochgradig beeinflusste, aber sie nicht vollkommen determinierte.

Eine weitere Ebene der Forschungen war der Blick auf die Katastrophe als sozialwissenschaftliches Laboratorium. In einem Brief von 1957 schrieb ein Wissenschaftler, dass Katastrophen eine »ungewöhnliche und in mancherlei Hinsicht einzigartige Gelegenheit zum Test und zur Entwicklung von Systemtheorie« bieten würden.[26] Auch anderen Akteuren erschienen Katastrophen als besonderer Zugang, mit dem allgemeingültige sozialwissenschaftliche Methoden und Theorien zur Erforschung und Interpretation menschlichen Verhaltens entwickelt werden könnten.[27] Diese Ansätze wiederum sollten die Regulierung von Menschen auch weit über konkrete Katastrophensituationen hinaus ermöglichen. In einem Antrag für ein NRC-Stipendium war 1953 zu lesen: »The effects of physical disasters […] define a research of high priority for the behavioral scientist whose major interest is in understanding and theory development, as well as [for] various types of ›social engineers‹ whose chief task is to predict and control behavior in real life.«[28]

Die Hoffnung, Katastrophensituationen ließen sich als sozialwissenschaftliche Laboratorien operationalisieren, gründete in der Annahme, dass sich das Wesen von Organisationen in Momenten größten Stresses offenbare und dass Katastrophen hierfür auslösende Momente seien. In der Einleitung eines internen DRC-Forschungsberichts hieß es 1967: »The essential social structure and functions of an organization are most clearly exposed under conditions of extreme stress and crisis. Crises reveal, as few situations can, how organizations are structured, how organizations change and how organizations fulfill their functions.«[29]

1961 bestimmte Charles Fritz vom NRC »disaster« als »event [...] in which a society or a relatively self-sufficient subdivision of a society undergoes severe danger and incurs such losses […] that the social structure is disrupted and the fulfillment of all or some of the essential functions of the society is prevented«.[30] Fritz’ Definition von »disaster« als Ereignis, das Strukturen einer Gesellschaft zerschlage und ihr normales Funktionieren unmöglich mache, hängt nicht zufällig mit der Wirkung zusammen, die Katastrophensoziologen dem Stress zuschrieben. Anfang der 1960er-Jahre verstanden die Forscher/innen Stress als die vielleicht wichtigste ›Essenz‹ von Katastrophensituationen.

In der Hoffnung, diese Essenz ließe sich ›isolieren‹ bzw. in einer Umgebung rekonstruieren, die anders als eine Naturkatastrophe kontrollierbar wäre, richteten die Mitglieder des DRC im Jahr 1964 ein Behavioral Science Laboratory ein. Auf 525 m2, hinter Kameras, Aufnahmegeräten und Monitoren,[31] wurden Katastrophenforscher in ihrem Labor zu Stressforschern. Gruppen von Polizisten oder Studenten wurden dabei gezielt unter Stress gesetzt. Dies geschah beispielsweise, indem sie mit einer »anormalen Arbeitsüberlastung«[32] konfrontiert wurden.

Behavioral Science Laboratory, Disaster Research Center, Ohio State University, 1964: Die Wissenschaftlerin beobachtet das Verhalten einer Gruppe unter Stress, das von einer Kamera aufgezeichnet und auf TV-Monitore übertragen wird.
(Courtesy of the Disaster Research Center, University of Delaware)

Den Übergang von der Katastrophenforschung zu einer Analyse menschlichen Verhaltens in Stresssituationen auch jenseits von Tornados, Schneewehen und Fabrikexplosionen interpretiere ich als Versuch, ein (auch theoretisches) Regulierungswissen zu generieren, das in verschiedenste Bereiche übertragbar sein sollte. Dieses Interesse erklärt, zusammen mit anderen Faktoren, warum die Katastrophenforscher/innen in der zweiten Hälfte der 1960er-Jahre anfingen, sich mit Studentenprotesten und »racial riots« zu beschäftigen. Zu den sonstigen Faktoren, die diese Ausweitung plausibel machten, gehörte die bereits angesprochene Veränderung im amerikanischen Gefahrensinn der 1960er-Jahre, der sich zunehmend auch auf innere Bedrohungsszenarien richtete. Viele der bis dahin auf einen potentiellen atomaren Angriff fixierten Akteure – Politiker, Geldgeber und Wissenschaftler – erschlossen sich die neuen urbanen Krisen als Expertise- und Tätigkeitsfelder.[33] Auch aus den teilweise durch die Civil Defense-Behörden finanzierten Publikationen der Katastrophenforscher/innen geht deutlich hervor, dass sie die Proteste der 1960er- und 1970er-Jahre als Gefährdungen der nationalen Sicherheit und nationale »Krisen« sahen, die nach Interventionen verlangten und über die es Wissen zu produzieren galt.[34]

Ein weiteres zentrales Charakteristikum der US-amerikanischen Katastrophenforscher/innen im Untersuchungszeitraum war, dass sie sich für den Stress der ›Anderen‹ interessierten. Schon Mitte der 1950er-Jahre, und verstärkt in den 1970er-Jahren, führten sie Feldstudien in Lateinamerika, Japan und Europa durch. In den USA analysierten sie das Verhalten von ›internal others‹, etwa von Native Americans.[35] Im Cross Cultural Lab wurden zunächst verschiedene »kulturell homogene« Gruppen indischer und amerikanischer Studenten vor die Aufgabe gestellt, unter Zeitdruck über ein vorgegebenes Thema zu diskutieren und zu einem Konsens zu kommen. Die Forscher/innen verglichen sodann das beobachtete Verhalten der Gruppen miteinander. In einem weiteren Schritt analysierten sie das Stressverhalten von neu zusammengesetzten »kulturell heterogenen« Gruppen. In einer zweiten Reihe von Laborsimulationen unterrichteten in Rollenspielen Lehrer aus »westlichen Nationen« Schüler aus »nicht westlichen Gesellschaften«. Die Lehrer wurden dabei durch die kritischen Nachfragen der Schüler unter Stress gesetzt.

Das zusätzliche Ziel, auch außerhalb der USA zu forschen, etwa in Mexiko, ist im größeren Kontext einer Politik der internationalen Einflussnahme und einer Hochkonjunktur von Modernisierungstheorien zu interpretieren.[36] In diesem Umfeld operierte auch das Center for Area Studies der Michigan State University, an dem die Initiatoren der eingangs erwähnten Studie zur Rio-Grande-Flut von 1954 arbeiteten. Bereits dieser Untersuchung lag darüber hinaus ein Interesse an Vergleichsstudien zugrunde. Es lässt sich auf die damals auch in anderen Forschungszusammenhängen verbreitete Annahme zurückführen, dass der Vergleich nicht nur die Kulturabhängigkeit, sondern ebenso die ›Essenz‹ menschlichen Verhaltens analysier- und theoretisierbar mache.[37] Was waren die Resultate solcher Vergleichsstudien sowie die Befunde und Nutzungen der sozialwissenschaftlichen Katastrophenforschung insgesamt?

3. Rationale Individuen und solidarische Gruppen – Katastrophenschutz und Wissenszirkulationen

In einem Aufsatz von 1954 hieß es: »[...] activities following the explosion were highly organized and emotional reactions, while present and intense, were kept under rigid control.«[38] Ähnlich wie hier konstatierten die Katastrophenforscher/innen in ihren Publikationen mehrheitlich, dass Individuen in Stresssituationen nicht »zusammengebrochen« seien, sondern sich »rational«, »organisiert« und »kontrolliert« verhalten hätten. Auch wenn sie den entsprechenden Begriff erst sehr sporadisch im Verlauf der 1970er-Jahre verwendeten, argumentierten sie damit ähnlich wie auf anderen Feldern die Resilienzforschung.[39] Vor allem aber betonten die Wissenschaftler/innen, dass es in Katastrophen kaum je zu aggressivem Verhalten oder zu Plünderungen gekommen sei und vielmehr große Solidarität geherrscht habe. Im Fall der eingeschneiten Autobahnraststätte bedeutete dies, dass sich schnell ein Arzt als »leader« hervortat, der das »informelle Organisieren« der Situation übernahm, wobei die Menge seinen Anweisungen bereitwillig folgte. Es sei zu keinerlei Konflikten zwischen ethnischen und sozialen Gruppen gekommen: »If anything, such cleavages seem to have been mitigated by the situation. Negroes were in the group but there were no signs of prejudice against them reported. A woman ›dripping with diamonds‹ was observed helping a mother with her baby […] and a Doctor’s wife put on a waitresses uniform and helped in the kitchen.«[40] Der nivellierende Effekt von Katastrophensituationen auf gesellschaftliche Ungleichheiten und soziale Konflikte wurde in späteren Untersuchungen allerdings nicht immer bestätigt.

Abstrakter formulierten die Katastrophenforscher/innen ihre Befunde dahingehend, dass der Stress, den Katastrophen ›forcierten‹, sowohl für Individuen als auch für Organisationen zunächst einmal ›Veränderungs-Druck‹ bedeute; diese Veränderungen seien überwiegend positiver Art.[41] In den 1970er-Jahren folgerten sie weiter, dass nicht nur in von Naturkatastrophen verwüsteten ›Gesamteinheiten‹, sondern auch in den dort tätigen Hilfsorganisationen wie Feuerwehr oder Polizei sich neue ›flexiblere‹ und ›entbürokratisierte‹ Abläufe entwickelten.[42] Was die Wissenschaftler/innen an der Katastrophenhilfe allerdings durchaus kritisierten, war eine fehlende, auf mangelnde Kommunikation zurückzuführende Koordination zwischen verschiedenen Gruppen. Explizit stellten sie auch fest, dass die Civil Defense-Beauftragten schlecht auf Naturkatastrophen vorbereitet seien.[43]

Die Forscher/innen präsentierten ihren Sponsoren die Befunde, wonach sich Menschen in den untersuchten Stresssituationen »sehr gut« verhalten hätten, als ein Gegen-Wissen. Sie stellten sich dabei auch gegen die Vorstellung, dass Katastrophen und andere Gewaltereignisse schwerwiegende, lang andauernde emotionale Störungen auslösen würden. Diese Vorstellung verbreitete sich in den 1970er-Jahren jedoch zunehmend und wurde ab den 1990er-Jahren zu einem regelrechten »Empire of Trauma«.[44] Nach der Flutkatastrophe von 1972 in Buffalo Creek etwa stellte unter anderem der Psychiater Robert Jay Lifton, dessen Buch zu psychischen Kriegsfolgen bei Vietnam-Veteranen ein Meilenstein in der Herausbildung des PTSD-Konzepts war (Post-Traumatic Stress Disorder), bei einer Vielzahl der Katastrophenopfer schwere psychische Schäden fest.[45] Die Soziolog/innen des DRC standen der Annahme geradezu zwangsläufig auftretender, gravierender psychischer Folgeschäden von Katastrophen jedoch kritisch gegenüber. Im Report zu einem Tornado, der 1974 die Stadt Xenia verwüstet hatte, bemerkte das Autorenteam: »[…] a disaster is […] one of a class of collective stress situations. If social life is disrupted there will be stress and strain for the individuals involved, even though it cannot be assumed that social disruption creates psychological malfunctioning. The existence and degree of the latter in situations of the former, is of course, a matter of empirical determination and not one to be automatically presumed.«[46] Bei dieser Skepsis mag es eine gewisse Rolle gespielt haben, dass die moralische Aufwertung des seelisch geschädigten Katastrophenüberlebenden erst noch bevorstand. Dass dieser nicht länger als schwache, gar betrügerische und »schlechte« Figur angesehen wurde, sondern vielmehr als »very embodiment of our common humanity«,[47] wurde für die Durchsetzung des Traumadiskurses entscheidend.

Die seit den 1950er-Jahren publizierten Befunde, dass Individuen und Gruppen »sehr gut« mit Stresssituationen umgehen würden, konnten als Appelle an die Katastrophenschutz-Behörden und andere Regierungseinheiten verstanden werden, Menschen in Extremsituationen nicht hauptsächlich durch disziplinarische Technologien zu führen. Nicht mehr, sondern besser koordinierte Interventionen sollten stattfinden. Zudem müssten diese Interventionen nicht zwingend von außen kommen, da Gemeinschaften von sich aus in Krisensituationen bereits annähernd optimal agieren würden. Mit ihren Empfehlungen bezüglich Informations- und Kommunikationsprozessen, mit ihrem Verständnis von Gesellschaft als Verbund von Systemen, in denen minimale Eingriffe größte Veränderungen hervorrufen könnten, legten die Katastrophenforscher/innen ›subtilere‹ Regierungstechniken nahe. Diesen entsprachen liberale, auf einer moralischen Ökonomie[48] der Eigenverantwortung basierende Formen von Gouvernementalität, genauso wie die von den Forscher/innen als positiv gewertete Entbürokratisierung, Flexibilisierung und Effizienzsteigerung. Sicherheit basiert in liberalen Systemen in hohem Maße auf der Machttechnologie Freiheit.[49] Die Führung der Führungen bedeutete im Zeitalter liberaler Demokratie auch für die sozialwissenschaftliche Katastrophenforschung nicht nur Kontrolle, sondern zugleich die Offenlegung von Optionen zur freiwilligen, auf rationalen Entscheidungen beruhenden Selbstregulierung von Individuen und Organisationen.

Auch die Befunde, welche die DRC-Mitglieder in ihren Studien zu »racial riots« machten, reflektieren die Auffassung, eine andere Form des Regierens der Bevölkerung sei notwendig. Statt mehr Polizeieinsätze zu fordern, konstatierten die Forscher/innen, dass diesen Einsätzen oft falsche und rassistische Annahmen bezüglich der Ursachen von Protesten und Plünderungen zugrunde lägen. So arbeiteten sie heraus, dass die Delikte in den Augen der Polizisten nicht in den sozialen Bedingungen begründet waren, sondern gewissermaßen in einer generellen Krawall-Bereitschaft der Afroamerikaner/innen.[50] Demgegenüber betonten die Katastrophenforscher/innen »centuries of neglect and discrimination by whites against blacks and [...] inadequate response, both public and private, to problems within the black community, whether housing, education, unemployment [...]«.[51] Die Forscher/innen zeigten auf, dass die großen, von ihnen als »community crisis« deklarierten »riots« der 1960er-Jahre ihren Ursprung in Protesten gegen Diskriminierung hatten und insbesondere als Reaktionen auf rassistische Polizeigewalt anwuchsen. Die Plünderungen, zu denen es dabei kam, waren nach Ansicht der prominentesten Katastrophenforscher nichts anderes als Versuche temporärer »property redefinition«[52] und Ausdruck ökonomischer Not.

Die Faktoren der sozialen und ökonomischen Ungleichheit wurden bisweilen in einer erneuten Ausweitung des Stressbegriffs auch als »political strain« oder »pre-impact stress« bezeichnet.[53] Die Forscher/innen schrieben nun temporären Stresssituationen das Potential zu, strukturelle, tiefer liegende Stresskonstellationen sichtbar zu machen und durch sie verschärft zu werden. Diese These stand im Widerspruch zu der noch 1958 an der verschneiten Autobahnraststätte gewonnenen Beobachtung, Katastrophen würden soziale »Gräben« verkleinern. Die afroamerikanische Bevölkerung, so hieß es nun, müsse mehr Möglichkeiten zu ökonomischem Aufstieg erhalten. Werde dies nicht geschehen, sei es letztlich unmöglich, Protestierende und Plünderer in demokratische Systeme zu re-integrieren.[54]

Die Katastrophenforscher/innen kamen auch in ihrer Untersuchung des Stressverhaltens von ›Anderen‹ zu Befunden, die liberalen Rationalitäten entsprachen. Sie stellten fest, dass ›Andere‹ in Katastrophensituationen anders agierten. Mexikaner/innen erscheinen beispielsweise in der eingangs erwähnten Untersuchung zur Rio-Grande-Flut irrationaler und unkoordinierter als Texaner/innen. In Übereinstimmung mit Kernelementen modernisierungstheoretischer Argumentationsweisen führte der Leiter der Studie dies darauf zurück, dass in mexikanischen Gemeinschaften »familistic, traditionalistic and personalistic orientations« vorherrschten, die für eine funktionierende Katastrophenhilfe ein Problem darstellten.[55] Auch in ihrer Analyse der Cross Cultural Lab-Simulationen beobachteten die Forscher/innen zunächst Unterschiede im Kommunikationsverhalten der Gruppe indischer Studenten und der Gruppe amerikanischer Studenten. So hielten sich erstere nicht an die »amerikanische Norm«, dass nur eine Person auf einmal sprechen sollte.[56] Dennoch unterstrichen die Autoren des Abschlussreports zur Studie, es sei deren wichtigster Befund, dass in den kulturübergreifenden Interaktionen die Mitglieder beider Gruppen ihre gewohnten Verhaltensmuster modifizieren würden.[57] Für die zweite Phase der Laborstudien betonten sie darüber hinaus, dass im untersuchten Stressverhalten weniger kulturell bedingte Unterschiede zu verzeichnen seien als erwartet.[58]

Die DRC-Mitglieder formulierten diese Befunde in einem Amerika, das aufgrund der afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung, aber auch anderer sozialer Bewegungen gezwungen war, sich nicht nur mit Widerstand gegen soziale und ökonomische Ungleichheiten auseinanderzusetzen, sondern auch mit der Frage der politischen Gestaltung kulturell pluraler Gesellschaften. Die These der Forscher/innen, dass sich im freien Austausch verschiedener Kulturen Differenzen auflösen würden, sowie die Empfehlung zum »politischen Dialog« – und nicht etwa zu staatlichen Umverteilungsmaßnahmen – korrespondierten mit einem Vertrauen in die ausgleichende Wirkung eines auf rationalen Entscheidungen basierenden, kapitalistischen Austausches in einer liberalen, auf formaler Gleichheit beruhenden Demokratie.[59]

Zu fragen ist schließlich, ob und wie die geschilderten Ergebnisse praktisch genutzt wurden – denn der gewünschte Anwendungsbezug hatte ja am Beginn der Forschungen gestanden. Die Armee und das Civil Defense-Büro als Hauptsponsoren, welche die Organisation des US-amerikanischen Katastrophenschutzes in den 1950er- und 1960er-Jahren dominierten, setzten die Empfehlungen der Forscher/innen zur Planung von Einsätzen bei Naturkatastrophen und anderen zivilen Katastrophen zunächst kaum um. Die Katastrophenschutzpolitik dieser Institutionen konzentrierte sich noch in den frühen 1960er-Jahren primär auf die Vorbereitung eines atomaren Angriffs und zielte kaum auf die Ausbildung einer Bereitschaft (preparedness) für Naturkatastrophen ab. Darüber hinaus fürchteten die Civil Defense-Beauftragten, dass die Kritik der Katastrophenforscher/innen an der Eignung ihrer bisherigen Programme für den Naturkatastrophenschutz eine Kompetenzbeschneidung zur Folge haben könnte.[60]

Um 1970 kam es im staatlich organisierten Katastrophenschutz der USA langsam zu einem Umschwung – weg vom »nuclear war paradigm«, hin zu einem »›all hazards‹ mindset«.[61] Das DRC erhielt dadurch eine gesteigerte Aufmerksamkeit und mehr Ressourcen. DRC-Wissenschaftler wie Eugene Haas waren zudem wesentlich am Aufbau neuer Gefahrenabwehr-Institutionen wie dem Natural Hazards Center in Colorado beteiligt. Der Einfluss der Katastrophenforscher/innen auf die nationale Politik wuchs, und gleichzeitig wurden die Vorschläge, welche die Forscher/innen aus ihren Feldstudien ableiteten, auch auf lokaler Ebene im Katastrophenschutz umgesetzt.[62]

Bereits in den 1970er-Jahren zirkulierte das von den amerikanischen Katastrophenforscher/innen generierte Wissen zudem außerhalb der USA. Als 1970 in Peru ein Erdbeben zehntausende von Menschen in den Tod riss, untersuchte eine Gruppe von Psychiatern des Hospitals der peruanischen Nationalpolizei die Überlebenden. In einem anschließend verfassten Artikel zitierten sie eine Definition Enrico L. Quarantellis von Panik als »irrationaler und asozialer Flucht«,[63] um die Reaktionen des »Großteils der Bewohner« der Stadt Yungay zu beschreiben, die in einer »unreflektierten und autodestruktiven Panikreaktion«[64] während der Katastrophe ins Stadtzentrum gerannt seien. Das Zitat wurde damit in einem Argument platziert, das den Standpunkten, die Quarantelli und die anderen amerikanischen Forscher/innen mehrheitlich vertraten, entgegengesetzt war: der Ansicht nämlich, dass panisches Verhalten bei Katastrophen kaum je zu verzeichnen sei. In seiner Zirkulation außerhalb der USA war die Nutzung des beschriebenen Wissens also mit erheblichen Transformationen und ›Umnutzungen‹ verbunden.

4. Fazit

Die sozialwissenschaftliche Katastrophenforschung war während des Kalten Kriegs bestrebt, ein Regulierungswissen hervorzubringen, welches das Regieren von Menschen in Katastrophensituationen erleichtern sollte – und auch über solche Situationen hinaus. Das Ziel der Forschung war es, ein nützliches Beratungswissen zu generieren, das dazu dienen sollte, die Bevölkerung für und in Katastrophensituationen zu schulen, zu warnen, zu evakuieren und in Notunterkünften zu betreuen. Während insbesondere die militärischen Geldgeber hofften, derartige Forschung möge Erkenntnisse über das menschliche Stressverhalten in zivilen Katastrophen hervorbringen, die sich auf Kriegssituationen übertragen ließen, ging es vielen Forscher/innen primär darum, in Katastrophen als sozialwissenschaftlichen Laboratorien allgemeingültige Methoden und Theorien menschlichen Handelns unter Extrembedingungen zu entwickeln. Diese Erkenntnisinteressen beeinflussten auch die Auswahl der Forschungsgegenstände. So wurden kriegsähnliche zivile Katastrophen untersucht, und die Katastrophenforscher wurden in ihren Laborsimulationen zu Stressforschern.

Die Wissenschaftler/innen leisteten die gewünschte Übersetzung von Katastrophenwissen in Kriegswissen nur halbherzig und dürften mit der auch einem militärischen Publikum vorgetragenen Aussage, dass die Analogie zwischen Naturkatastrophen- und Atombomben-Folgen nur bedingt sinnvoll sei, ihre Geldgeber brüskiert haben. Dasselbe gilt für die von ihnen vertretene Ansicht, dass Protesten und Unruhen im Inland nicht mit einer Verschärfung der als rassistisch befundenen Polizeieinsätze beizukommen sei, sondern nur mit grundlegenden strukturellen Reformen.

Zu den wichtigsten Befunden, welche die Forscher/innen auch als Gegenwissen etwa zur langsam erstarkenden Trauma-Hypothese vorbrachten, zählte, dass sich Individuen und Gruppen in Stresssituationen mehrheitlich »sehr gut« verhalten würden und dass Stress positive Veränderungen in ihnen hervorrufen könne. Im Hinblick auf in Feldstudien befragte Mexikaner/innen und im Labor beobachtete indische Studenten stellten die Forscher/innen fest, dass sich diese ›Anderen‹ zwar unter Stress anders verhielten, aber dass sich in heterogenen Gruppen Differenzen tendenziell ausglichen.

Der vorliegende Beitrag hat sich auf die US-amerikanische Katastrophenforschung beschränkt. Allerdings entstanden vor allem in den 1980er-Jahren auch vermehrt Arbeiten sozialwissenschaftlicher Katastrophenforschung bzw. erste Forschungsgruppen und Zentren dieser Art in Japan, Italien, Schweden, Australien, Kanada und Westdeutschland. Für die Sowjetunion hingegen sind keine vergleichbaren Forschungsprogramme verzeichnet. Dies deutet erneut darauf hin, dass die Geschichte der Katastrophenforschung mit der Geschichte bestimmter liberaler Formen des Regierens verbunden ist.

Der Untersuchungszeitraum dieses Aufsatzes endet 1979, da sich in den 1980er-Jahren vielerlei Umbrüche vollzogen, denen an anderer Stelle genauer nachzugehen wäre. 1980 gewann das Trauma-Konzept mit der Aufnahme der PTSD-Diagnose (Post-Traumatic Stress Disorder) in das Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders III (DSM-III) eine medizinische Legitimation, die die Katastrophenforschung nachhaltig veränderte. Dies betraf insbesondere den Umgang von Hilfsorganisationen mit überlebenden Katastrophenopfern. Die Forscher/innen des Disaster Research Center (DRC) blieben der Trauma-Diagnose gegenüber jedoch äußerst skeptisch. Weitere Verschiebungen im Laufe der 1980er-Jahre betrafen eine Neuorientierung im amerikanischen Gefahrensinn, speziell ein verstärktes Interesse an Umweltkatastrophen.

Das DRC konnte sich in den 1980er-Jahren nicht nur als Wissenschafts-, sondern auch als Ausbildungszentrum für Katastrophenforschung weiter etablieren. 1985 wurde es aus Ohio an die University of Delaware verlegt, wo es mittlerweile Studiengänge nicht mehr nur in Soziologie anbietet, sondern auch in Disaster Science and Management. Letzteres verweist auf eine (wieder) wachsende Transdisziplinarität in der Katastrophenforschung. Und obschon das DRC bis zum heutigen Zeitpunkt zusammen mit dem Natural Hazards Center in Colorado zu den wichtigsten amerikanischen Zentren der sozialwissenschaftlichen Katastrophenforschung gehört, sind ab Ende der 1980er-Jahre eine Reihe weiterer für das Feld bedeutender Institute entstanden, etwa das Hazards Reduction and Recovery Center an der Texas A & M University.

1985 wurde innerhalb der International Sociological Association das International Research Committee on Disasters (IRCD) gegründet, worin sich das Bestreben nach stärkerer internationaler Zusammenarbeit in der Katastrophenforschung abzeichnete. Allerdings wird diese Forschung noch immer primär von Wissenschaftler/innen aus Ländern des globalen Nordens betrieben (mit einigen Ausnahmen aus Lateinamerika und Indien), während es heute mehr denn je Katastrophen sind, die sich im globalen Süden ereignen, welchen die Forscher/innen ihre Aufmerksamkeit widmen.[65] Daraus ergeben sich Verschiebungen bezüglich der Typen von Ereignissen und Prozessen, die mittlerweile die Untersuchungsgegenstände ausmachen: Nicht nur Naturkatastrophen mit einer hohen Zahl an Todesopfern, sondern auch Hungerkrisen und Epidemien werden heute auf ihre sozialen Auswirkungen hin befragt. Sehr viel stärker als früher wird dabei vor allem nach Phasen von Katastrophen-Ereignissen differenziert (etwa »recovery« oder »mitigation«). Faktoren wie Geschlecht oder Behinderung finden zudem ein verstärktes Interesse.[66]

Erkenntnisse der sozialwissenschaftlichen Katastrophenforschung haben sich stabilisiert und von ihrem Zusammenhang mit dem Kalten Krieg emanzipiert; sie konnten ihren Zirkulationsradius und ihre politische Relevanz bis heute stark erweitern. Für eine Geschichte der Gegenwart ist die Historisierung solcher Forschungen, ihrer jeweiligen Vorannahmen, Denkstile und Implikationen daher besonders interessant – auch über die Zäsuren 1979/80 und 1989/90 hinaus.

Anmerkungen:

[1] Roy A. Clifford, The Rio Grande Flood. A Comparative Study of Border Communities in Disaster, Washington 1956.

[2] Von 1955 bis 1963 wurde es unter anderem durch die Federal Civil Defense Administration, das National Institute of Mental Health und die Ford Foundation finanziert.

[3] Wie die meisten Wissenschaftszweige war die Katastrophenforschung in den 1950er- bis 1970er-Jahren von Männern dominiert. Vgl. Kathleen J. Tierney, From the Margins to the Mainstream? Disaster Research at the Crossroads, in: Annual Review of Sociology 33 (2007), S. 503-525, hier S. 515. Frauen waren dennoch durchaus an der Katastrophenforschung beteiligt. Mit der NORC-Soziologin Shirley Starr gehörte eine Frau sogar zu den Begründer/innen der ersten Katastrophenforschungsgruppe. Im Committee on Disaster Studies des NRC waren mehrere Frauen als Sekretärinnen tätig und als Stabsmitglieder mitzuständig für die Vergabe von Stipendien sowie bisweilen in leitender Funktion an Feldstudien beteiligt. Finanziert durch solche Stipendien führten mehrere Frauen Studien durch, die teils in Publikationen mündeten. Auch einige DRC-Forscherinnen konnten Arbeiten veröffentlichen, und viele Frauen waren als Interviewerinnen in DRC-Feldstudien involviert.

[4] Vgl. Mark Solovey, Shaky Foundations. The Politics-Patronage-Social Science Nexus in Cold War America, New Brunswick 2013; Bernd Greiner/Tim B. Müller/Claudia Weber (Hg.), Macht und Geist im Kalten Krieg, Hamburg 2011.

[5] Lorenz Engell/Bernhard Siegert/Joseph Vogl, Editorial, in: Archiv für Mediengeschichte 9 (2009): Gefahrensinn, S. 5-8, hier S. 5.

[6] Vgl. u.a. Mark Solovey/Hamilton Cravens (Hg.), Cold War Social Science. Knowledge Production, Liberal Democracy, and Human Nature, New York 2012; Melvin E. Matthews, Duck and Cover. Civil Defense Images in Film and Television from the Cold War to 9/11, Jefferson 2012; Tracy C. Davis, Stages of Emergency. Cold War Nuclear Civil Defense, Durham 2007; Laura McEnaney, Civil Defense Begins at Home. Militarization Meets Everyday Life in the Fifties, Princeton 2000.

[7] »Conduire des conduites«; siehe Michel Foucault, Das Subjekt und die Macht, in: Hubert L. Dreyfus/Paul Rabinow (Hg.), Michel Foucault: Jenseits von Strukturalismus und Hermeneutik, 2. Aufl. Weinheim 1997, S. 243-261, hier S. 255. Vgl. dazu die von Klaus Große Kracht konzipierte Debatte in: Zeithistorische Forschungen/Studies in Contemporary History 3 (2006), S. 273-296.

[8] Vgl. u.a. Mark Solovey, Cold War Social Science. Specter, Reality, or Useful Concept?, in: ders./Cravens, Cold War Social Science (Anm. 6), S. 1-22, hier S. 4f.

[9] Vgl. ebd., S. 14.

[10] Zu »Interdisciplinarity as a Virtue« in den Sozialwissenschaften des Kalten Kriegs vgl. Jamie Cohen-Cole, The Open Mind. Cold War Politics & The Sciences of Human Nature, Chicago 2014, hier S. 65-103.

[11] Vgl. Hunter Crowther-Heyck, Patrons of the Revolution: Ideals and Institutions in Postwar Behavioral Science, in: Isis 97 (2006), S. 420-446, hier S. 435.

[12] Nicholas J. Demerath/Anthony F.C. Wallace, Human Adaptation to Disaster. Introduction, in: Human Organization 16 (1957) H. 2, S. 1-2, hier S. 1.

[14] Demerath/Wallace, Human Adaptation (Anm. 12), S. 1.

[15] J.E. Haas/Enrico L. Quarantelli/Russell R. Dynes, Some Preliminary Observations on the Responses of Community Organizations Involved in the Emergency Period of the Alaskan Earthquake, Columbus 1964 (Disaster Research Center Working Paper 2), hier S. 1.

[16] Für weitere Ausführungen zur Geschichte des »Leitkonzepts« Regelung bzw. Regulierung im 20. Jahrhundert vgl. u.a. Stefan Rieger/Manfred Schneider (Hg.), Selbstläufer/Leerläufer. Regelungen und ihr Imaginäres im 20. Jahrhundert, Zürich 2012; Cornelia Rauh/Dirk Schumann (Hg.), Ausnahmezustände. Entgrenzungen und Regulierungen in Europa während des Kalten Krieges, Göttingen 2015 (angekündigt für Februar).

[17] Harry Williams, Fewer Disasters, Better Studied, in: Journal of Social Issues 10 (1954) H. 3, S. 5-11, hier S. 5.

[18] Sharon Ghamari-Tabrizi, Death and Resurrection in the Early Cold War. The Grand Analogy of the Disaster Researchers, in: Leon Hempel/Marie Bartels/Thomas Markwart (Hg.), Aufbruch ins Unversicherbare. Zum Katastrophendiskurs der Gegenwart, Bielefeld 2013, S. 335-378.

[19] Vgl. Charles E. Fritz/Jeannette F. Rayner/Samuel L. Guskin, Behavior in an Emergency Shelter. A Field Study of 800 Persons Stranded in a Highway Restaurant During a Heavy Snowstorm, Washington 1958.

[20] Charles E. Fritz/Eli S. Marks, The NORC Studies of Human Behavior in Disaster, in: Journal of Social Issues 10 (1954) H. 3, S. 26-41, hier S. 30f.

[21] Fritz/Rayner/Guskin, Emergency Shelter (Anm. 19), S. 2, S. 36.

[22] Anthony F.C. Wallace, Patterns of Group Behavior in Disaster, Manuskript, S. 14f., in: Anthony F.C. Wallace Papers (Nachlass), Bibliothek der American Philosophical Association, Philadelphia.

[23] Vgl. National Academy of Sciences Archives, Washington D.C.: National Research Council, Division of Anthropology and Sociology, Bestände Disaster Studies, Folder: NRC, Committee on Disaster Studies Meetings, 1952–1957.

[24] Vgl. Ghamari-Tabrizi, Death and Resurrection (Anm. 18), S. 375.

[25] National Academy of Sciences Archives, Washington D.C.: National Research Council, Division of Anthropology and Sociology, Bestände Disaster Studies, Folder: NRC, Conference on Theories of Human Behavior, 1955.

[26] Vgl. National Academy of Sciences Archives, Washington D.C.: National Research Council, Division of Anthropology and Sociology, Bestände Disaster Studies, Folder: Dallas Tornado Medical Care, 1957–1959.

[27] Die Suche nach allgemeingültigen »Gesetzen« und »general theories of human behavior« war ein Ziel, dem sich während des Kalten Kriegs verschiedenste Sozialwissenschaftler/innen verschrieben. Vgl. Joel Isaac, Epistemic Design: Theory and Data in Harvard’s Department of Social Relations, in: Solovey/Cravens, Cold War Social Science (Anm. 6), S. 79-95; ders., Working Knowledge. Making the Human Sciences from Parsons to Kuhn, Cambridge 2012; Jackie Orr, Panic Diaries. A Genealogy of Panic Disorder, Durham 2006, u.a. S. 107-111.

[28] National Academy of Sciences Archives, Washington D.C.: National Research Council, Division of Anthropology and Sociology, Bestände Disaster Studies, Folder: NRC, Experimental Mass Fear, 1953.

[29] The Disaster Research Center, Staff Report 1967 (Anm. 13), S. 2.

[30] Charles E. Fritz, Disaster, in: Robert Merton/Robert Nisbet (Hg.), Contemporary Social Problems, New York 1961, S. 651-694, hier S. 655.

[31] The Disaster Research Center, Staff Report 1967 (Anm. 13), S. 15.

[32] Ebd., S. 4.

[33] Jennifer S. Light, From Warfare to Welfare. Defense Intellectuals and Urban Problems in Cold War America, Baltimore 2003, S. 64.

[34] Vgl. Russell R. Dynes/Enrico L. Quarantelli, America’s Racial Crisis. Looting in Natural Disasters/Property Rights in Disasters and Riots, in: Current 98 (1968), S. 6-12.

[35] Vgl. National Academy of Sciences Archives, Washington D.C.: National Research Council, Division of Anthropology and Sociology, Bestände Disaster Studies, Folder: NRC, Reactions of Hupa Indians to Flood, 1956.

[36] Vgl. Ellen Condliffe Lagemann, The Politics of Knowledge. The Carnegie Corporation, Philanthropy, and Public Policy, Chicago 1992; Nils Gilman, Mandarins of the Future. Modernization Theory in Cold War America, Baltimore 2003.

[37] Vgl. Benjamin Penny, Historicizing »Cross-Cultural«, in: Humanities Research 14 (2007) H. 1, S. 1-9.

[38] Fritz/Marks, NORC Studies (Anm. 20), S. 33.

[39] Zur Resilienzforschung siehe den Beitrag von Sabine Höhler in diesem Heft.

[40] Fritz/Rayner/Guskin, Emergency Shelter (Anm. 19), S. 26.

[41] Demerath/Wallace, Human Adaptation (Anm. 12), S. 1.

[42] John R. Brouillette/Enrico L. Quarantelli, Types of Patterned Variation in Bureaucratic Adaptations to Organizational Stress, in: Sociological Inquiry 41 (1971), S. 39-46, hier S. 40.

[43] Vgl. William A. Anderson, Local Civil Defense in Natural Disaster: From Office to Organization, Columbus 1969.

[44] Didier Fassin/Richard Rechtman, The Empire of Trauma. An Inquiry into the Condition of Victimhood, Princeton 2009.

[45] Vgl. Andrew J.F. Morris, Psychic Aftershocks. Crisis Counseling and Disaster Relief Policy, in: History of Psychology 14 (2011), S. 264-286, hier S. 277.

[46] Verta A. Taylor/Alexander G. Ross/Enrico L. Quarantelli, Delivery of Mental Health Services in Disasters. The Xenia Tornado and Some Implications, Columbus 1976, S. 3.

[47] Fassin/Rechtman, Empire of Trauma (Anm. 44), S. 23.

[48] Didier Fassin, Les économies morales revisitées, in: Annales. Histoire, Sciences Sociales 64 (2009), S. 1237-1266.

[49] Vgl. Michel Foucault, Geschichte der Gouvernementalität I: Sicherheit, Territorium, Bevölkerung. Vorlesung am Collège de France 1977–1978, Frankfurt a.M. 2004; ders., Geschichte der Gouvernementalität II: Die Geburt der Biopolitik. Vorlesung am Collège de France 1978–1979, Frankfurt a.M. 2004; ders., Das Subjekt und die Macht (Anm. 7).

[50] Enrico L. Quarantelli/J. Rick Ponting/John Fitzpatrick, Police Department Perceptions of the Ocurrences of Civil Disturbances, Columbus 1974, S. 4.

[51] Ebd.

[52] Dynes/Quarantelli, Racial Crisis (Anm. 34), S. 9.

[53] Dies., Community Conflict: Its Absence and its Presence in Natural Disasters, Columbus 1971 (Disaster Research Center Working Paper 34), S. 13.

[54] Vgl. hierzu auch Scott Gabriel Knowles, The Disaster Experts. Mastering Risk in Modern America, Philadelphia 2011, S. 242.

[55] Clifford, Rio Grande Flood (Anm. 1), S. 32. Vgl. auch Gilman, Mandarins (Anm. 36), S. 87.

[56] Enrico L. Quarantelli/Robert H. Roth, Simulation Studies of Communication Behavior under Stress: Phases one and two, Columbus 1969, S. 4.

[57] Ebd., S. 3.

[58] Ebd., S. 6.

[59] Vgl. Hunter Crowther-Heyck, Producing Reason, in: Solovey/Cravens, Cold War Social Science (Anm. 6), S. 99-116; Sonja M. Amadae, Rationalizing Capitalist Democracy. The Cold War Origins of Rational Choice Liberalism, Chicago 2003.

[60] Vgl. hierzu auch Knowles, Disaster Experts (Anm. 54), S. 233-237.

[61] Ebd., S. 214.

[62] Vgl. ebd.

[63] »acentuada pérdida del auto-control y seguida de huida irracional y asocial«. V. Infantes et al., Observaciones Psicopatológicas en el Área del Sismo (Ancash, 1970), in: Revista de Neuro-Psiquiatría 33 (1970), S. 171-188, hier S. 184.

[64] »reacción de pánico [...] irreflexiva y auto-destructiva«. Ebd.

[65] Vgl. Sue McNeil/Henry Quarantelli, Past, Present and Future: Building an Interdisciplinary Disaster Research Center on a Half Century of Social Science Disaster Research, Newark 2008. (Der Vorname »Henry« ist die amerikanisierte Variante von Enrico Quarantelli; es handelt sich hier also um denselben Forscher.)

[66] Strikt unterschieden wird in der Forschung zwischen den Konzepten hazard und risk: Letzteres bezeichnet eine kalkulierbare Wahrscheinlichkeit, mit der ein Ereignis eintritt (z.B. ein Hurrikan), das für einen Ort oder eine Bevölkerung eine Bedrohung (hazard) darstellt. Vgl. Brenda D. Phillips, Qualitative Disaster Research, Oxford 2014, S. 2.

 

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