Abstract

Henning Engelke, Simon Kopp

„Die Söhne der großen Bärin“ (1966) war der erste von insgesamt 13 Westernfilmen der DEFA. Die Resonanz des DDR-Publikums war überwältigend – ähnlich wie bei den Karl-May-Verfilmungen in der Bundesrepublik. Der Anspruch der DEFA lautete, „Abenteuerfilme in historischem Gewand“ zu zeigen. Durch geschichtliche Korrektheit wollte man den Gründungsmythos der USA, der im Filmgenre des Western massenmediale Verbreitung erfahren hatte, und auch das tagespolitische Geschehen kritisch kommentieren. Bei einem Vergleich des DEFA-Films „Ulzana“ (1974) und der US-Produktion „Broken Arrow“ (1950), die beide Authentizität reklamierten, wird deutlich, wie an Konventionen von Filmgenres angeknüpft und zugleich durch eine Fiktion von historischer Realität versucht wurde, diese Konventionen zu überwinden. Der Aufsatz untersucht, ob und inwieweit die DEFA-Produktionen das Genre Western ästhetisch und inhaltlich umwandelten.
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“Die Söhne der großen Bärin” (1966) marked the beginning of a series of thirteen Westerns produced in the GDR. Their popularity resembled the success of the Karl May films in the FRG. The production company DEFA claimed to present “adventure stories in a historic guise”. The films aimed at a correct depiction of the history of native American peoples and the conquest of the continent. Moreover, they were meant as critical comments on current politics. A comparison of the DEFA production “Ulzana” (1974) and the US movie “Broken Arrow” (1950) – which both claimed to offer an authentic view – shows how genre patterns were constantly reiterated and at the same time apparently deconstructed by the aspiration to represent historic reality. The article examines if and how the DEFA productions transformed the Western genre, i.e. its aesthetics and its content.