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Die Geschichtsdidaktik wird besichtigt – und löst bei ihren Betrachtern viele Fragen nach der Kontur, dem Gegenstand und der Geltung aus. Bei manchen Mitgliedern der Zunft werden die hier veröffentlichten Essays in ihrer thesenhaften Form sicher Abwehrmechanismen in Gang setzen. Das ist verständlich, denn in der Zuspitzung der Diagnose gerät das Regelhafte der Disziplin zum Gesamtbild, und die Ausnahmen – die es immer und überall gibt – treten notwendigerweise zurück. Andere werden die vorgenommene Akzentuierung der Defizite für diskussionswürdig erachten und vielleicht hier und da die Gewichte verschieben. Jenseits aller Detailfragen: Produktiv sind die Diskussionsanstöße zu einer Neubestimmung des Verhältnisses von Zeitgeschichte und Didaktik allemal.
Dies gilt nicht nur, aber insbesondere auch für das Feld des schulischen Lernens. Denn die Geschichtsdidaktik kann und muss die Herausforderungen annehmen, die von den nur als ungenügend zu bezeichnenden Geschichtskenntnissen und dem defizitären Geschichtsverständnis der Schülerinnen und Schüler ausgehen. An diesem Befund ändern auch die Ausnahmeleistungen nichts, die von Schülern und den sie anleitenden Lehrern im Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten seit über 30 Jahren durchaus erbracht werden: Eine kleine Gruppe engagierter Promotoren projektförmigen Lernens führt alle zwei Jahre vor, wie Lernen und Forschen verzahnt werden können. Die rund 6.000 Teilnehmer unter 21 Jahren und ihre Tutoren sind – gemessen an der Gesamtheit der Schülerinnen und Schüler in Deutschland – aber marginal. Es geht also um das historische Lernen und die Mühen der Ebene auf breiter Front: Die Lehrerinnen und Lehrer in den Stand zu versetzen, den Auftrag der Wissensvermittlung in zeitgemäßen Lernformen wahrnehmen zu können – das ist (noch immer) eine Kernaufgabe der Didaktik. Möglicherweise bedarf es weiterer Praxisstudien zum historischen Lernen von Kindern und Jugendlichen. In jedem Fall aber sind praxistaugliche Konzepte nötig, die für Lehrerinnen und Lehrer operationalisierbar sind. Auch daran bemisst sich der Wert der Geschichtsdidaktik: Sie muss sich im normalen Unterricht bewähren. Andernfalls wird sie nicht nur in Zeiten des PISA-Schocks ungefragt bleiben. |