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Was haben die neuen „Social Memory Studies“ zu den Diskursen über die jüngste deutsche Geschichte beigetragen, insbesondere
zur Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit? Dieser Aufsatz versucht zu unterscheiden zwischen dem „memory boom“ in der
Politik und der Kultur sowie den tieferen Einsichten der Sozialtheorie und der Geschichtswissenschaft, inklusive den Einsichten
über den „memory boom“ selbst. Untersucht werden insbesondere die Mythologien von „Weichenstellungen“ in den Erinnerungsdiskursen,
bei denen es sich oft um übertriebene Zuschreibungen handelt. Zweifellos markiert das Jahr 1989 wichtige Veränderungen. Doch
vergleicht man gegenwärtige Debatten mit dem „Historikerstreit“ und diesen wiederum mit früheren Debatten, so zeigt sich,
dass es neben Veränderungen auch etliche Kontinuitäten gibt. Wir gedenken nicht allein der NS-Vergangenheit, sondern beziehen
uns im Gedenken ebenso auf frühere Praktiken dieses Gedenkens.
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Die visuelle Überlieferung aus der Zeit der NS-Diktatur lässt sich nur interdisziplinär erforschen. Die fotografische Massenkommunikation,
die im NS-Staat dem Propagan-daministerium unterstellt wurde, kann mit herkömmlichen zeithistorischen Methoden, aber auch
mit dem kunstwissenschaftlichen Instrumentarium allein nicht umfassend erklärt werden. Qualitative Ansätze etwa der Kommunikationswissenschaft
bieten zusätzliche Möglichkeiten des Erkenntnisfortschritts – nicht zuletzt im Hinblick auf die private Fotografie. Im Paradigma
der „Bildwissenschaft“ können sich die Kompetenzen der Einzeldisziplinen neu verbinden und zum differenzierten Verständnis
der NS-Herrschaft einen wichtigen Beitrag leisten. Der Aufsatz skizziert zunächst die fotohistorische Erforschung der NS-Zeit
seit den 1980er-Jahren. Gefragt wird dann nach der Überlieferungssituation in den Archiven und den Auswirkungen der Digitalisierung.
Eine zentrale These lautet dabei, dass sich das Problem der bisher oft mangelhaften Klassifizierung und Erschließung von Fotomaterial
durch dessen digitale Zirkulation weiter verschärft.
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