Abstract

Uta Andrea Balbier

The American evangelist Billy Graham held several revival meetings – so-called crusades – in West Germany in the 1950s and 1960s. Many thousands of Germans came to hear him. This article explores the reasons for Graham’s success in the Federal Republic in the context of a transatlantic religious and cultural history. Graham’s campaigns were embedded in the discourse of rechristianization and secularization after the end of the Second World War. Leading Protestant bishops such as Otto Dibelius and Hanns Lilje supported him. Furthermore, Graham’s campaigns played an important role in the West German culture of the Cold War as political stagings of the Free World consensus. In addition, the orchestration of the crusades reconciled religion and consumerism. Billy Graham’s crusades are a prism through which to explore important modernization processes in German Protestantism in the first two decades of the Federal Republic.
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Der amerikanische Evangelist Billy Graham hielt in den 1950er- und 1960er-Jahren mehrere Erweckungsveranstaltungen in Westdeutschland ab. Tausende Deutsche nahmen daran teil. Der Aufsatz analysiert die Gründe für Grahams Erfolg in der Bundesrepublik und betrachtet seine Mission im Kontext einer transatlantischen Religions- und Kulturgeschichte. Grahams als „crusades“ bezeichnete Kampagnen standen im Zusammenhang der Rechristianisierungs- und Säkularisierungsdebatten der Nachkriegszeit; sie fanden die Unterstützung führender protestantischer Bischöfe wie Otto Dibelius und Hanns Lilje. Die Veranstaltungen hatten jedoch weitergehende politische und kulturelle Bedeutungen: Zum einen waren sie Inszenierungsräume des Konzeptes der Freien Welt. Zum anderen trugen sie zur Aussöhnung des Protestantismus mit der aufstrebenden Konsumkultur bei. Die Analyse von Billy Grahams Erweckungsveranstaltungen lenkt den Blick auf wichtige Modernisierungsprozesse im westdeutschen Protestantismus der ersten beiden Nachkriegsjahrzehnte.