„Europa“ im Ostblock

Weiße Flecken in der Geschichte der europäischen Integration

Anmerkungen

Die Osterweiterung der Europäischen Union im Jahre 2004, die größte und ehrgeizigste Erweiterung seit Gründung der Europäischen Gemeinschaften, ist ein Meilenstein in der Geschichte der europäischen Integration. Natürlich wissen wir als Zeitgenossen nicht, ob dieser Meilenstein auf dem Weg zu den Vereinigten Staaten von Europa liegt oder an just jener Stelle, wo die EU auf die schiefe Bahn gerät, weil der gute Wille zur Aufnahme von zehn neuen Staaten die ökonomischen und integrativen Kapazitäten der EU übersteigt. Indizien gibt es für beide Möglichkeiten. Für die erste etwa spricht der Optimismus junger Menschen in Osteuropa,1 die sich in der Nacht zum 1. Mai 2004, als ihre Heimatländer offiziell der EU beitraten, zu spontanen Freudenfesten zusammengefunden haben. Aus dieser Begeisterung kann die notwendige Kraft und die Phantasie erwachsen, die anstehenden Probleme der größer und heterogener gewordenen EU zu lösen. Im Vorfeld der Erweiterung jedoch sahen die Dinge weniger rosig aus, was für die zweite Möglichkeit spricht. Mit Blick auf die unabsehbaren Kosten der Osterweiterung machte sich vielerorts Nüchternheit, ja Sorge und Beklemmung breit. Das hatte auch mit der irritierenden Situation zu tun, dass alte und zukünftige Mitglieder der EU über die Haltung zum Irakkrieg und über den Entwurf zur EU-Verfassung in heftigen Streit miteinander geraten waren. Schrille Töne bis hin zu verbalen Entgleisungen wie die des französischen Präsidenten Jacques Chirac, der den osteuropäischen EU-Kandidaten wegen ihres Engagements auf Seiten der USA kurzerhand eine „schlechte Kinderstube“ unterstellte, ließen für die Stimmung in der zukünftigen EU nichts Gutes erwarten.

Es wäre eine unzulässige Vereinfachung, würde man die genannten Konflikte auf mentale Unterschiede zwischen den bisherigen (westeuropäischen) und den neuen (osteuropäischen) EU-Mitgliedern reduzieren. Sowohl im Streit um die Verfassung als auch um den Irakkrieg gingen die Fronten quer durch die alte EU. Dennoch lässt sich die Tendenz nicht übersehen, dass die westlichen EU-Mitglieder zugunsten einer Stärkung der EU eher zur Aufgabe nationaler Besitzstände bereit sind als die Neuen aus dem Osten. Und auch in den Auseinandersetzungen um den Irakkrieg, soweit es dabei um die Beziehungen zu den USA ging, offenbarten sich diesseits und jenseits der alten Blockgrenze (von Großbritannien einmal abgesehen) unterschiedliche Prioritäten. Dass gerade die Unterschriften Polens, Ungarns und Tschechiens unter dem Offenen Brief von acht NATO-Staaten vom März 2003 den französischen Präsidenten um seine Fassung brachten, sollte man mit dem Entsetzen auf Seiten der alten EU-Eliten erklären, dass die zukünftigen EU-Mitglieder aus dem Osten womöglich ganz andere Grundauffassungen vertreten könnten als in „Kerneuropa“ üblich. In einem Moment, in dem die Osterweiterung nicht mehr aufzuhalten war, wurde man sich bewusst, wie wenig man sich kannte.

Durch die Spaltung Europas im Kalten Krieg hatte sich die europäische Einigungsbewegung auf die westliche Hälfte des Kontinents verengt. Was sich europäische Integration nannte, war eine gänzlich westeuropäische Angelegenheit. Zieht man die Lokalisierung ihrer wichtigsten Institutionen und den biographischen Hintergrund ihrer Gründerväter in Betracht, schrumpft ihr Horizont sogar noch weiter. Das administrative und wirtschaftliche Zentrum der EG an Rhein, Maas und Mosel machte schon Skandinavien und das Mittelmeer zur Peripherie. Das östliche Europa dagegen schien im Bewusstsein der meisten Westeuropäer völlig irrelevant zu werden - ein grauer Sowjetblock weit weg im Osten, interessant allenfalls für Spezialisten und Spinner. Es nimmt daher nicht wunder, dass sich die Westeuropäer zusehends für die Vertreter des „eigentlichen“ Europa hielten und ihnen die Absenz der anderen Hälfte bald gar nicht mehr auffiel. Nur Einzelne haben vor dem Fall der Mauer, der dem erstaunten Westen plötzlich den Blick auf ein Europa jenseits des Eisernen Vorhangs freigab, das Fehlen des Ostens in der westlichen Wahrnehmung thematisiert.2

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Für die Zeitgeschichtsforschung stellt sich heute die Aufgabe, die Genese der europäischen Integration in einer gesamteuropäischen Perspektive noch einmal zu denken. Dabei wird nur ein zeitlicher Horizont, der auch die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts einschließt, deutlich machen, dass die Idee der europäischen Einigung zunächst von einer gesamteuropäischen Bewegung getragen wurde. Erst die Teilung Europas im Kalten Krieg hat sie auf die westliche Hälfte des Kontinents zurückgeworfen. Für die Zeit nach 1945 sind neben der westeuropäischen Integration, aus der die EU als die europäische Integration schlechthin hervorgegangen ist, auch die anderen Integrationsansätze einschließlich der osteuropäischen einzubeziehen. So verschiedenartig EG und EFTA auf der einen und der RGW auf der anderen Seite gewesen sein mochten, so ist doch nach Gemeinsamkeiten und Wechselbeziehungen zu fragen. Zu klären ist auch, welche Konsequenzen die Abwesenheit des Ostens bei der Integration der westeuropäischen Staaten für beide Seiten hatte. Dabei sind es weniger die institutionengeschichtlichen Fragestellungen, mit denen sich neue und für die Gegenwart wesentliche Erkenntnisse gewinnen lassen. Entdeckungen warten wohl eher dort, wo sich das Augenmerk auf die langfristigen mentalen Folgen einer sich unter der Bedingung der Ost-West-Spaltung vollziehenden europäischen Integration richtet. So ist beispielsweise zu vermuten, dass die jüngsten Konflikte zwischen west- und osteuropäischen EU-Mitgliedern auch damit zu tun haben, dass in 50 Jahren der Teilung im Osten und Westen unterschiedliche Vorstellungen darüber entstanden sind, was unter „Europa“ und „europäischer Integration“ zu verstehen sei. Die folgende Skizze kann nicht den Anspruch erheben, die genannten Fragen zu beantworten. Ihr Ziel ist es, neue Frageperspektiven und methodische Zugänge zu eröffnen.

1. Europäische Integration vor der Teilung Europas
 

Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs war die Idee einer europäischen Föderation ein gesamteuropäisches Projekt. Tschechen oder Ungarn hatten daran nicht weniger Anteil als Franzosen, Deutsche oder Italiener. Die in den 1920er-Jahren durch den österreichischen Grafen Richard Coudenhove-Kalergi ins Leben gerufene Paneuropa-Bewegung setzte sich für einen Staatenbund von Portugal bis zur sowjetrussischen Grenze ein und zählte zu ihren Förderern auch so namhafte Ostmitteleuropäer wie Tomá Masaryk, Edvard Bene oder Milan Hod˛a.3 Nach dem Zweiten Weltkrieg waren westeuropäische Politiker und Intellektuelle, allen voran aus Frankreich, Belgien, den Niederlanden, Italien, Deutschland und Großbritannien, die treibenden Kräfte der europäischen Einigungsbewegung. Doch zur Geschichte der europäischen Integration gehören nicht weniger die diversen Projekte regionaler Staatenzusammenschlüsse, die vor 1945 für die Staaten Mittel- und Osteuropas entwickelt worden waren. Mochte auch keines von ihnen Realität geworden sein, so leisteten sie doch einen Teil der mentalen Vorarbeit, ohne die die Schaffung transnationaler Strukturen nach 1945 nicht vorstellbar gewesen wäre.

Zu nennen ist die vom Deutschen Reich her gedachte Mitteleuropa-Konzeption Friedrich Naumanns,4 deren föderaler, auf Ausgleich zwischen den Nationen und Regionen zielender gedanklicher Kern neben ihren imperialen Elementen oft verkannt worden ist. Dazu kommen eine ganze Reihe von Föderationsprojekten aus dem Donauraum, die nach dem Zerfall der Habsburger Monarchie einen Ausweg aus der wirtschaftlichen Misere der Kleinstaaterei und der Autarkiebewegungen suchten. Wie im Fall der westeuropäischen Einigung ging es auch hier um das Anliegen, nationale Eigenständigkeit mit der ökonomischen Notwendigkeit größerer Wirtschaftsräume zu versöhnen.5 Bis zu einem gewissen Grad gehören die multinationalen Staatsgründungen ebenfalls in diesen Rahmen - die Tschechoslowakei von 1918 und das Königreich der Slowenen, Kroaten und Serben, aus dem 1929 Jugoslawien wurde. Auch das Anfang der 1940er-Jahre eruierte Projekt eines tschechoslowakisch-polnischen Staatenzusammenschlusses ist zu nennen.

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Selbst an der unmittelbaren Vorgeschichte der europäischen Integration hatten Osteuropäer noch Anteil. Während des Zweiten Weltkrieges entwickelten Widerstandsgruppen quer über Europa Föderationsprojekte für die Zeit nach dem erhofften Sieg über das Dritte Reich.6 Zu Recht hat Ernst Friedländer daher von der „Geburt des europäischen Föderalismus aus dem Geist des Widerstandes“ gesprochen.7 So herausragende Dokumente der europäischen Einigungsbewegung wie das „Manifest von Buchenwald“ trugen selbstverständlich auch die Unterschriften von Osteuropäern. Als im Mai 1948 über 600 Vertreter europäischer Nationen in Den Haag zum „Europa-Kongress“ zusammenkamen, wehten vor dem Tagungsgebäude auch die Fahnen der osteuropäischen Staaten. Allerdings wurden diese Länder damals nur noch durch Exilanten vertreten, nicht mehr durch ihre neuen politischen Eliten. An der Gründung des Europarates, die ein Jahr nach dieser historischen Zusammenkunft erfolgte, beteiligten sich lediglich die Staaten westlich des Eisernen Vorhangs. Der Kalte Krieg hatte Europa in zwei Hälften gespalten; die Einigungsbewegung war zu einem westeuropäischen Projekt geworden. Der Anteil, den Osteuropäer bis dahin hatten, geriet über die Jahre in Vergessenheit.8

2. RGW - die östliche Variante der europäischen Einigungsbewegung?
 

An dieser Stelle ist zu fragen, ob man nicht besser von einer Aufspaltung der europäischen Einigungsbewegung in einen west- und einen osteuropäischen Zweig sprechen muss. Schließlich kam es parallel zur Entstehung von Europarat, EG und EFTA auch in Osteuropa zu einer Staatenintegration. Der 1949 ins Leben gerufene „Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe“ (RGW) wies durchaus Ähnlichkeiten mit EG und EFTA auf. Wie diese wurde er von der Annahme getragen, dass eine enge wirtschaftliche Kooperation zwischen den Mitgliedsstaaten im ökonomischen Interesse aller liege. Auch beruhte er - zumindest partiell - auf der Idee der Föderation souveräner Staaten und gab sich eine mit EG und EFTA vergleichbare institutionelle Struktur. Allerdings endeten damit die Gemeinsamkeiten. Da der RGW ein Baustein des von der Sowjetunion erzwungenen und auf die hegemoniale Stellung Moskaus ausgerichteten Ostblocks war, lässt er sich nicht ohne weiteres in die Tradition der europäischen Einigungsbewegung stellen. Symbolisch war der Umstand, dass der RGW seinen Sitz in Moskau hatte, während die wichtigsten Institutionen von EG und EFTA gerade nicht in den Hauptstädten der großen und mächtigen Mitgliedsstaaten eingerichtet wurden. Es waren die Städte abseits der Machtzentren von Paris, London und Bonn, die den föderalen Geist der europäischen Einigung zum Ausdruck bringen sollten.

EG und EFTA waren darüber hinaus nicht deckungsgleich mit dem von den USA geführten „Westblock“.9 Neben der Hoffnung auf dauerhaften Frieden in Europa durch Schaffung eines Staatenbundes entstand die europäische Bewegung durch ein Gefühl der äußeren Bedrohung - durch die wachsende militärische Macht Russlands auf der einen und die wirtschaftliche Konkurrenz der USA auf der anderen Seite. Ohne einen Zusammenschluss der europäischen Staaten, so Coudenhove-Kalergi während der 1920er-Jahre in seinem Plädoyer für die Schaffung Paneuropas, werde sich die Alte Welt gegen die Weltmächte der Zukunft nicht behaupten können.10 Coudenhove-Kalergi hätte sich damals wohl nicht träumen lassen, dass es ausgerechnet diese beiden Weltmächte sein würden, die später die entscheidenden Impulse für den Aufbau transnationaler Institutionen in Europa gaben. Aus der Alternative Zusammenschluss oder Beherrschung von außen wurde nach dem Zweiten Weltkrieg Zusammenschluss und Beherrschung von außen.

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Allerdings war der europäischen Integration, so sehr sich die USA als Geburtshelfer erwiesen hatten und so eng die transatlantische Kooperation in politischen und militärischen Fragen auch geblieben ist, ein Emanzipationspotenzial gegenüber der westlichen Hegemonialmacht eingeschrieben, das mit der geistigen Tradition der europäischen Einigung zu tun hatte und nach 1945 auf wirtschaftlichem Feld immer wieder aktiviert wurde. Auch den ostmitteleuropäischen Staaten gelang es zuweilen, sowjetische Initiativen unter Ausnutzung der föderalen Verfassung des RGW abzublocken. Insgesamt war der RGW jedoch zu sehr von der Sowjetunion selbst inspiriert, als dass er eine mit der EG vergleichbare emanzipatorische Funktion gegenüber der Hegemonialmacht hätte erfüllen können.

Schließlich war der RGW im Moment seiner Entstehung eher zufällig ein europäisches Projekt - seiner Selbstdefinition nach, die Ausdruck in seinem geographisch neutralen Namen fand, aber keine an sich europäische Institution. Anders als EG und EFTA, die satzungsgemäß nur „europäischen“ Staaten offenstanden, war der RGW eine beliebig erweiterbare Wirtschaftsorganisation sozialistischer Staaten. Am Ende gehörten auch Kuba, Vietnam und die Mongolei dazu; feste Kooperationen bestanden außerdem mit Irak, Mexiko, Nicaragua, Mocambique, Angola, Äthiopien, der Volksrepublik Jemen und Afghanistan. So hatte der RGW nur seinen geographischen Ausgangspunkt, nicht aber sein Ziel in Europa.

3. Die Prägung Europas durch seine Spaltung im Kalten Krieg
 

Dass die europäische Einigungsbewegung trotz eines langen Vorlaufs erst nach dem Zweiten Weltkrieg Ergebnisse zeitigte, hat nicht nur mit dem gewachsenen Druck auf die europäischen Regierungen zu tun, angesichts der wirtschaftlich desolaten Lage nach dem Krieg und unter dem Zwang des Ost-West-Konflikts zu einem Staatenzusammenschluss zu kommen. Das Einigungsprojekt wurde auch erheblich vereinfacht durch den Umstand, dass der geographische Raum kleiner geworden war, der zur Vereinigung anstand. Eine Staatenintegration von den Pyrenäen bis zum Harz war leichter zu verwirklichen als eine vom Atlantik bis zum Ural. Es waren weniger Staaten im Spiel, und sie wiesen ähnliche politische, wirtschaftliche und soziale Strukturen auf. So mag man es als Ironie der Geschichte betrachten, dass erst die Spaltung Europas seine Einigung ermöglicht hat.

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Die EG hat sich über viele Jahre als die erfolgreichste unter den europäischen Integrationen erwiesen und ist schließlich zur europäischen Integration schlechthin geworden. Ihre Attraktivität war bis zur Wende von 1989 so gewachsen, dass der Beitritt zur EG bzw. EU zum wichtigsten politischen Ziel fast aller osteuropäischen Reformstaaten wurde. Die Erfüllung der Aufnahmekriterien galt nun als die maßgebliche Bestätigung für den Erfolg bei der politischen und wirtschaftlichen Transformation und, so zweifelhaft man dies auch finden mag, als Ausweis von „Europäizität“. In Ostmitteleuropa interpretierte man die Integration in die westeuropäischen Strukturen als „Rückkehr nach Europa“ - als habe sich der Ostblock auf einem anderen Kontinent befunden. Im Westen fand diese Formel, die den Sozialismus sowjetischer Prägung zu einer außereuropäischen Erscheinung machte, durchaus Anklang.11 Schließlich neigte man dort schon seit langem dazu, das westliche für das eigentliche Europa zu halten.

Die beschriebene Trennung zwischen West- und Osteuropa hat zur Folge gehabt, dass sich die wirtschaftlichen, politischen und sozialen Entwicklungen voneinander abkoppelten und die Wohlstandsschere am Ende des 20. Jahrhunderts weiter auseinanderklaffte denn je. Für die Verhältnisse innerhalb der nach Osten erweiterten EU ist abgesehen davon nicht weniger problematisch, dass Europa nach 1945 auch als Kommunikations- und Erfahrungsraum auseinandergerissen worden ist. Zwei unterschiedliche kulturelle Sphären sind entstanden: Die eine verschmolz mit Nordamerika zum Westen. Die andere ging auf in der sich um die Sowjetunion zentrierenden Welt der „sozstran“ - der „sozialistischen Länder“. Europa als eine den ganzen Kontinent umfassende Einheit hörte auf zu existieren. Der Terminus allerdings blieb präsent. Aber er kursierte nur noch in den jeweiligen Teilwelten, was unweigerlich dazu führen musste, dass er im Laufe der Zeit in jeder dieser Teilwelten spezifische Bedeutungen annahm. Für Westeuropäer steht „Europa“ vor allem für die europäische Integration; die Monopolisierung des Europabegriffes durch die EG war sogar so erfolgreich, dass sich „Europa“ jenseits dieser kaum noch denken ließ.

Wie aber sah es östlich des Eisernen Vorhangs aus? Natürlich betrachteten sich die Menschen auch dort weiterhin als Europäer. Die klassische Definition, Europa sei der geographische Raum zwischen Atlantik und Ural, behielt ihre Gültigkeit. Schwieriger stellen sich die Dinge allerdings dar, wenn man nach der Bedeutung Europas jenseits dieser geographischen Konvention fragt. „Europa“ tauchte im Ostblock in diversen offiziellen wie inoffiziell-dissidentischen Diskursen als Chiffre auf. Allerdings gab es keinen mit der westeuropäischen Integration vergleichbaren Referenzrahmen, durch den der Begriff definiert und bis zu einem gewissen Grad vereinheitlicht worden wäre. Da bisher jedoch niemand dem Europabegriff im Ostblock systematisch nachgegangen ist, wissen wir heute nur wenig über die Bedeutungsvielfalt, die sich dort mit „Europa“ verbunden hat.

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4. Für einen neuen Blick auf die Alte Welt
 

Die politische und wirtschaftliche Geschichte des Ostblocks, die den Hintergrund für die Entwicklung der Europavorstellungen bildet, ist inzwischen gut untersucht und dokumentiert. Über den Ostblock als kulturellen Raum dagegen, als eine eigene, durch spezifische Erfahrungen, Lebensstile und Vorstellungen geprägte Sphäre, ist noch wenig bekannt. Die Frage, ob die politischen Führungen der sozialistischen Staaten den Ostblock auch als kulturellen Raum zu begründen und gegenüber der immer auch kulturell argumentierenden (west)europäischen Integrationsbewegung zu legitimieren versuchten, ist noch nicht Gegenstand systematischer Untersuchungen geworden. Überhaupt haben die Rückwirkungen der westeuropäischen Einigung auf die Entwicklung in Osteuropa in der westlichen Zeitgeschichtsforschung bisher keine angemessene Behandlung gefunden.

In den osteuropäischen Ländern, wo „Europa“ während des Kalten Krieges nie ein zentraler Gegenstand der Forschung war, ist die Zahl europabezogener Publikationen seit der Wende von 1989 sprunghaft angestiegen. Wissenschaftlich ertragreich für die hier aufgeworfenen Fragen sind jedoch nur die wenigsten. Vielfach handelt es sich um Arbeiten mit einem stark legitimatorisch-volkspädagogischen Grundzug, die vor Augen führen sollen, dass die ostmitteleuropäischen EU-Kandidaten historisch und kulturell schon immer Teil der westlichen Welt gewesen seien. Gedanklich knüpfen diese Arbeiten oft an die Thesen von Exilanten wie Oskar Halecki an, der in den Jahren der Teilung des Kontinents immer wieder die europäisch-westliche Identität seiner polnischen Heimat und Ostmitteleuropas insgesamt herausstellte.12 Zur heute so selbstverständlich gewordenen Bezeichnung „Ostmitteleuropa“ haben seine Arbeiten wesentlich beigetragen. Allerdings sind in diesem Rahmen auch Räume konstruiert worden, oft im Rückgriff auf den Abendlandmythos und die Idee von der prinzipiellen Andersartigkeit der christlich-orthodoxen, sprich russischen Welt, über deren historische Plausibilität man diskutieren muss.

Schon um einer nachholenden „Kulturalisierung“ der im Wesentlichen politisch und ökonomisch bedingten Grenzen der EU entgegenzuwirken, sollte man diesen Raumkonstruktionen mit Skepsis begegnen. Mögen die Interessen der EU und die Gewährung von Forschungsgeldern durch die Privilegierung einer auf die ostmitteleuropäischen EU-Mitglieder und EU-Kandidaten ausgerichteten Forschung auch in eine andere Richtung weisen - für die Zeit zwischen 1945 und 1989, teilweise auch darüber hinaus, stellte der geographische Raum von der Elbe bis zum Pazifik, bei allen notwendigen internen Differenzierungen, eine politische, wirtschaftliche und auch kulturelle Einheit dar. Die strikte Separierung der ostmitteleuropäischen Länder von der Sowjetunion bzw. Russland ist für diesen Zeitraum nicht nur ahistorisch; sie kann die Forschung auch um die Früchte der Erkenntnis bringen. Gerade was die Untersuchung der Europavorstellungen angeht, könnte ein sich auf den gesamten Ostblock erstreckender Horizont Verblüffendes offenbaren. So dürfte sich er-weisen, dass die russisch-sowjetischen Europavorstellungen große Übereinstimmungen zeigen mit den universalistischen, an den Ideen der Aufklärung orientierten Vorstellungen der Gründerväter der EG. Schließlich beruhte die Sowjetunion, wenn auch auf ganz anderer ideologischer Grundlage als die EG, ebenfalls auf der Idee einer supranationalen Integration. Was dagegen in den ostmitteleuropäischen Ländern im Zuge jener „Rückkehr nach Europa“ an Europavorstellungen zum Vorschein kam, war oft reich an klerikalen, nationalistischen, auch xenophoben Untertönen. Die „Rückkehr nach Europa“ stand eben nicht unbedingt für die Überwindung des Nationalismus. Zunächst einmal ging es um die Wiederherstellung und Absicherung der so lange vorenthaltenen nationalen Souveränität.

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Eine kritische Auseinandersetzung mit den Europavorstellungen innerhalb des Ostblocks bzw. in den einzelnen osteuropäischen Gesellschaften nach 1945, die mehr sein möchte als Legitimierung der EU-Osterweiterung, steht erst am Anfang.13 Es ist nicht einmal so, dass man sich an einer reichen Literatur zu den Europa-Vorstellungen im Westen orientieren könnte. Zwar herrscht alles andere als ein Mangel an westlicher Europa-Literatur. Vor allem in den letzten beiden Jahrzehnten ist in Westeuropa ein stürmischer Prozess der nachholenden Sinnstiftung in Gang gekommen, dessen Ziel zu sein scheint, das beinahe unbemerkt von der allgemeinen Wahrnehmung auf bürokratischem Wege weit vorangekommene Projekt der europäischen Einigung mental einzuholen.14 Doch selbst in Publikationen zur „europäischen Identität“ wird zuweilen eher Identitätsbildung betrieben, anstatt diese kritisch zu durchleuchten.

Erkenntnisgewinne werden sich nur dort einstellen, wo Europa nicht als gegebene Größe aufgefasst wird, sondern als „gedachte Gemeinschaft“ im Sinne Benedict Andersons.15 „Europa“ ist zuallererst eine räumlich-kulturelle Vorstellung. Ausgehend von den wegweisenden Arbeiten, die dazu in den letzten Jahren entstanden sind,16 ist zu fragen, was hinter den sich wandelnden Vorstellungen von Europa und der Selbstzuschreibung steht, Europäer zu sein und der europäischen Kultur anzugehören. Natürlich entstehen kulturelle Räume nicht aus dem Nichts. Ihnen liegen bestimmte unhintergehbare geographische, wirtschaftliche und soziale Voraussetzungen zugrunde. Auch können mentale Konstruktionen im Laufe der Zeit zu realen, materiell fassbaren Gegebenheiten werden. Das beste Beispiel ist die Europäische Union, die vor einem guten halben Jahrhundert nur eine „europäische Idee“ war.

Europavorstellungen konstituieren sich im Rahmen von Diskursen und sind deshalb auch nur mit Mitteln der Diskursanalyse zu begreifen. Da diese Diskurse in die politischen, sozialen und wirtschaftlichen Entwicklungen ihrer Zeit eingebettet sind, bietet sich zu ihrer Analyse jener integrative kulturhistorische Zugang an, der sich nicht aus der Abgrenzung gegenüber Ereignis- und Sozialgeschichte definiert, sondern deren Ansätze um eine gesteigerte Aufmerksamkeit für die kulturellen Phänomene und die symbolische Bedeutung sozialer und politischer Ordnungen erweitert. Es geht zum einen darum, den Wandel der Europavorstellungen aus ihrem historischen Kontext heraus zu deuten und verstehbar zu machen, zum anderen darum, herauszufinden, wo diese Vorstellungen Einfluss auf das politische Handeln und die soziale Praxis ihrer Zeit gewonnen haben.

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Bei dieser Herangehensweise kann zum Teil auf Ansätze der Nationalismusforschung zurückgegriffen werden - insbesondere auf die Arbeiten von Karl Deutsch17 und ihre Weiterentwicklung durch die jüngere Nationalismusforschung.18 Zwar lässt sich Europa als kultureller und sozialer Raum nicht einfach analog zur Nation auffassen, schon allein deswegen nicht, weil sich die europäische Identität von vornherein als eine unter mehreren Identitäten formierte und nie eine so ausschließliche Zuordnung verlangte wie die Nation in der Phase der Nationalbewegungen des 19. und 20. Jahrhunderts.19 Doch die Ähnlichkeiten zwischen dem Prozess der Nationsbildung und dem der Schaffung eines transnationalen europäischen Kulturraumes sind unverkennbar. Wie die Nation entsteht auch die „europäische Gemeinschaft“ durch eine Vernetzung und Verdichtung des Kommunikationsraumes, die Angleichung der Lebensverhältnisse und die Gründung gemeinsamer europäischer Institutionen. Dazu kommt jener kulturelle „Überbau“ mittels Propagierung einer gemeinsamen Tradition, die die Völker Europas angeblich verbindet, und die Schaffung entsprechender identitätsstiftender Symbole, ob es sich dabei um die Europa-Hymne, den Karls-Preis, das Wandern der europäischen Kulturhauptstädte oder den Euro handelt.

Am Anfang steht immer das Bild, das man sich von dem zu Schaffenden macht. Hier ist es der Glaube an die Einheit Europas, wie immer man sie definiert. Um dieser gedanklichen Formierung auf die Spur zu kommen, sollte nach „Vorstellungswelten“ und nicht ausschließlich nach politischen Ideen gefragt werden. Die Suche nach den Vorstellungswelten geht über diejenige nach politischen Ideen hinaus, weil sie neben den wenigen „großen Texten“, auf denen Ideengeschichten für gewöhnlich beruhen,20 auch die vielen „kleinen Texte“ heranzieht. Damit sind etwa Zeitungskommentare, Politikerreden, Lexikonartikel, Schulbuchkapitel oder Landkarten gemeint - sie sind geeignete Quellen für jene populären Vorstellungen von Europa, die der Selbstdefinition der „Europäer“ zugrunde liegen.

Was die Frage nach Europa als Vorstellungswelt überdies interessant macht, ist die Tatsache, dass „Europa“ zwischen 1945 und 1989 in zwei verschiedenen, untereinander kaum vernetzten Kommunikationsräumen gedacht wurde - diesseits und jenseits des Eisernen Vorhangs. Durch die Existenz des nach außen abgeschotteten Ostblocks wurde die Bewegungsfreiheit der Osteuropäer empfindlich eingeschränkt - aber auch die der Westeuropäer, was den Kontinent als Ganzes betraf. Weil die Gelegenheiten zur Begegnung rar wurden, teilte sich Europa als Kommunikationsraum. Zwei getrennte Welten entstanden, zwischen denen Ideen und Vorstellungen für ein halbes Jahrhundert nur noch in beschränktem Umfang zirkulieren konnten.

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5. „Europa“ im Ostblock - drei Phasen
 

Die Formierung des Ostblocks und die Verteufelung der europäischen Integration

Die politischen Führungen der sozialistischen Staaten kamen während der Schaffung jener staatenübergreifenden Strukturen, die im Westen später als „Ostblock“ bezeichnet werden sollten, nicht umhin, diesen gegenüber der sich parallel vollziehenden europäischen Integration im Westen zu legitimieren. Sie waren ihren Bürgern schließlich eine Antwort darauf schuldig, warum die sozialistischen Länder Europas an dieser sich nominell auf das ganze Europa beziehenden Einigungsbewegung nicht teilnahmen. Welche Begründung hier über die allgemeine Verteufelung der europäischen Integration als imperialistischer, antisowjetischer Blockbildung hinaus gegeben wurde, ist systematisch und unter Vergleich der einzelnen sozialistischen Länder noch nicht untersucht worden. Wie kommentierte man die europäische Einigung, sei es in politischen Reden oder in den Artikeln der großen Nationalenzyklopädien? Was geschah mit den einstigen osteuropäischen Protagonisten der europäischen Einigungsbewegung? Wer zog sich aus der Öffentlichkeit zurück, wer ging ins Exil, wer wurde ins politische Abseits gedrängt oder verfolgt? Welche Rolle spielte „Europa“ im Denken der politischen Eliten, in der Opposition und im entstehenden Exil? Nahm man die westeuropäische Monopolisierung des Europabegriffes einfach hin, und wenn ja, warum? Welche Vorstellung von „Europa“ und von „europäischer Geschichte“ wurde in den sozialistischen Schulbüchern der 1950er-Jahre vermittelt? So gut wir über die politische Geschichte des Ostblocks und die Etablierung der sozialistischen Herrschaft in den 1940er- und 1950er-Jahren Bescheid wissen - über die Reaktion auf die westeuropäische Integration und die Versuche, das sozialistische Lager analog zur Vereinigung Westeuropas als kulturellen Raum zu etablieren, fehlen uns sichere Erkenntnisse.

Die Wiederkehr gesamteuropäischer Bezüge in den 1970er-Jahren

Nachdem die Spannungen zwischen den Blöcken während der Kubakrise 1962 einen dramatischen Höhepunkt erreicht hatten, bemühte man sich auf beiden Seiten um Entspannung und um eine Reduzierung des Konfliktpotenzials. Die Welt sollte nicht noch einmal am Rande eines Atomkrieges stehen. Schon vor der Kubakrise hatte es - wie im Falle des polnischen Rapacki-Planes von 1958 - Vorschläge für die Entwicklung eines blockübergreifenden Sicherheitssystems in Europa gegeben. Weitere Vorstöße in diese Richtung wurden in den 1960er-Jahren unternommen. Zu konkreten Ergebnissen führten jedoch erst die verstärkten Bemühungen der Sowjetunion um die Einberufung einer „Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa“ in den 1970er-Jahren. Die Konferenz, die 1973 in Helsinki eröffnet wurde, sollte zum einen den territorialen und politischen Status quo in Europa festschreiben, zum anderen die Basis für eine Entspannungspolitik und wirtschaftliche Kooperation über die Blockgrenze hinweg schaffen. Die unausgesprochene sowjetische Hoffnung, durch eine Initiative im „europäischen Rahmen“ die transatlantischen Bindungen der Westeuropäer zu lockern und zudem die westeuropäische Integration zugunsten einer gesamteuropäischen Struktur zu bremsen, erfüllte sich nicht. Stattdessen nahmen neben den europäischen Staaten auch die USA und Kanada am Verhandlungstisch einer sich nominell auf Europa beziehenden Konferenz teil.

Für die Entwicklung der Europavorstellungen innerhalb des Ostblocks war von großer Bedeutung, dass mit der KSZE „Europa“ als positiver Begriff in den offiziellen osteuropäischen Diskurs zurückkehrte. Darüber hinaus wurde Europa durch die Entspannungspolitik der 1970er-Jahre auch wieder als Kommunikationsraum erfahrbar. Obwohl die Blockgrenze fortbestand, so ist doch von einer allmählichen Wiederverdichtung der Kontakte zwischen Ost- und Westeuropa zu sprechen. Das gilt sowohl für die zahlreicher werdenden Politikerbegegnungen als auch für den Ausbau und die Institutionalisierung von Kontakten zwischen wissenschaftlichen und künstlerischen Einrichtungen. Dazu kamen die Reiseerleichterungen seit Anfang der 1970er-Jahre, die auch abseits der offiziellen Treffen Möglichkeiten zur persönlichen Begegnung zwischen West- und Osteuropäern schufen. Dadurch setzte nach fast 20 Jahren der Abschottung jene Osmose von Ideen ein, die zunächst kaum spürbar war, die die Entwicklungen der 1980er-Jahre aber vorbereitete.

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Die Erosion des Ostblocks: „Europa“ als Perspektive

Seit Ende der 1970er-Jahre traten die wirtschaftlichen Probleme der sozialistischen Staaten immer deutlicher hervor. Die Führungen im Ostblock, die ihren Bürgern nicht den versprochenen Wohlstand bieten konnten, verloren immer mehr an Ansehen und Autorität. Die Unzufriedenheit mit den Verhältnissen wuchs, wobei der Blick auf einen prosperierenden Westen und den wachsenden Wohlstandsunterschied zwischen sozialistischen und kapitalistischen Ländern das Seine tat. Überall im Ostblock gewannen Dissidenten und Oppositionelle an Unterstützung. In Polen entstand mit der Solidarność gar eine Protestbewegung mit Massenbasis, die sich stark genug erweisen sollte, die sozialistische Ordnung aus den Angeln zu heben. Doch zuvor war es ausgerechnet die sowjetische Führung unter Michael Gorbačev, die die Unausweichlichkeit grundlegender Reformen einsehen sollte und Mitte der 1980er-Jahre die Perestrojka einleitete - nicht ahnend, dass dies letztendlich mit dem Zusammenbruch des Staatssozialismus und der Auflösung sowohl der Ostblocks als auch der Sowjetunion enden würde.

Die im Rahmen der bisherigen Ordnung kaum zu lösenden wirtschaftlichen und politischen Probleme des Ostblocks offenbarten sich in einer Zeit, als die EG eine Phase außerordentlicher Prosperität und beschleunigter Integration durchlief. Die Idee eines in Frieden und Wohlstand geeinten Europas strahlte zusehends auch auf die osteuropäischen Gesellschaften aus. Die Mitgliedschaft osteuropäischer Staaten in der EG erschien in den Jahren vor 1989 natürlich vollkommen irreal. Aber Europa als gemeinsamer Bezugspunkt für die Menschen auf beiden Seiten der Blockgrenze wurde in den Kreisen der Dissidenten zu einer verbreiteten Denkfigur. Besonders deutlich wurde dies in der von Milan Kunderas Essay „Die Tragödie Mitteleuropas“21 angestoßenen „Mitteleuropa“-Debatte der 1980er-Jahre. Die Besonderheit dieser Debatte war, dass sie von Intellektuellen auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs geführt wurde, getragen von der gemeinsamen Hoffnung, dass es Wege gebe, die Spaltung Europas mit friedlichen Mitteln zu überwinden.22

Wie Kundera rückten auch andere Ostmitteleuropäer die kulturelle Zugehörigkeit ihrer Heimatländer zu Europa in den Vordergrund und verdammten die Künstlichkeit ihrer Einbindung in einen von der Sowjetunion dominierten Block. Dabei flossen die humanistisch-universellen Vorstellungen der meisten Dissidenten nicht selten mit den reaktivierten nationalen Feindbildern zusammen, die von der internationalistischen Rhetorik der sozialistischen Staaten jahrzehntelang verdeckt wurden, aber nie verschwunden waren. Die nachlassende Attraktivität der sozialistischen Idee, die Erosion des Ostblocks und die Suche nach neuen Orientierungen lösten gegen Ende der 1980er-Jahre eine Welle der Renationalisierung aus. In Ostmitteleuropa versuchte man mental zunächst beim Status ante vor der Sowjetisierung der 1940er-Jahre anzuknüpfen. Im Falle der Sowjetunion musste man gar in die Zeit vor der Oktoberrevolution zurückgehen.23

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Die ostmitteleuropäischen Stimmen in der Mitteleuropa-Debatte verliehen einer komplexen Entwicklung im Ostblock Ausdruck. Dissidenten wie Václav Havel oder György Konrád24 revoltierten von links gegen die bestehende Ordnung im Sinne universaler, an der Aufklärung orientierter Werte. Andere taten dies von rechts im Geiste eines reaktivierten Nationalismus. Und oft bezogen sich beide auf „Europa“ oder auf „Mitteleuropa“ - nur hatte man unterschiedliche Vorstellungen davon, was der Begriff implizierte. Die Überzeugungskraft der nationalistischen Lesart beruhte auf ihren schlichten Denkmodellen und der Möglichkeit, vorhandenen Ressentiments eine Richtung zu geben. Vor allem erlaubte die nationalistische Interpretation der jüngeren Geschichte, Russland für das gescheiterte sozialistische Experiment und die Sowjetisierung Ostmitteleuropas verantwortlich zu machen. Die „Rückkehr nach Europa“ war hier die Abkehr von Russland, dem man die Europäizität einfach absprach.25 Die Übergänge zwischen beiden Konzepten konnten fließend sein, was sich gerade auch an Kunderas berühmt gewordenem Essay demonstrieren ließe.26

Zwischen Ostmitteleuropäern und der Sowjetunion schien plötzlich ein Kampf um „Europa“ entbrannt zu sein. Dies wird an den kräftigen Akzenten deutlich, mit denen Gorbačev parallel zur Mitteleuropa-Debatte sowjetischerseits den Europa-Begriff zu besetzen versuchte. Eine Formulierung aufgreifend, die schon Leonid Brežnev bei seinem Bonn-Besuch im Jahre 1981 benutzt hatte, sprach der sowjetische Generalsekretär immer wieder von seiner Vision eines „Gemeinsamen Europäischen Hauses“. Gorbačevs vage Formulierungen lassen zwar nicht die Konturen eines klaren Konzeptes erkennen, und es ist fraglich, ob ein solches damals existierte. Außer Zweifel steht jedoch, dass das „Gemeinsame Haus“ eine Ausgrenzung der Sowjetunion verhindern und ihr stattdessen einen festen Platz im sich neu formierenden Europa sichern sollte. Wenn auch diesmal vermutlich ohne antiamerikanischen Hinterge-danken, so versuchte sich die sowjetische Führung ähnlich wie im Vorfeld des KSZE-Prozesses an die Spitze einer „europäischen Bewegung“ zu stellen.

Leider ist über die Entwicklung der sowjetischen Europavorstellungen bisher zu wenig bekannt, um hier Genaueres zu sagen. Während zur Mitteleuropa-Debatte inzwischen eine Reihe von Untersuchungen vorliegen,27 scheint die Idee des „Gemeinsamen Europäischen Hauses“ durch die sich überstürzenden Entwicklungen Ende der 1980er-Jahre politisch obsolet geworden zu sein. Für die zeithistorische Forschung verspricht die Untersuchung der osteuropäischen Europa-Konzeptionen am Vorabend der großen Wende viele interessante Entdeckungen - besonders was ihre Wechselbeziehungen angeht, die durch die mangelnde Vernetzung der historischen Ostmitteleuropa- und Sowjetunionforschung noch gar nicht in den Blick genommen worden sind. Ihre Analyse wäre auch deswegen von so großem Interesse, weil hier auf Seiten der Osteuropäer die gedankliche Neuformierung des Kontinents einsetzte, die wir seit den 1990er-Jahren als atemberaubenden realen Prozess erleben.

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Die in den 1980er-Jahren mit konträren Positionen diskutierte, aber nicht gelöste Frage, ob auch Russland einen Platz im neuen Europa haben werde, scheint im Moment ad acta gelegt. Die EU ist damit beschäftigt, die Osterweiterung administrativ, wirtschaftlich und mental zu verarbeiten und sich außerdem über die Zukunft der transatlantischen Beziehungen klar zu werden. Wladimir Putins bemerkenswerte Rede vor dem Deutschen Bundestag im September 2001, in der er just jene Idee vom Gemeinsamen Europäischen Haus wieder aufgriff und ihre lange Tradition in Russland beschwor, ist daher folgenlos verhallt. Ohne einem flachen Präsentismus in der Wissenschaft das Wort zu reden: Die historische Forschung ist bei der Bestimmung ihrer Themen nicht gezwungen, den Ereignissen und Erkenntnisinteressen der Gegenwart lediglich hinterherzulaufen wie bei der Wende von 1989. Die Frage „Russland und Europa“ wird sich bald wieder stellen, und dann vielleicht umso dringlicher. EU-Europa hat nämlich noch keine Antwort darauf gefunden, in welchem Verhältnis es in Zukunft zu seinem großen Nachbarn im Osten stehen will. Die Zeitgeschichtsforschung kann diese Antwort natürlich nicht geben. Aber sie kann über den historischen Kontext aufklären, in dem die Frage steht.
 

Anmerkungen:

1 Im Rahmen dieses Aufsatzes werden für die Zeit nach 1945 aus pragmatischen Gründen die Begriffe Osteuropa und Westeuropa zur Bezeichnung der europäischen Staatenwelt östlich bzw. westlich der Blockgrenze verwendet, ohne dass damit eine Aussage über längerfristige kulturelle Zugehörigkeiten getroffen würde. Insofern werden die DDR, Polen, Ungarn und die Tschechoslowakei entgegen ihrer Selbstbeschreibung zu Osteuropa gezählt, wobei der Osteuropabegriff auch die Sowjetunion einschließt. Wird der räumlich differenzierende Begriff Ostmitteleuropa verwendet, so geschieht das entsprechend der regionalen Binnendifferenzierung, die Klaus Zernack in Anknüpfung an andere für das östliche Europa getroffen hat (Osteuropa. Eine Einführung, München 1977, S. 31ff.).

2 Siehe z.B. Peter Bender, Das Ende des ideologischen Zeitalters. Die Europäisierung Europas, Berlin 1981; Karl Schlögel, Die Mitte liegt ostwärts. Die Deutschen, der verlorene Osten und Mitteleuropa, Berlin 1986. Wichtig waren in dieser Hinsicht auch die Stimmen der osteuropäischen Exilanten: z.B. Milan Kundera, Un Occident kidnappé ou la tragédie de l’Europe Centrale, in: Le Débat, 27.11.1983; Czesław Miłosz, Un autre Europe, Paris 1964. Verdienstvoll sind in diesem Zusammenhang die Dokumentenbände Curt Gasteygers, der als einer der wenigen schon früh den Nexus zwischen Einigung und Spaltung Europas thematisiert hat: Curt Gasteyger (Hg.), Eini-gung und Spaltung Europas. Eine Darstellung und Dokumentation über die Zweiteilung Europas, Frankfurt a.M. 1965; ders., Europa zwischen Spaltung und Einigung 1945-1990. Eine Darstellung und Dokumentation über das Europa der Nachkriegszeit, Bonn 1990.

3 Richard N. Graf Coudenhove-Kalergi, Paneuropa, Wien 1924.

4 Friedrich Naumann, Mitteleuropa, Berlin 1915.

5 Joachim Kühl, Föderationspläne im Donauraum und in Ostmitteleuropa, München 1958; Ri-chard G. Plaschka u.a. (Hg.), Mitteleuropa-Konzeptionen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, Wien 1995.

6 Walter Lipgens (Hg.), Europa-Föderationspläne der Widerstandsbewegung 1940-1945. Dokumentation, München 1968.

7 Ernst Friedländer, Wie Europa begann, 2. Aufl. Köln 1968, S. 50.

8 Siehe dazu Lipgens, Europa-Föderationspläne (Anm. 6), S. 311-315.

9 Zum Begriff „Westblock“ siehe August Thalheimer, Westblock - Ostblock. Welt- und Deutschlandpolitik nach dem Zweiten Weltkrieg, Bremen 1992.

10 Siehe dazu z.B. Coudenhove-Kalergi, Paneuropa (Anm. 3), S. 17.

11 Exemplarisch: Judy Batt, The New Slovakia. National Identity, Political Integration and the Return to Europe, London 1996; Peter Eisenmann, Polens Rückkehr nach Europa. Geistige Überwindung des Kommunismus, Regensburg 1993; Alan Smith, The Return to Europe. The Reintegration of Eastern Europe into the European Economy, Houndsmill 2000; Hans-Jürgen Wagener, Rückkehr nach Europa, Frankfurt a.d.O. 1999.

12 Oskar Halecki, Europa. Grenzen und Gliederungen seiner Geschichte, Darmstadt 1957; ders., Grenzraum des Abendlandes. Eine Geschichte Ostmitteleuropas, Salzburg 1956.

13 Erste Hinweise und Dokumentationen finden sich bei: Bundeszentrale für politische Bildung (Hg.), Europabilder in Mittel- und Osteuropa. Neue Herausforderungen für die politische Bildung, Bonn 1996; Eva Hahnová (Hg.), Evropa očima Čechů. Sborník ze sympozia konaného v centru Franze Kafky ve dnech 22.-23. října 1996 [Europa mit tschechischen Augen], Praha 1997; Assen Ignatov, Europa im russischen Diskurs, in: Bundesinstitut für ostwissenschaftliche und internationale Studien (Hg.), Rußland in Europa? Innere Entwicklungen und internationale Beziehungen heute, Köln 2000, S. 25-36; Peter O. Loew (Hg.), Polen denkt Europa. Texte aus zwei Jahrhunderten, Frankfurt a.M. 2004; Rüdiger Meyenberg/Henk Dekker (Hg.), Perceptions of Europe in East and West, Oldenburg 1992; Zdzisław Najder (Hg.), Wspólnota Europejska w oczach Polaków. Wybór publicystyki i dokumenty [Die Europäische Gemeinschaft in den Augen der Polen], London 1989; Marina Pawlowa-Silwanskaja, Die Rückkehr Rußlands nach Europa: Barrieren, Möglichkeiten, Hoffnungen, in: Oleg Bogomolow/Heinrich Vogel (Hg.), Rußland und Deutschland. Nachbarn in Europa, Baden-Baden 1992, S. 169-190; Peter Robejsek, Europapolitische Vorstellungen und Konzepte in der DDR, in Polen, der ČSSR und Ungarn, Köln 1990; Jutta Scherrer, ‚A Common European House?!‘ Perspectives on Russia, in: Sharon Macdonald (Hg.), Approaches to European Historical Consciousness: Reflections and Provocations. Results of the Project ’European Historical Consciousness‘, Hamburg 2000, S. 56-67; Alexander Tchoubarian, The European Idea in History in the Nineteenth and Twentieth Centuries. A View from Moscow, Ilford 1994; Mark Webber (Hg.), Russia and Europe. Conflict or Cooperation?, Basingstoke 2000; Anna Wolff-Powęska, Polska i kraje Europy środkowo-wschodniej. Poszukiwanie dróg przezwyciężenia podziału Europy [Polen und die Länder Ostmitteleuropas. Die Suche nach einem Weg zur Überwindung der Teilung Europas], in: dies. (Hg.), Wspólna Europa. Mit czy rzeczywistość?, Poznań 1990, S. 199-236.

14 Siehe exemplarisch Bücher wie: Edgar Morin, Penser l’Europe, Paris 1987; Frank Niess, Die europäische Idee - aus dem Geiste des Widerstandes, Frankfurt a.M. 2000; Krzysztof Pomian, Europa und seine Nationen, Berlin 1990; Joscha Schmierer, Mein Name sei Europa. Einigung ohne Mythos und Utopie, Frankfurt a.M. 1996.

15 Benedict Anderson, Imagined Communities. Reflections on the Origins and Spread of Nationalism, London 1983.

16 Exemplarisch: Irene Bellier/Thomas M. Wilson (Hg.), An Anthropology of the European Union. Building, Imaging and Experiencing the New Europe, Oxford 2000; Lars Erik Cederman (Hg.), Constructing Europe’s Identity. The External Dimension, Boulder 2001; Michael Heffermann, The Meaning of Europe. Geography and Geopolitics, London 1998; Rainer Hudemann u.a. (Hg.), Europa im Blick der Historiker. Europäische Integration im 20. Jahrhundert. Bewußtsein und Reflexionen, Oldenburg 1995; Hartmut Kaelble, Europäer über Europa. Die Entstehung eines europäischen Selbstverständnisses im 19. und 20. Jahrhundert, Frankfurt a.M. 2001; Iver B. Neumann, The Uses of the ‘Other’. The East in the European Identity Formation, Minneapolis 1999; Wolfgang Schmale, Geschichte Europas, Wien 2000; Bo Stråth (Hg.), Europe and the Other and Europe as the Other, Frankfurt a.M. 2000; Mikael af Malmborg/Bo Stråth (Hg.), The Meaning of Europe. Variety and Contention within and among Nations, Oxford 2002.

17 Wegweisend wurde vor allem: Karl Deutsch, Nationalism and Social Communication, New York 1954.

18 Für die Revision von Deutschs Theorien siehe Thomas Weiser, K.W. Deutschs Modell der Nationswerdung und sein Beitrag für die historische Nationalismusforschung, in: Eva Schmidt-Hartmann (Hg.), Formen des nationalen Bewußtseins im Lichte zeitgenössischer Nationalismustheorien, München 1994, S. 127-143. Als Überblick über die neuere Nationalismusforschung siehe Umut Özkirimli, Theories of Nationalism. A Critical Introduction, London 2000.

19 Zum Verhältnis von nationaler und transnational-europäischer Identität siehe: Rémi Brague/Peter Koslowski, Vaterland Europa. Europäische und nationale Identität im Konflikt, Wien 1997; Rudolf Hrbek, Nationalstaat und Europäische Integration. Die Bedeutung der nationalen Komponente für den EG-Integrationsprozeß, in: Peter Haungs (Hg.), Europäisierung Europas?, Baden-Baden 1989, S. 81-108; Hartmut Kaelble, Europäische und nationale Identität seit dem Zweiten Weltkrieg, in: Wolther Kieseritzky u.a. (Hg.), Prekäre Stabilität? Demokratie in Deutschland. Festschrift für Heinrich A. Winkler zum 60. Geburtstag, München 1998; Günther Lottes (Hg.), Region, Nation, Europa. Historische Determinanten der Neugliederung eines Kontinents, Heidelberg 1992; Brian Nelson u.a. (Hg.), The Idea of Europe. Problems of National und Transnational Identity, New York 1992; Philippe Nemo (Hg.), The European Union and the Nation-State, Paris 1997; Anthony D. Smith, National Identity and the Idea of European Unity, in: International Affairs 68/1 (1994), S. 55-76.

20 Angesichts der Fülle exemplarisch: Rolf Hellmut Foerster, Europa. Geschichte einer politischen Idee. Mit einer Bibliographie von 182 Einigungsplänen aus den Jahren 1306 bis 1945, München 1967; Herfried Münkler, Europa als politische Idee, in: ders., Reich - Nation - Europa. Modelle politischer Ordnung, Weinheim 1996, S. 97-150; Denis de Rougemont, Europa. Vom Mythos zur Wirklichkeit, München 1962.

21 Kundera, Un Occident kidnappé (Anm. 2). Der Text wurde unverzüglich in mehrere Sprachen übersetzt.

22 Erhard Busek/Gerhard Wilfinger (Hg.), Aufbruch nach Mitteleuropa. Rekonstruktion eines versunkenen Kontinents, Himberg 1986; Sven Papcke/Werner Weidenfeld (Hg.), Traumland Mitteleuropa? Beiträge zu einer aktuellen Kontroverse, Darmstadt 1988; George Schöpflin/Nancy Wood (Hg.), In Search for Central Europe, Totowa, NJ 1989.

23 Roger Brubaker, Nationalism Reframed. Nationhood and the National Question in the New Europe, Cambridge 1996; Dietrich Geyer, Der Zerfall der Sowjetunion und die Renaissance der Nationalismen, in: Heinrich August Winkler/Hartmut Kaelble (Hg.), Nationalismus - Nationalitäten - Supranationalität, Stuttgart 1993, S. 156-186; Günter Schödl, Die Dauer des Nationalen. Zur Entwicklungsgeschichte des ‚neuen‘ Nationalismus im östlichen Europa, in: ebd., S. 123-155.

24 Exemplarisch: György Konrád, Antipolitik. Mitteleuropäische Meditationen, Frankfurt a.M. 1985; Václav Havel u.a. (Hg.), The Power of the Powerless. Citizens Against the State in Central-Eastern Europe, London 1985.

25 Siehe zu Letzterem: Iver B. Neumann, Russia as Central Europe’s Constituting Other, in: East European Politics and Societies 7 (1993), S. 349-369.

26 Siehe dazu eine der wenigen russischen Antworten, hier aus dem Exil: Joseph Brodsky, Why Milan Kundera is Wrong About Dostoyevsky, in: Cross Currents. A Yearbook of Central European Culture 5 (1986), S. 477-483. Auch Nichtrussen setzten sich gegen die antirussische Lesart „Mitteleuropas“ zur Wehr: Mihály Vajda, Wer hat Rußland aus Europa ausgeschlossen? Reflexion über Milan ≥imeèkas Artikel ‚Noch eine Zivilisation? Eine andere Zivilisation?‘, in: Hans-Peter Burmeister u.a. (Hg.), Mitteleuropa - Traum oder Trauma? Überlegungen zum Selbstbild einer Region, Bremen 1988, S. 73-84; Leszek Szaruga, Der Körper Rußlands, in: ebd., S. 85-98.

27 Rudolf Jaworski, Die aktuelle Mitteleuropadiskussion in historischer Perspektive, in: Historische Zeitschrift 247 (1988), S. 529-550; Rainer Schmidt, Die Wiedergeburt Mitteleuropas. Politisches Denken jenseits von Ost und West, Berlin 2001; Peter M.R. Stirk, Mitteleuropa. History and Prospects, Edinburgh 1994. Zur Wirkung in den einzelnen Ländern: Hans-Werner Rautenberg, Trauma oder Traum? Der polnische Beitrag zur Mitteleuropa-Diskussion (1985-1990), Marburg 1991; Martin Schulze Wessel, Die Mitte liegt westwärts. Mitteleuropa in der tschechischen Diskussion, in: Bohemia 29 (1988), S. 325-344; Richard Plaschka/Horst Haselsteiner/Anna Drabek (Hg.), Mitteleuropa - Idee, Wissenschaft und Kultur im 19. und 20. Jahrhundert. Beiträge aus österreichischer und ungarischer Sicht, Wien 1996; Aleksej Il’ič Miller, Tema Central’noj Evropy. Istorija, sovremennye diskursy i mesto v nich Rossii [Thema Mitteleuropa. Geschichte, gegenwärtige Diskurse und Russlands Platz darin], in: Novoe literaturnoe obozrenie 52 (2001), S. 75-96.