»Die Teile als Ganzes erkennen«

Zur Integration der beiden deutschen Nachkriegsgeschichten

Anmerkungen

Christoph Kleßmann zum 65. Geburtstag1

Anderthalb Jahrzehnte nach der Vereinigung sind ost- und westdeutsche Vorstellungen der Nachkriegsgeschichte noch immer de facto getrennt. Meinungsumfragen belegen, dass die Bevölkerung wenig über die Entwicklung der jeweils anderen Seite weiß und dass nur die Umrisse von Großereignissen wie Mauerbau oder Studentenrevolte bekannt sind.2 Auch die Darstellung der DDR-Vergangenheit in Schulbüchern ist oft schemenhaft und plakativ, bietet also den Schülern im Westen kaum Anregungen für ein differenziertes Verständnis und verstärkt die Abwehrreflexe der älteren Lehrer im Osten.3 In den Universitäten behandeln Veranstaltungen über die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts meist nur die alte Bundesrepublik, und die Auseinandersetzung mit der Geschichte der DDR bleibt weitgehend auf die neuen Bundesländer beschränkt.4 Der Aufruf von Bundestagspräsident Thierse, sich gegenseitig die jeweils eigenen Lebensgeschichten zu erzählen, scheint nur wenig gefruchtet zu haben.5

Die führenden Gesamtdarstellungen konzentrieren sich daher entweder auf die Bundesrepublik oder die DDR, bieten also eigentlich jeweils nur ‚Halbgeschichten’. So bedeutet das Etikett ‚Deutsche Geschichte nach 1945’  meist eine mit wenigen Verweisen auf den Osten angereicherte westdeutsche Geschichte, während Skizzen der ostdeutschen Entwicklung sich generell auf die DDR allein konzentrieren.6 Zwar erlebte das SED-Regime wegen der Öffnung der Archive eine erstaunliche Konjunktur in der Forschung,7 aber die Lobeshymnen auf den Erfolg der Westernisierung und Demokratisierung der Bundesrepublik, die letztlich den Standard der Bewertung bestimmen, beziehen die DDR nur als Negativfolie in ihre Argumentation ein.8 Selbst die souveräne Synthese von Peter Graf Kielmansegg thematisiert die SED-Diktatur nur hinsichtlich ihres Scheiterns, behandelt sie also nicht als wirkliche Alternative.9

Diverse Aufrufe zur Überwindung dieser beschränkten Perspektive sind folgenlos geblieben, weil sie nach einer magischen Formel suchten, welche die disparaten Entwicklungen in Ost und West zusammenbinden könnte. Der anregende Versuch des langjährigen Kommentators der Teilung, Peter Bender, „die Spaltung unserer Erinnerung zu überbrücken“, gelang nicht so recht, weil seine in Themen segmentierte Darstellung kein integrierendes narratives Prinzip fand.10 Die von Klaus-Dietmar Henke und Stefan Wolle auf dem Berliner Geschichtsforum 1999 vorgeschlagenen Ansätze einer ideologischen „Kontrastgeschichte“ von Diktatur und Demokratie oder einer konkurrierenden „Spiegelgeschichte“ beider deutscher Staaten harren noch ihrer praktischen Umsetzung.11 Fruchtbarer erscheint der von Christoph Kleßmann vorgeschlagene Terminus einer „asymmetrisch verflochtenen Parallelgeschichte“, der gleichzeitig die Teilung und die weiter bestehenden, ungleichen Beziehungen der beiden deutschen Staaten betont.12

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Das Ausbleiben einer umfassenden Darstellung der gesamtdeutschen Geschichte nach 1945 deutet, neben der Unbeweglichkeit der Wissenschaft, auf inhärente Schwierigkeiten hin. Im Gegensatz zum Totalitarismusbegriff, der NS- und SED-Herrschaft verbindet, fehlt außer dem diskreditierten Systemvergleich ein theoretischer Ansatz, der Diktatur und Demokratie miteinander in Beziehung setzen könnte. Ist eine integrierte Nachkriegsgeschichte überhaupt möglich, oder sind die getrennten Vergangenheiten und Erinnerungen zu disparat, um auf einen Nenner gebracht zu werden? Wird dabei die westliche Erfolgsgeschichte notwendigerweise zur Hauptlinie, und wie ist die Bundesrepublik nach ihrer Erweiterung zu historisieren?13 Welche Rolle bleibt dann noch für die Geschichte der DDR - wird sie frei nach Stefan Heym zur Fußnote der Weltgeschichte, bildet sie wenigstens ein Kapitel oder bleibt sie doch ein eigenständiger, nicht integrierbarer Text?14 Von der Beantwortung dieser Fragen nach Ansätzen, Kategorien und Erzählsträngen hängt die Ausrichtung der wissenschaftlichen Forschung wie des gesellschaftlichen Gedächtnisses insgesamt ab.

1. Eindimensionale Erklärungsansätze

Zunächst sollen einige der führenden Angebote Revue passieren, um aus ihren Stärken wie Schwächen Kriterien abzuleiten, die ein überzeugender Ansatz zur Integration der beiden deutschen Teilgeschichten nach 1945 erfüllen müsste. Die erste, meist von Traditionalisten vorgeschlagene Möglichkeit ist die Fortschreibung der deutschen Nationalgeschichte. Ein amerikanisches Lehrbuch verdeutlicht die These von der weiter bestehenden Nation mit einem einfachen Diagramm, in dem die deutsche Geschichte bis 1945 als eine Linie gezeichnet wird, die sich nach 1945 in zwei konkurrierende Parallelen auflöst, um 1990 wieder zusammenzufinden.15 Da sie den Nationalstaat für naturgegeben halten, gehen Intellektuelle einer ‚Neuen Rechten’ noch weiter und fordern eine „Renationalisierung“ des Geschichtsbewusstseins sowie eine neue kollektive Identität als „selbstbewusste Nation“. Demgegenüber warnen linke Kritiker wie Peter Glotz vor einem Rückfall in eine „falsche Normalisierung“, indem sie auf die im Namen der Nation begangenen Verbrechen der Weltkriege und des Holocaust hinweisen.16 Zwar verleiht die Wiederkehr des Nationalstaats der nationalen Meistererzählung eine gewisse Plausibilität, aber sie ist durch die NS-Verbrechen zu sehr beschädigt, um im normativen Sinne wieder belebt werden zu können.17

Weniger kontrovers und deshalb weiter verbreitet ist die Subsumierung der Nachkriegsentwicklung unter die Erfolgsgeschichte der alten Bundesrepublik. Dabei spielt neben der eigenen Lebenserfahrung im Westen ein verständlicher Stolz auf die Versöhnung mit den verfeindeten Nachbarn, die Verankerung einer stabilen Demokratie und die Entwicklung einer florierenden sozialen Marktwirtschaft eine erhebliche Rolle. Dennoch hat eine triumphierende Westgeschichte gravierende Defizite: Einerseits überspielt eine allzu positive Schilderung die schwierigen Kämpfe, die solche Errungenschaften begleitet haben, und ignoriert ihre Schattenseiten wie etwa die unzureichende gesellschaftliche Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit in der frühen Bundesrepublik. Andererseits lässt sie keinen Raum für die unterschiedlichen Erinnerungen der Ostdeutschen, die diese Entwicklungen nicht miterleben konnten. Auch wenn der Beitritt der neuen Länder zur Bundesrepublik die Überlegenheit der letzteren historisch legitimiert hat, reicht diese auf den Westen begrenzte Sicht für eine gemeinsame Nachkriegsgeschichte nicht aus.

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Das negative Pendant dazu ist eine ostdeutsche Misserfolgsgeschichte, die die DDR von vornherein als zum Scheitern bestimmte Diktatur versteht. Diese auf den schmerzlichen Erinnerungen ihrer Opfer aufbauende Perspektive hat die Evidenz des „Untergangs auf Raten“ des SED-Regimes für sich, der als Teil des allgemeinen Kollaps des Kommunismus im Nachhinein so zwingend aussieht, dass kaum ein Ostdeutscher den verflossenen ‚Unrechtsstaat’ wirklich zurückwünscht.18 Aber eine einseitige Verdammung kann kaum die vier Jahrzehnte lange Existenz und internationale Anerkennung des zweiten deutschen Staates erklären; sie leugnet ostdeutsche Erfolge (etwa im Sport oder hinsichtlich der sozialen Absicherung der Unterschichten), und sie wird den widersprüchlichen Erinnerungen nicht gerecht, die zumindest teilweise auch ein ‚richtiges Leben im falschen System’ im Gedächtnis verankert haben.19 Eine entgegengesetzte ideologische Verzeichnung ist die post-sozialistische Trotzgeschichte, die aus dem Debakel der DDR zu retten versucht, was zu retten ist.20 Das Hauptproblem der nachmaligen Verklärung des SED-Regimes ist jedoch eine stimmige und historisch fundierte Erklärung seines Untergangs.21

Produktiver ist der Ansatz einer themenbezogenen Parallelgeschichte von DDR und Bundesrepublik, der gewissermaßen eine historische Fortsetzung des Systemvergleichs darstellt. Sein Vorteil ist die systematische Beschäftigung mit der Entwicklung beider deutscher Staaten in inhaltlich abgegrenzten Kapiteln, wodurch die ostdeutsche Entwicklung ernst genommen und mit den jeweiligen westdeutschen Ereignissen kontrastiert wird. So diskutiert Peter Bender unter der Rubrik „Die Schuld“ die unterschiedliche Vergangenheitsbewältigung in Ost und West, beschäftigt sich unter der Kategorie „Die Emanzipation“ mit der Außenpolitik und analysiert unter der Überschrift „Die Teilung“ die innenpolitischen Implikationen.22 Der Vergleich ermöglicht eine kognitive Distanzierung, welche die politische Vorverurteilung verhindert und daher westliche Schattenseiten ebenso wie östliche Teilerfolge in den Blick bekommt. Allerdings läuft eine mechanische Komparatistik Gefahr, den normativen Unterschied zwischen Diktatur und Demokratie zu verwischen, sich vorwiegend auf die staatliche Ebene statt auf den ambivalenteren Alltag zu konzentrieren und die Analyse von Verflechtungen und Beziehungen zwischen beiden Seiten zu minimieren.

Dennoch geben die oben skizzierten Ansätze einige Hinweise auf die Anforderungen, die eine Darstellung der gemeinsamen Nachkriegsgeschichte erfüllen sollte:

• Statt Nation als naturgegebene Kategorie vorauszusetzen, sollte der Prozess der Teilung sowie das paradoxe Fortleben eines gewissen Zusammengehörigkeitsgefühls in beiden deutschen Staaten analysiert werden.

• Ohne die Erfolgsgeschichte der Bundesrepublik normativ zu setzen, wäre es wünschenswert, die Ursachen der dort stärker durchlaufenen Lernprozesse von Westernisierung und Demokratisierung zu untersuchen.

• Obwohl das Scheitern der DDR nicht eskamotiert werden darf, sollte gleichzeitig nach den materiellen wie ideellen Hintergründen ihrer langen Stabilität gefragt werden.

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2. Eine plurale Sequenzperspektive

Da eindimensionale Erklärungen zu statisch sind, um den unterschiedlichen Nachkriegsentwicklungen gerecht werden zu können, ist ein differenzierterer Ansatz vonnöten, der die Entwicklung aufeinander folgender Problemfelder ernst nimmt. Trotz der gemeinsamen Ausgangsbasis waren die Prozesse der Teilung, die rivalisierende (aber auch aufeinander bezogene) Zweistaatlichkeit und deren unerwartete Überwindung zu komplex, um unter einem einzigen Etikett subsumiert zu werden. So erscheint es sinnvoller, chronologisch vorzugehen und zunächst über die wichtigsten Entwicklungsstufen Klarheit zu gewinnen, die Ost und West gemeinsam betrafen, aber zu jeweils unterschiedlichen Reaktionen der konkurrierenden Systeme führten.23 Einige Stichworte hierzu mögen andeuten, von welchen hauptsächlichen Ereignissequenzen ein Versuch der Integration der beiden Nachkriegsgeschichten ausgehen sollte.

Gemeinsamer Ausgangspunkt der Entwicklung ist zweifellos die Niederlage des „Dritten Reichs“ und das durch die Aufhebung der Souveränität hervorgerufene Ende des Nationalstaats. Die Besatzungsmächte hatten sich 1945 die Aufgabe gestellt, Deutschland unschädlich zu machen, was sie durch Entmilitarisierung, Entnazifizierung und Dekartellisierung erreichen wollten. Gleichzeitig mussten sie den europäischen Kontinent wieder aufbauen, der nach seiner Befreiung in Ruinen lag und von fliehenden Menschengruppen überflutet wurde. Hinter der gemeinsamen Kriegsführung gegen Hitler verbargen sich jedoch auch dezidierte Eigeninteressen der jeweiligen Siegermächte, die auf unterschiedliche Weise die Nachkriegsordnung bestimmen wollten. Die Deutschen hatten sich dieser Besatzungspolitik bedingungslos zu unterwerfen, gewannen aber durch den internen Konflikt der Sieger begrenzte Handlungsmöglichkeiten zurück. 24

Der totale Zusammenbruch schlug sich in der Erinnerung der Deutschen als die berühmte ‚Stunde Null’ nieder, die eigentlich keine war. Das Fehlen eines Staates, eine durcheinander gewirbelte Zusammenbruchsgesellschaft und eine weitreichende Atomisierung des Einzelnen im Kampf ums Überleben nivellierten die traditionellen Schichtungsunterschiede und ersetzten sie durch eine neue Schicksalsgemeinschaft. Nation und Nationalismus hatten hingegen scheinbar ausgedient und wurden nun von anderen Prioritäten überlagert. Andererseits führte das alliierte Insistieren auf der deutschen ‚Haftungsgemeinschaft’ den Nationalbezug fort, nun aber ex negativo. In der Auseinandersetzung mit konträren Interpretationen der Vergangenheit sowie differierenden Zukunftsvorstellungen der Besatzer gewannen die Besiegten schließlich ein neues Gemeinschaftsgefühl und artikulierten wieder eigene Zukunftswünsche.25 Jede Rekonstruktion der Nachkriegsgeschichte muss daher an dieser Ausgangskonstellation ansetzen.

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Die Entwicklung divergierte mit der zunehmenden Teilung, die hauptsächlich durch den Kalten Krieg hervorgerufen wurde. Ideologische Konfrontation, äußere Blockbildung und innere Polarisierung trieben zuvor unklare Entwicklungsmöglichkeiten in entgegengesetzte Richtungen auseinander. Obwohl die Deutschen von den Rückwirkungen dieses globalen Konflikts auseinander gerissen wurden, setzten sich viele dagegen zur Wehr, da sie die Polarisierung partiell noch für umkehrbar hielten. Politische und gesellschaftliche Gegensätze wegen der fatalen Zwänge des Kalten Krieges wurden verstärkt zum Anlass heftiger Auseinandersetzungen. ‚Außenpolitik’ wurde zum Katalysator innenpolitischer Optionen. Diese waren zwar im Kern von den Besatzungsmächten vorgegeben, wurden aber auch - in sehr unterschiedlichem Maße - von deutschen Politikern und ihren Anhängern nachvollzogen. Der seit 1917 bestehende Grundkonflikt zwischen den kommunistischen und demokratischen Ideologien wurde in seiner zugespitzten Form des Kalten Krieges seit 1947/48 zur bestimmenden Determinante der Spaltung Deutschlands.26

Dennoch fand die Teilung nicht über Nacht statt, sondern erfolgte in einem längeren Prozess gegenseitiger Abgrenzung, der vor allem von der DDR vorangetrieben wurde. Im physischen Sinne gehörte dazu der Ausbau der innerdeutschen Grenze bis zum Bau der Mauer im Jahre 1961, die als ‚antifaschistischer Schutzwall’ das durch Übersiedlung in den Westen bedrohte Arbeitskräftepotenzial des SED-Staates stabilisieren sollte.27 Hinzu kamen die sich immer stärker unterscheidenden Politikentwürfe, inkompatiblen Gesellschaftsstrukturen und kontrastierenden Sprachgebräuche, die unsichtbare Grenzen zur Bundesrepublik zogen. Die verbleibenden deutsch-deutschen Klammern wie etwa wissenschaftliche Organisationen (Historikerverband), sportliche Wettkämpfe (Olympiamannschaft) oder kirchliche Kontakte der EKD wurden schrittweise abgebaut.

Die Zweistaatlichkeit mit ihren entgegengesetzten politischen Systemen entwickelte zunehmend eine Eigendynamik, die partiell auch gewollt wurde. Zwar war die Bonner Demokratie zunächst ein Geschenk der Westalliierten, ebenso wie die Diktatur der DDR ein sowjetischer Export war. Aber die Akzeptanz des Systems und die Erweiterung der Handlungsspielräume machten im Westen viel schnellere Fortschritte als im Osten, obwohl sich auch dort in den Formen der inneren Umgestaltung Züge erkennen lassen, die primär auf das Konto der deutschen Kommunisten gingen. Einschneidende soziale und politisch-kulturelle Prägungen waren daher nicht nur das Ergebnis alliierter Vorgaben, sondern auch eine Folge eigener Aktivitäten, wenngleich mit prinzipiellen Unterschieden in beiden Staaten. Die zunehmend akzeptierte ‚Öffnung nach Westen’ in der Bundesrepublik fand auf ostdeutscher Seite kein wirkliches Pendant, weil die ‚Sowjetisierung’ als Zwang empfunden wurde und auf breite Ablehnung stieß.28 Indirekte Amerikanisierungstendenzen gab es zwar auch im Osten, aber in vielen Aspekten der kulturellen Modernisierung blieb die DDR deutlich hinter der Bundesrepublik zurück.

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Die Zweistaatlichkeit intensivierte die fortschreitende Entfremdung durch Erschwerung der Kommunikation, so dass die international gebilligte Teilung zunehmend fatalistisch akzeptiert wurde. Jüngere Generationen wuchsen mit Zonengrenze und Berliner Mauer als gegebenen Fakten auf, die man zwar verändern, aber nicht abschaffen konnte. Die vermeintliche Ausweglosigkeit erleichterte Arrangements mit den vorgegebenen Teilstaaten und reduzierte das Interesse am nationalen Ganzen. Der Alltag und das ‚kleine Glück’ wurden wichtiger. Das Einrücken der ‚deutschen Frage’ in eine längere historische Perspektive und das wachsende Bewusstsein der Schuld am Holocaust legitimierte für viele Intellektuelle den Verzicht auf das Ziel nationaler Einheit. Nicht zuletzt machte die Rücksicht auf die europäischen Nachbarn die Akzeptanz der Teilung zum Eckstein europäischer Stabilität. Während der Aufstand von 1953 noch eine gesamtdeutsche Dimension hatte, wurde die Generationsrevolte von 1968 zu einer fast rein westdeutschen Angelegenheit.29 Daher ist die zentrifugale Dynamik der dritte Merkpunkt bei der Integration der beiden Geschichten nach 1945.

Neben den charakteristischen Faktoren der Abgrenzung haben aber auch diverse Formen der asymmetrischen Verflechtung die Nachkriegsgeschichte in allen Phasen bestimmt. Die dichotomische Konstellation der Zweistaatlichkeit erfasst die spezifische deutsche Situation im Ost-West-Konflikt nur unzureichend, da diese zugleich durch eine beziehungsgeschichtliche Sequenz geprägt ist. Damit ist nicht eine gewissermaßen latente Nationalgeschichte gemeint, sondern eine Sondersituation im Nachkriegseuropa, die von anderen Völkern in dieser Form nicht geteilt wurde. So waren in der Bundesrepublik auch nach dem Verblassen der Wiedervereinigungsrhetorik die Beibehaltung des 17. Juni als eines nationalen Feiertags, die sofortige Aufnahme der DDR-Flüchtlinge sowie die periodischen Berichte zur Lage der Nation Indizien einer fortgesetzten Ostbezogenheit. Trotz der Betonung eigener Staatsbürgerschaft blieb auch die DDR-Regierung auf westdeutsche Wirtschaftshilfe angewiesen und dachte weiterhin in gesamtdeutschen Kategorien. Im Gegensatz zur Verabschiedung der Österreicher aus der deutschen Geschichte blieben Bundesrepublik und DDR aufeinander fixiert.30

Die massive Einwirkung der Bundesrepublik auf die Entwicklung der DDR lässt sich vor allem aus den internen Quellen der SED-Diktatur ablesen. So ist der Kampf um die staatliche Anerkennung der DDR ohne Hinweis auf die Bonner Politik nicht zu verstehen. Ebenso beruht die gesamte Grenzproblematik einschließlich des Mauerbaus, der Reisefragen und der inneren Abgrenzung auf der Attraktion des ‚Klassenfeindes’ innerhalb der eigenen Bevölkerung. Aber auch in politikferne Bereiche wie etwa die Jugendkultur, die Kirchen, die Kunstszene und die Konsumstile reichte die Ausstrahlung des Westens weit hinein.31 Schwieriger zu erfassen, aber deshalb nicht weniger wirksam ist der umgekehrte Einfluss der DDR auf die Bundesrepublik. Das betrifft weniger die publizistisch zum Teil überzogenen Enthüllungen der ‚Westarbeit’ von SED, Stasi und FDGB32 als vielmehr die indirekten Wirkungsfaktoren. Denn die Existenz einer kommunistischen Diktatur im Osten erleichterte die Entscheidung für die Westintegration und die innenpolitische Konsensfindung, zumal der ‚real existierende Sozialismus’ gesellschaftliche Alternativkonzepte der Linken zu diskreditieren schien.33 Eine vierte Dimension der Nachkriegsgeschichte ist daher ihre bleibende Verflechtung.

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Im Zuge der relativen Normalisierung der innerdeutschen Beziehungen in den 1970er-Jahren sind zunehmend auch die blockübergreifenden Probleme fortgeschrittener Industriegesellschaften zu berücksichtigen, wie etwa Umweltbelastung, demographische Entwicklungen etc. Diese in den US-Sozialwissenschaften besonders beliebte Perspektive schlug sich vor allem in größeren Sammelwerken nieder, die die jeweiligen Problemlagen und Lösungsansätze etwa in den Bereichen von Bildung oder Sozialpolitik systematisch miteinander verglichen.34 Dieses systemimmanente Vorgehen erweiterte die Perspektive über den deutschen Sonderkonflikt hinaus, indem es eine Reihe von neuen Herausforderungen akzentuierte, die unabhängig von der Systemkonkurrenz durch globale Entwicklungen sowohl auf die Bundesrepublik als auch die DDR zukamen.

Es ist jedoch darauf zu achten, den jeweiligen blockübergreifenden Modernisierungsschüben keine positive Teleologie zu unterstellen, denn häufig genug gesellten sich zu potenziellen Fortschritten - etwa in der Entwicklung von neuen Informationstechnologien und der Verbreitung moderner Unterhaltungsmedien - neue gemeinsame Problemlagen. Zu den Gefährdungen zählte nicht zuletzt das atomare Wettrüsten mit Interkontinentalraketen, die das Überleben großer Teile der Menschheit bedrohten, andererseits freilich eine blockübergreifende Friedensbewegung hervorriefen. Aber auch die Auswirkungen der Ölschocks führten nicht nur zu einer Verteuerung des Produktion und des Verkehrs im Westen, sondern gleichzeitig zur Kürzung sowjetischer Öllieferungen im Osten. Schließlich war das Menetekel von Tschernobyl eine Warnung, dass Umweltkatastrophen globale Auswirkungen hatten und ihnen auch auf dieser Ebene begegnet werden musste.35 Eine fünfte, oft übersehene Dimension ist daher die gemeinsame Problematik von Modernisierungsprozessen.

Für die Endphase der Teilung erschweren die widersprüchlichen Trends von Binationalisierung, Wiederannäherung und Kommunismuszerfall eine einheitliche Charakterisierung. Einerseits ging die Verselbstständigung auf der Basis der Detente weiter, andererseits gab es Anzeichen der Wiederannäherung und gesteigerter Kommunikation. Vor allem die Jugend fühlte sich den jeweiligen deutschen Staaten zugehörig, was den Bemühungen ihrer Perpetuierung durch Anerkennung der ostdeutschen Staatsbürgerschaft zugute kam. Symbolischer Höhepunkt der Zweistaatlichkeit war der mit allen offiziellen Ehren begangene Besuch Erich Honeckers in Bonn im Jahre 1987.36 Im Zuge der Entspannung wuchs jedoch auch ein wechselseitiges Interesse, das sich etwa auf Kunst und Literatur und somit gewissermaßen auf die ideelle Fortexistenz der Kulturnation bezog. Die Ausweitung des Reiseverkehrs in beide Richtungen, die Intensivierung der Städtepartnerschaften und die Wiederaufnahme von Sportwettbewerben vergrößerte die Kontaktfläche zwischen den Menschen in beiden Staaten.

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Gleichzeitig mehrten sich Indizien einer schleichenden Erosion des ‚realen Sozialismus’, die sich im Vergleich zu westlichen Strukturproblemen als gravierender erweisen sollten. Trotz allen Improvisationsgeschicks wurden der technische Rückstand und der zunehmende Verfall der Planwirtschaft immer offenbarer. Auch ließ sich das Verblassen der ideologischen Utopie künftiger Gerechtigkeit in der durch neue Schranken stratifizierten Gesellschaft nicht länger verheimlichen, zumal vorsichtige Reformer Wege zur Demokratisierung suchten. Schärfere Kritik kam aus den Reihen der im Bereich von Kirchen, Kulturszene und Jugend entstehenden Friedens- und Menschenrechtsgruppen, die eine grundlegende Liberalisierung des Systems nach überwiegend westlichen Werten verlangten. Im Kontrast zu den kühnen Reformversuchen Michael Gorbatschows erschien der Immobilismus der überalterten SED-Führung in besonders negativem Licht.37 Auch wenn nur die wenigsten Kommentatoren den kommenden Kollaps voraussagten, war ein unterschwelliges Krisengefühl nicht zu leugnen. Eine sechste Herausforderung ist daher die Berücksichtigung des widerspruchsvollen Beziehungsgeflechtes von Annäherung und gleichzeitiger Stabilisierung der Binationalität während der 1980er-Jahre.

Das überraschende Ende der Teilung durch den demokratischen Aufbruch und die Wiedervereinigung signalisiert gleichzeitig das Ende einer Epoche und den Ausgangspunkt neuer Entwicklungen. Einerseits markiert der Kollaps des Kommunismus den Sieg der demokratischen Alternative der USA in der ideologischen und machtpolitischen Konkurrenz mit der sozialistischen Utopie der Sowjetunion. Der Zerfall des russischen Imperiums beendete die Nachkriegsära, da die Wiederherstellung eines verkleinerten deutschen Nationalstaates die territoriale Neuordnung Europas nach 1945 grundsätzlich bekräftigt und Ostmitteleuropa die Tür zum Westen geöffnet hat.38 Andererseits setzte die ‚friedliche Revolution’ eine postkommunistische Entwicklung in Gang, die das Modell der kapitalistischen Demokratie im Osten eingeführt und durch NATO-Ausdehnung und EU-Erweiterung die internationale Konstellation grundlegend verändert hat. Die damit verbundenen Krisen und Nationalismuskämpfe sind teils Folgen vorheriger sowjetischer Dominanz, teils Resultate der Transformationsprobleme, teils Anzeichen neuer globaler Problemkonstellationen.

Den eigentlichen Anstoß zur Überwindung der Teilung gab zweifellos das Aufbegehren der ostdeutschen Bürger, das sich 1989 in einer dramatischen Welle von Ausreiseversuchen und in einer rasch wachsenden Demonstrationsbewegung Luft machte. Der Wettlauf zwischen den Forderungen einer sich öffentlich formierenden Opposition und den Konzessionen einer schwächer werdenden SED wurde schließlich in der Märzwahl von 1990 entschieden, die dem Projekt eines ‚Dritten Wegs’ eine klare Absage erteilte und stattdessen einen raschen Beitritt zur Bundesrepublik legitimierte.39 Dagegen waren es eher die Regierungen, die den Aufbruch kanalisierten und seine staatliche Form sowie internationale Einbettung bestimmten: Zunächst setzte der gewagte Zehn-Punkte-Plan von Bundeskanzler Kohl die Vereinigung auf die Tagesordnung. Dann half die konsequente Unterstützung der deutschen Vereinigungspolitik durch die Bush-Regierung, die Vorbehalte der westlichen Alliierten und kleineren Nachbarn zu überwinden. Schließlich erlaubten die widerwilligen, aber großzügigen Konzessionen der sowjetischen Führung unter Gorbatschow die notwendigen Kompromisse des Zwei-Plus-Vier-Vertrages.40 Eine letzte historiographische Aufgabe ist daher die Klärung des paradoxen Zusammenhangs von demokratischem Aufbruch und deutscher Vereinigung.

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Diese Stichworte zu einigen Ereignissträngen illustrieren die mannigfachen Schwierigkeiten einer Integration deutscher Nachkriegsgeschichten. Statt an einer narrativen Einheitsperspektive festzuhalten, verlangt die widersprüchliche Entwicklung wechselnde Blickwinkel, die sich an sukzessiven Problemlagen orientieren. Jedoch sollten die oben genannten Entwicklungsschübe, mit denen die deutsche Geschichte nach 1945 ihre doppelte Gestalt angenommen hat, nicht als starre Periodisierungsabschnitte verstanden werden, sondern als fortwirkende Faktoren, die sich zu bestimmten Zeiten in jeweils unterschiedlicher Gewichtung überlagert und dadurch quasi-sedimentäre Muster ausgebildet haben. Für die gesamte Nachkriegsgeschichte konstituieren diese Prägekräfte wechselnde Bedingungen, mit denen sich die Deutschen als Individuen und Gesellschaften immer wieder auseinandersetzen mussten, um ihre Existenz bestimmen zu können.41 Nur eine komplexe Anordnung von sich überschneidenden Ereignissequenzen kann die beiden Geschichten ohne Zwang zusammenführen.

3. Erfahrungsdimensionen und Analyseangebote
 

Eine weitere Herausforderung für die Integration der deutschen Nachkriegsgeschichten ist der Unterschied der historischen Erfahrungen in Ost und West. Zwar betrafen die oben angedeuteten Entwicklungssequenzen die Menschen in beiden deutschen Staaten, aber diese Rahmenbedingungen wurden durch ideologisch verfeindete Systeme vermittelt, so dass die Erlebnisse der davon Betroffenen zwischen und innerhalb der Blöcke grundsätzlich differierten. Der Kollaps der DDR schuf darüber hinaus das „Erlebnis eines tiefen Bruchs auf der ostdeutschen Seite, der das ganze bisherige Leben infrage stellt“, während die westdeutsche Seite sich einer „scheinbar ungebrochenen Kontinuität“ erfreuen konnte.42 Die Mischung von Gemeinsamkeit und Differenz der vorausgegangenen Grunderfahrungen soll im Folgenden durch ein Beispiel für jede hauptsächliche Entwicklungssequenz angesprochen werden, um daraus Vorschläge für ein differenzierendes Vorgehen mit wechselnden Analyseansätzen abzuleiten.

Eine allgegenwärtige Erfahrung des Ausgangspunkts der NS-Niederlage war die militärische Besatzung durch die Siegermächte. Die Präsenz einer erheblichen Anzahl von alliierten Soldaten machte die Besiegung in Ost- wie Westdeutschland für den gesamten Zeitraum von 1945 bis 1990 unübersehbar, obwohl sich ihre Wirkung im Verlauf der Zeit abschwächte. Bestimmten anfangs die Militärregierungen allein das deutsche Schicksal, so gewannen die beiden Nachfolgestaaten durch Wiederbewaffnung, Wirtschaftsaufschwung und Transformation in Bündnispartner allmählich Teile ihrer Souveränität zurück, wobei die Bundesrepublik weitaus erfolgreicher als die DDR war. Dadurch wurde zugleich die starke Abhängigkeit der ‚deutschen Frage’ von dem Verhältnis der Großmächte und der gesamten internationalen Konstellation deutlich. Die unterschiedlichen Erlebnisse mit den jeweiligen Besatzungsmächten zeigen sich bei populären Anspielungen im Kontrast der meist freundlichen Konnotation von ‚den Amis’ mit den eher negativen Assoziationen von ‚den Russen’.43

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Welche Ansätze sind für die Analyse der Anfangskonstellation der Niederlage geeignet? Da sie aus dem deutschen Radikalnationalismus vor 1945 hervorgingen, können die ersten Nachkriegsjahre noch als eine Art von auslaufender Nationalgeschichte beschrieben werden. Die Hauptthemen wären dann das Scheitern des übersteigerten Nationalprinzips und die Auswirkungen des zweimal fehlgeschlagenen Hegemonialversuchs über Europa.44 Gleichzeitig drängt sich der Vergleich mit der weniger drastischen Niederlage von 1918 auf, besonders weil die Lernprozesse nach dem totalen Zusammenbruch von 1945 zumindest im Westen wesentlich positiver verliefen.45 Ebenso liefert der Kontrast mit anderen Besiegten des Zweiten Weltkriegs wie Japan oder teilweise auch Italien interessante Denkanstöße für die Feststellung deutscher Besonderheiten.46 Die nationale Dimension ist in den Anfängen der Nachkriegsgeschichte also noch enthalten - sie kann aber nicht einfach fortgeschrieben, sondern muss wegen des Verlusts des Nationalstaats neu problematisiert werden.

Ein zentrales Erlebnis der sich im Zuge des Kalten Krieges entwickelnden Teilung war zweifellos die sich zunächst vertiefende, dann aber auch durchlöcherte innerdeutsche Grenze. Die Schließung der Zonengrenze 1952 und ihr Ausbau zu einer undurchdringlichen Staatsgrenze mit dem Berliner Mauerbau von 1961 machte die Trennung in DDR und Bundesrepublik physisch anfassbar. Durch den Kalten Krieg wurde die zunächst besatzungstechnische Grenzziehung zum viel geschmähten ‚Eisernen Vorhang’, der Familien, Orte, Organisationen und schließlich das ganze Land in ideologisch verfeindete Lager trennte. Erst der Brandt-Scheelschen Ostpolitik gelang es, durch ‚menschliche Erleichterungen’ diese befestigte Grenze wenigstens teilweise zu durchdringen, was die SED-Führung aber sofort durch eine Politik der ‚Abgrenzung’ vom Westen konterkarierte. Trotz Überschreitung durch Radio und Fernsehen förderte die Grenze das mentale Auseinanderleben zwischen Ost und West, das sich auch nach dem Fall der Mauer noch als ‚Mauer im Kopf’ bemerkbar machte.47

Während der Kalte Krieg eine erhebliche Literatur inspiriert hat, befindet sich die Untersuchung der Teilung als eines sozio-kulturellen Prozesses noch in den Anfängen. Zwar ist die Kontroverse zwischen den so genannten Revisionisten, die die Verantwortung bei der amerikanischen Politik, und den Post-Revisionisten, die den Anstoß in Moskau sehen, durch die Teilöffnung der sowjetischen Archive etwas versachlicht worden.48 Hingegen ist die Frage der jeweiligen Rolle deutscher Politik innerhalb der beiden Blöcke nicht ganz so gut untersucht. Interessante Anstöße sind außerdem neueren Konzepten zu entnehmen, die die Konfrontation als ‚kalten Bürgerkrieg’ bezeichnen und damit die kulturelle Dimension in den jeweiligen Gesellschaften stärker berücksichtigen, als es klassisch politikgeschichtliche Ansätze tun.49 Auch im lokalen Bereich, in dem der Blockgegensatz konkret wurde - wie in Berlin, Brandenburg oder an der Zonengrenze - bleibt über die praktischen Auswirkungen der Trennung zwischen Ost und West noch viel zu erforschen.

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Ein wichtiger Aspekt der sich entwickelnden Zweistaatlichkeit war der ideologische Systemwettbewerb zwischen den Blöcken, der sich anhand der Formen von Sozialpolitik konkret erfahren ließ. Die anfänglich schwache Bindung der Bevölkerung an die jeweiligen Werte von Demokratie oder Sozialismus führte zu einem Wettlauf der beiden Staaten um die Loyalität ihrer Bürger, der durch die bis 1961 bestehende Fluchtmöglichkeit verschärft wurde. Der Westen versuchte durch Fortsetzung und Erweiterung klassischer Maßnahmen des Wohlfahrtstaats wie Lastenausgleich oder Rentenindexierung die Gunst der arbeitenden Bevölkerung zu gewinnen. Der Osten dagegen nahm eine radikalere Sozialrevolution der Enteignung von ‚Junkern und Kapitalisten’ und der Verstaatlichung der Wirtschaft vor, um die Grundbedürfnisse an Nahrung, Behausung und Verkehr auf einem niedrigen Niveau zu sichern. Die divergierenden Lösungen der ähnlichen Ausgangsprobleme wurden dann ideologisch durch Begriffe wie ‚soziale Marktwirtschaft’ oder ‚entwickelter Sozialismus’ überhöht.50

Für die Analyse der Zweistaatlichkeit scheint der Begriff der ‚Kontrastgeschichte’, sofern er normativ nicht überfrachtet wird, besonders produktiv zu sein. Dabei wäre zunächst bei den wachsenden Unterschieden der Alltagswirklichkeiten anzusetzen, um die Folgen des ideologischen Systemgegensatzes für die Umstände des täglichen Lebens zu eruieren. Während die Analyse der positiven Erfahrungen, die mit den Prozessen der Demokratisierung und Westernisierung verbunden waren, einen Schlüssel zum Verständnis des Erfolgs der Bundesrepublik bieten, kann die Untersuchung der meist negativen Erlebnisse bei der Durchsetzung der Diktatur einen Einstieg geben, um den Fehlschlag des SED-Regimes zu verstehen.51 Allerdings sollte man sich der Gefahr einer tautologischen Bestätigung demokratischer Überlegenheit bewusst bleiben und weder die Krisen im Westen noch die Attraktion östlicher Hoffnungen aus den Augen verlieren.

Ein typisches Merkmal der dennoch weiter bestehenden asymmetrischen Verflechtung waren die konträren, aber aufeinander bezogenen Formen der Vergangenheitsbewältigung. Aus der gemeinsamen Vergangenheit entwickelten sich konkurrierende Meistererzählungen als Großdeutungen der deutschen Katastrophe, die den im jeweils anderen System vorhandenen Charakteristiken (dem angeblichen Faschismus respektive westlichen Kapitalismus oder der totalitären Macht der SED) die Schuld gaben. Während im Westen bürgerliche Denkmäler, Museen und Erinnerungsfeiern fortlebten - allerdings in demokratisch gereinigter Weise -, entwickelte der Osten eine neue sozialistische Geschichtskultur mit Helden der Arbeiterklasse, marxistischer Musealisierung und antifaschistischen Gedenkstätten.52 Durch gezielte Enthüllungen über die Beschäftigung von Ex-Nazis in prominenten Ämtern versuchte die SED die Glaubwürdigkeit der Bundesrepublik zu untergraben, aber der Westen konnte umgekehrt auf die stalinistischen Verbrechen hinweisen. Besonders bei Großjubiläen wie dem Lutherjahr 1983 oder der 750-Jahr-Feier Berlins 1987 wurde die Konkurrenz beider Geschichtskulturen um die innerdeutsche Hegemonie und die Aufmerksamkeit des Auslandes deutlich.

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Obwohl die außenpolitischen Dimensionen dieser Beziehungsgeschichte in der Literatur zur ‚deutschen Frage’ gut erforscht sind, bleibt die Analyse der sozialen und kulturellen Verbindungen zwischen Ost und West noch ziemlich unterentwickelt.53 Das gilt insbesondere für grenzübergreifende Organisationen wie die evangelische Kirche, aber auch für die Rezeption westlicher Medien sowie die Auswirkungen des innerdeutschen Handels. Verheißungsvoll erscheint deswegen der Versuch einer ‚Spiegelgeschichte’, um den Grad der Wahrnehmung von Problemlösungen im jeweils anderen deutschen Staat sowie die daraus folgenden politischen Weichenstellungen empirisch präziser zu fassen. Dies wird allerdings nur in einzelnen Politikbereichen möglich sein, etwa auf dem Gebiet der Geschichtspolitik.54 Allerdings ist dabei Vorsicht geboten, um über die verbleibenden deutschen Gemeinsamkeiten die Unterschiede zwischen beiden Systemen nicht zu übersehen.

Ein klassisches Beispiel für unterschiedliche Reaktionen beider deutschen Staaten auf blockübergreifende Herausforderungen war ihr Verhalten gegenüber der Amerikanisierung der Jugendkultur. Mitte der 1950er-Jahre störten die heißen Rhythmen von Bill Haley sowie das lässige Filmvorbild von James Dean die relative Ruhe pluraler Jugendpflege im Westen und einheitlicher FDJ-Organisation im Osten. Diese aus den Vereinigten Staaten auf Radiowellen und in Filmen herüberbordende neue Popkultur gewann in der Arbeiterjugend zahlreiche Anhänger, die als ‚Halbstarke’ mit rebellischem Gehabe die bürgerliche Sozialmoral verunsicherten. In der DDR wurden solche Einflüsse als für den Aufbau des Sozialismus schädliche, kapitalistische Dekadenz bekämpft; in der Bundesrepublik hingegen lernten die Verantwortlichen nach anfänglicher Skepsis, den aufmüpfigen Impuls der Jugend durch die Erfindung einheimischer Pendants wie Peter Krauss und Horst Buchholz innerhalb des Systems zu kanalisieren. Im Osten blieb US-Tanzmusik immer umstritten, während sich die Autoritäten im Westen zu einer widerwilligen Toleranz gegenüber neuen Jugendstilen durchrangen.55

Die angemessene Methode für diesen Problemkomplex ist zweifellos der systematische Vergleich, der allerdings den unterschiedlichen politischen Rahmenbedingungen von Demokratie und Diktatur Rechnung tragen muss. Dazu sollte der vorherrschende Diktaturvergleich zwischen Nationalsozialismus und Kommunismus durch eine akribische Kontrastierung einzelner Erfahrungsbereiche von SED-Regime und Bundesrepublik erweitert werden.56 Im Gegensatz zu dem wegen seiner Wertfreiheit mit Recht kritisierten Systemvergleich ist das Ziel eines solchen Vorgehens also keineswegs eine Gleichsetzung von Demokratie und Diktatur, sondern die Herausarbeitung ihrer entscheidenden Unterschiede anhand von konkreten Gegenständen und durch eine konsistente Rückbindung an größere Systemzusammenhänge.57

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Ein ganz wesentlicher Faktor für die Erosion des ‚realen Sozialismus’ war seine evidente wirtschaftliche Unterlegenheit im Wettbewerb mit dem ‚rheinischen Kapitalismus’. In den ersten Nachkriegsjahren konnte die Planwirtschaft trotz schwierigerer Startbedingungen durchaus mit dem Wiederaufbau im Westen mithalten, fiel aber dann durch die Währungsreform und den Marshallplan zurück. Auch diverse Wirtschaftsreformen des ‚Neuen Ökonomischen Systems’ der 1960er-Jahre konnten das durch die europäische Integration steigende Wachstum der ‚sozialen Marktwirtschaft’ nicht einholen. Mit der Honeckerschen ‚Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik’ begann die Stagnation, da der Westen die Herausforderung der Ölschocks und der Postindustrialisierung mit einigen Schwierigkeiten meisterte, der Osten aber nur durch Westkredite seinen sozialistischen Konsum weiter finanzieren konnte. In den 1980er-Jahren bot sich kein Ausweg mehr aus dem Dilemma, da die Investitionen ausblieben und die DM schon zur heimlichen Zweitwährung geworden war.58

Auch wenn die Anzeichen des Kommunismuskollapses in der Retrospektive eindeutig zu sein scheinen, erschwert die Widersprüchlichkeit der Tendenzen in den Jahren vor 1989 die Konzipierung eines einheitlichen Forschungsansatzes. So ist die Diskussion um die Tendenzen der Binationalisierung und die offiziellen Kontakte mit der SED noch zu sehr von ideologischen Schuldzuweisungen überlagert, als dass sie analytisch brauchbare Vorschläge hervorbringen könnte.59 Hingegen gibt es über die tieferen Ursachen des kommunistischen Debakels mittlerweile eine reichhaltige, teils sozialwissenschaftliche, teils historische Literatur, die komplexe Interaktionsmodelle statt monokausaler Erklärungen für die Verkettung von langfristigen Ursachen mit der kurzfristigen Endkrise bevorzugt.60 Die eigentliche Herausforderung ist auch hier die nichtteleologische Beurteilung der 1980er-Jahre als offener Situation zwischen endgültiger Verfestigung und schleichender Überwindung der Zweistaatlichkeit.

Zentrale Facetten des demokratischen Aufbruchs im Herbst 1989 waren der gleichzeitige Legitimitätsverfall des SED-Regimes und die Entstehung einer öffentlichen Opposition. Da sie von einer ungeliebten Besatzungsmacht installiert und nur von einer Minderheit befürwortet wurde, war es für die DDR ein Dauerproblem, in der Bevölkerung Rückhalt zu gewinnen. Der auch durch den Mauerbau nicht gestoppte Ausreisedruck blieb ein dramatischer Indikator unterschwelliger Unzufriedenheit, der sich durch die fehlende Kooperation der Nachbarländer im Sommer 1989 explosionsartig äußerte. Die vergleichsweise späte Etablierung eines innersystemischen Dissidentennetzwerks im Umfeld der protestantischen Kirche erwies sich dennoch als dynamisch genug, um den rapide wachsenden Demonstrationen eine Richtung zu weisen und sich in den entstehenden Freiräumen auch organisatorisch als Foren, Gruppen oder Parteien zu konstituieren. Gegen alle westdeutschen Erwartungen kollabierte nach den Diktaturen in Polen und Ungarn daher auch der SED-Staat.61

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Aufgrund der zeitlichen Nähe, der ideologischen Implikationen und krisenhaften Folgen des Umbruchs von 1989/90 bleibt die Interpretation seiner Ursachen, Abläufe und Konsequenzen umstritten. Ist der demokratische Aufbruch eher als eine neuartige Form von Revolution zu betrachten, oder sollte man stattdessen das innere Versagen des kommunistischen Systems betonen?62 Ist die Vereinigung im Kontext der Wiederkehr des ostmitteleuropäischen Nationalismus als überfällige ‚Normalisierung’ des deutschen Sonderwegs zu werten oder als Rückfall in einen überwunden geglaubten Nationalstaat zu kritisieren?63 Möglicherweise helfen hier die Erkenntnisse der sozialwissenschaftlichen Transformationsforschung weiter, die den Übergang von Diktaturen zu Demokratien untersucht.64 Diese Überlegungen machen jedoch bereits deutlich, dass der Vereinigungsprozess als Endpunkt der Nachkriegsentwicklung in seinen ungelösten Problemen auch den Ausgangspunkt einer neuen, noch unbestimmten ‚Berliner Republik’ bildet.65

Diese höchst komprimierten Skizzen einiger Themenbereiche verdeutlichen, dass eine chronologisch sensible und inhaltlich plurale Sequenzperspektive notwendig ist, um die Komplexität kontrastierender Erfahrungen in Ost und West zu erfassen. Gleichzeitig verlangt die Verschiedenheit der militärischen, innen- wie außenpolitischen, sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Erlebnisse jeweils eigene Forschungsansätze, die erst in ihrer flexiblen Kombination Erklärungen für den Gesamtverlauf ergeben. Der dabei zu Tage tretende Befund ist verständlicherweise gemischt, denn Gemeinsamkeiten kollidieren mit fundamentalen Unterschieden, Separatentwicklungen brechen sich an gegenseitigen Bezügen, übergreifende Problemlagen führen zu konträren Reaktionen, Binationalisierung endet paradoxer Weise in Vereinigung usw. Der Vorteil eines solchen Blickwechsels ist die Hinterfragung der separaten Parallelgeschichten durch den Kontrast mit dem jeweilig anderen Beispiel, der ihre oft vernachlässigten Beziehungen aufdeckt. Beide Teilgeschichten benötigen daher einander, um ein vollständiges Bild zu bieten.66

4. Wege zur gemeinsamen Geschichte
 

Ein neuer Anlauf zu einer integrierten Nachkriegsgeschichte ist auch deswegen notwendig, weil von seinem Gelingen Fortschritte der inneren Einheit sowie Fähigkeiten zur Zusammenarbeit in Europa abhängen. Aus globalisierender Perspektive mag die Öffnung zu einer transnationalen Weltgeschichte wichtiger erscheinen, aber Schulen, politische Bildung und Öffentlichkeit verlangen zunächst nach einer plausiblen Geschichte des eigenen Landes, der erweiterten Bundesrepublik.67 Einerseits geht es darum, sich mit den divergierenden Erinnerungen an verschiedene Regime auseinanderzusetzen, also die eigenen Lebensläufe in größere Zusammenhänge einzubetten, um ihre Brüche zu verstehen. Andererseits müssen die differierenden Überlieferungen von Institutionen, Vereinen oder Interessengruppen über Systemwechsel hinweg abgestimmt werden, um ohne dauernde Konflikte zurückblicken zu können. Schließlich sind die unterschiedlichen Prägungen des kollektiven Gedächtnisses kritisch zu reflektieren, um Ereignisse wie den Mauerbau, den 17. Juni oder das Kriegsende in einer pluralen Gesellschaft angemessen begehen zu können.68

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Die Verknüpfung von Diktatur- mit Demokratiegeschichte für die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts ist eine große Herausforderung an Historiker, die erst noch angenommen werden muss. Obwohl dieser Systemkonflikt ganz Europa betraf, war er im geteilten Deutschland besonders akut, da alle anderen Völker entweder dem einen oder anderen Lager zugehörten.69 Die Erarbeitung einer integrativen Konzeption ist deswegen so schwierig, weil sie die Beantwortung von mehreren Grundfragen voraussetzt: Welche Themen, Ereignisse oder Gestalten sollen aus der Fülle der getrennten Vergangenheiten ausgewählt werden? Wie ist die Doppelstaatlichkeit in einem Narrativ darzustellen, das nicht mechanisch von Bonn nach Ostberlin und wieder zurück springt? Wie kann man die Problemlösungen beider Systeme miteinander vergleichen, ohne Diktatur mit Demokratie gleichzusetzen? Welche Differenzierungen fordert eine glaubwürdige Darstellung, deren Komplexität nicht Relativierung bedeutet? Es liegt auf der Hand, dass es für solche Probleme keine einfachen Lösungen gibt.

Unter den verschiedenen, neu entstehenden Deutungsangeboten erscheint der Ansatz einer ‚latenten Nationalgeschichte’ in demokratisierter Form zunächst durchaus plausibel.70 Diese Perspektive ermöglicht eine quasi-religiöse Parabel von steilem Aufstieg, grausiger Verblendung, folgender Bestrafung, Läuterung durch Teilung und endlicher Erlösung, die nur selten so schematisch, aber doch oft mit ähnlich moralisierendem Unterton erzählt wird. Dadurch kommen die konkurrierenden Lernprozesse nach den NS-Verbrechen in den Blick, die eine grundlegende Wandlung zum Besseren während der Teilung möglich gemacht haben. Eine Konzentration auf die Bemühungen um die Wiedervereinigung, die menschlichen Erleichterungen der Ostpolitik und die Aufrechterhaltung von Beziehungen zwischen Ost und West bietet - ähnlich wie in Polen - eine Geschichte der „Nation ohne Staat“ an, die um ihr Überleben kämpft, um schließlich ihre Einheit wieder zu erringen.71 Das Problem eines solchen Ansatzes ist jedoch sein unterschwelliger Nationalismus und seine Überbetonung des nationalen Aspekts im Vergleich zu anderen Tendenzen.

Als Versuch, der Widersprüchlichkeit der Entwicklungen Rechnung zu tragen, erscheint mir das oben skizzierte plurale Sequenzenmodell der Geschichte der Deutschen zwischen 1945 und 1990 deshalb angemessener zu sein. Statt auf die rivalisierenden Staaten zu blicken, würde es bei den verschiedenen Erfahrungen von Menschen in Ost und West ansetzen, die das katastrophale Erbe der ersten Jahrhunderthälfte verarbeiten mussten und in schwierigen Bedingungen neue Formen des Zusammenlebens entwickeln wollten. Statt die Perspektive auf das erfolgreichere System der Bundesrepublik zu begrenzen, könnte ein offenerer Ansatz ebenso versuchen, die Erinnerungen an die Erlebnisse in der DDR explizit einzubeziehen. Statt eine Periode des Kalten Krieges oder der Entspannung als repräsentativ für die gesamte Epoche zu betrachten, würde ein für subtile Veränderungen sensibleres Herangehen sich schließlich bemühen, die wechselnden Entwicklungsdynamiken einzufangen. Aus solchen multiplen Perspektiven entstünde keine neue nationale Meistererzählung der erweiterten Bundesrepublik, sondern ein Verständnis für die Brüche und Unwägbarkeiten deutscher Geschichte, deren Rekonstruktion eine gewisse Bescheidenheit verlangt.72

Anmerkungen: 

1 Die folgenden Überlegungen sind aus jahrelanger Zusammenarbeit mit Christoph Kleßmann entstanden und verdanken ihm wesentliche Anregungen. Sie sind auch das Resultat von Diskussionen einer Projektgruppe des Verbandes der Geschichtslehrer Deutschlands und des Zentrums für Zeithistorische Forschung. Das Titelzitat entnehme ich aus: Peter Bender, Episode oder Epoche? Zur Geschichte des geteilten Deutschland, München 1996, S. 10.

2 Werner Weidenfeld/Felix Ph. Lutz, The Divided Nation: Historical Consciousness in Post-Unification Germany, in: German Politics and Society Nr. 33 (1994), S. 117-145.

3 Wolfgang Jacobmeyer, DDR-Geschichte im Hauptschulbuch der Bundesrepublik, in: Arnd Bauerkämper/Martin Sabrow/Bernd Stöver (Hg.), Doppelte Zeitgeschichte. Deutsch-deutsche Beziehungen 1945-1990, Bonn 1998, S. 168-178; Günter Buchstab (Hg.), Geschichte der DDR und deutsche Einheit. Analyse von Lehrplänen und Unterrichtswerken für Geschichte und Sozialkunde, Schwalbach 1999, S. 240-246.

4 Peer Pasternack, Gelehrte DDR. Die DDR als Gegenstand der Lehre an deutschen Universitäten 1990-2000, Wittenberg 2001.

5 Wolfgang Thierse auf dem Geschichtsforum, siehe die CD-Dokumentation Getrennte Vergangenheit - Gemeinsame Geschichte, hg. von Ulrich Mählert, Berlin 1999.

6 Manfred Görtemaker, Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Von der Gründung bis zur Gegenwart, München 1999; Ulrich Mählert, Kleine Geschichte der DDR, München 1999.

7 Christoph Kleßmann, Zeitgeschichte in Deutschland nach dem Ende des Ost-West Konflikts, Essen 1998; Ulrich Mählert (Hg.), Vademecum DDR-Forschung. Ein Leitfaden zu Archiven, Forschungsinstituten, Bibliotheken, Einrichtungen der politischen Bildung, Vereinen, Museen und Gedenkstätten, Berlin 2002.

8 Axel Schildt, Ankunft im Westen. Ein Essay zur Erfolgsgeschichte der Bundesrepublik, Frankfurt a.M. 1999; Anselm Doering-Manteuffel, Wie westlich sind die Deutschen? Amerikanisierung und Westernisierung im 20. Jahrhundert, Göttingen 1999.

9 Peter Graf Kielmansegg, Nach der Katastrophe. Eine Geschichte des geteilten Deutschland, Berlin 2000.

10 Bender, Episode oder Epoche? (Anm. 1), Zitat S. 1.

11 Vgl. den Abdruck der Podiumsdiskussion in: Potsdamer Bulletin für Zeithistorische Studien Nr. 15 (August 1999), S. 23-46.

12 Christoph Kleßmann/Hans Misselwitz/Günter Wichert (Hg.), Deutsche Vergangenheiten - eine gemeinsame Herausforderung. Der schwierige Umgang mit der doppelten Nachkriegsgeschichte, Berlin 1999; vgl. Arnd Bauerkämper/Martin Sabrow/Bernd Stöver, Die doppelte deutsche Zeitgeschichte, in: dies., Doppelte Zeitgeschichte (Anm. 3), S. 9-16.

13 Axel Schildt, Überlegungen zur Historisierung der Bundesrepublik, in: Konrad H. Jarausch/Martin Sabrow (Hg.), Verletztes Gedächtnis. Erinnerungskultur und Zeitgeschichte im Konflikt, Frankfurt a.M. 2002, S. 253-272; Klaus Naumann, Die Historisierung der Bonner Republik. Zeitgeschichtsschreibung in zeitdiagnostischer Absicht, in: Mittelweg 36 9 (2000) H. 3, S. 53-67.

14 Jürgen Kocka, Der Blick über den Tellerrand fehlt, in: Frankfurter Rundschau, 22.8.2003, S. 7; Konrad H. Jarausch, Die Zukunft der ostdeutschen Vergangenheit. Was wird aus der DDR-Geschichte?, erscheint demnächst in: Peer Pasternack/Jens Hüttmann (Hg.), Die Zukunft eines untergegangenen Staates, Berlin 2004.

15 Russell Dalton, Politics in Germany, 2. Aufl. New York 1993.

16 Vgl. Heimo Schwilk/Ulrich Schacht (Hg.), Die selbstbewußte Nation. „Anschwellender Bocksgesang“ und weitere Beiträge zu einer deutschen Debatte, Berlin 1994, versus Peter Glotz, Die falsche Normalisierung, Frankfurt a.M. 1994.

17 Konrad H. Jarausch, Die Krise der nationalen Meistererzählungen, in: ders./Martin Sabrow (Hg.), Die historische Meistererzählung. Deutungslinien der deutschen Nationalgeschichte nach 1945, Göttingen 2002, S. 140-162.

18 Armin Mitter/Stefan Wolle, Untergang auf Raten. Unbekannte Kapitel der DDR-Geschichte, München 1993; Klaus Schroeder, Der SED-Staat. Partei, Staat und Gesellschaft 1949-1990, München 1998.

19 Richard Bessel/Ralph Jessen (Hg.), Die Grenzen der Diktatur. Staat und Gesellschaft in der DDR, Göttingen 1996; Detlef Pollack, Modernization and Modernization Blockages in GDR Society, in: Konrad H. Jarausch (Hg.), Dictatorship as Experience: Towards a Socio-Cultural History of the GDR, New York 1999, S. 27-46.

20 Wolfgang Engler, Die Ostdeutschen. Kunde von einem verlorenen Land, Berlin 1999; Dietrich Mühlberg, Vom langsamen Wandel der Erinnerung an die DDR, in: Jarausch/Sabrow, Verletztes Gedächtnis (Anm. 13), S. 217-251.

21 Vgl. Rainer Eckert/Bernd Faulenbach (Hg.), Halbherziger Revisionismus. Zum postkommunistischen Geschichtsbild, München 1996.

22 Bender, Episode oder Epoche? (Anm. 1). Vgl. auch Mary Fulbrook, Divided Nation: A History of Germany 1918-1990, New York 1992.

23 Für eine ausführlichere Begründung eines solchen Ansatzes vgl. Konrad H. Jarausch/Michael Geyer, Shattered Past: Reconstructing German Histories, Princeton 2003, S. 1-33.

24 Klaus-Dietmar Henke, Die amerikanische Besatzung Deutschlands, München 1995; Norman M. Naimark, Die Russen in Deutschland. Die sowjetische Besatzungszone 1945 bis 1949, Berlin 1997.

25 Geoffrey Giles (Hg.), Stunde Null: The End and the Beginning Fifty Years Ago, Washington 1997.

26 Werner Link, Handlungsspielräume der USA in der Entstehung des Ost-West-Gegensatzes 1945-1950, in: Aus Politik und Zeitgeschichte 33 (1983) H. 25, S. 19-26.

27 Hans-Hermann Hertle/Konrad H. Jarausch/Christoph Kleßmann (Hg.), Mauerbau und Mauerfall. Ursachen, Verlauf, Auswirkungen, Berlin 2002.

28 Konrad H. Jarausch/Hannes Siegrist (Hg.), Amerikanisierung und Sowjetisierung in Deutschland 1945-1970, Frankfurt a.M. 1997.

29 Ehrhart Neubert, Geschichte der Opposition in der DDR 1949-1989, Berlin 1997; Wolfgang Kraushaar, 1968 als Mythos, Chiffre und Zäsur, Hamburg 2000.

30 Christoph Kleßmann, Verflechtung und Abgrenzung. Aspekte der geteilten und zusammengehörigen deutschen Nachkriegsgeschichte, in: Aus Politik und Zeitgeschichte 43 (1993) H. 29-30, S. 30-41.

31 Stefan Wolle, Die heile Welt der Diktatur. Alltag und Herrschaft in der DDR 1971-1989, Berlin 1998.

32 Hubertus Knabe, Die unterwanderte Republik. Stasi im Westen, Berlin 1999.

33 Heinrich August Winkler, Der lange Weg nach Westen, Bd. 2: Deutsche Geschichte vom „Dritten Reich“ bis zur Wiedervereinigung, München 2000.

34 Aus (west)deutscher Sicht: Werner Weidenfeld/Hartmut Zimmermann (Hg.), Deutschland-Handbuch. Eine doppelte Bilanz, Bonn 1989.

35 Diese Dimensionen sind in der Zeitgeschichtsschreibung weitgehend unterbelichtet. Vgl. Eric J. Hobsbawm, Das Zeitalter der Extreme. Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts, München 1995.

36 Karl-Rudolf Korte, Deutschlandpolitik in Helmut Kohls Kanzlerschaft, Stuttgart 1998.

37 Charles Maier, Das Verschwinden der DDR und der Untergang des Kommunismus, Frankfurt a.M. 1997.

38 Klaus Tenfelde, 1914 bis 1989 - Einheit der Epoche, in: Aus Politik und Zeitgeschichte 41 (1991) H. 40, S. 3-11.

39 Hartmut Zwahr, Ende einer Selbstzerstörung. Leipzig und die Revolution in der DDR, Göttingen 1993; Konrad H. Jarausch, Die unverhoffte Einheit 1989-1990, Frankfurt a.M. 1995.

40 Alexander von Plato, Die Vereinigung Deutschlands - ein weltpolitisches Machtspiel, Berlin 2002.

41 Hans Günter Hockerts, Einführung, in: ders. (Hg.), Koordinaten deutscher Geschichte in der Epoche des Ost-West-Konflikts, München 2003.

42 Annette Leo, Keine gemeinsame Erinnerung. Geschichtsbewusstsein in Ost und West, in: Aus Politik und Zeitgeschichte 53 (2003) H. 40-41, S. 27-32.

43 Hermann-Josef Rupieper, Der besetzte Verbündete. Die amerikanische Deutschlandpolitik 1949-1955, Opladen 1991.

44 Hans-Ulrich Wehler, Deutsche Gesellschaftsgeschichte, Bd. 4: Vom Beginn des Ersten Weltkriegs bis zur Gründung der beiden deutschen Staaten 1914-1949, München 2003.

45 Gottfried Niedhart/Dieter Riesenberger (Hg.), Lernen aus dem Krieg? Deutsche Nachkriegszeiten 1918 und 1945. Beiträge zur historischen Friedensforschung, München 1992.

46 Sebastian Conrad, Auf der Suche nach der verlorenen Nation. Geschichtsschreibung in Westdeutschland und Japan 1945-1960, Göttingen 1999; Christoph Cornelißen/Lutz Klinkhammer/Wolfgang Schwentker (Hg.), Erinnerungskulturen. Deutschland, Italien und Japan seit 1945, Frankfurt a.M. 2003.

47 Thomas Lindenberger, Deutschland als Grenzregion. Konstruktion und Erfahrung des ‚Anderen’, 1945-1989, Mskr. Potsdam 2003; ders., Die Diktatur der Grenzen. Zur Einleitung, in: ders. (Hg.), Herrschaft und Eigen-Sinn in der Diktatur. Studien zur Gesellschaftsgeschichte der DDR, Köln 1999, S. 13-44.

48 John Lewis Gaddis, We Now Know: Rethinking Cold War History, New York 1997.

49 Patrick Major, The Workers’ and Peasants’ State: Communism and Society in East Germany under Ulbricht 1945-71, Manchester 2002; Lindenberger, Herrschaft und Eigen-Sinn (Anm. 47).

50 Geschichte der Sozialpolitik in Deutschland seit 1956, hg. vom Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung und dem Bundesarchiv, 10 Bde. Darstellung und Dokumente, Baden-Baden 2001ff.; Peter Hübner, Herrschaft und Gesellschaft im geteilten Deutschland, Mskr. Potsdam 2003.

51 Ulrich Herbert (Hg.), Wandlungsprozesse in Westdeutschland. Belastung, Integration, Liberalisierung 1945-1980, Göttingen 2002; Klaus Schroeder, Der SED-Staat (Anm. 18).

52 Jeffrey Herf, Zweierlei Erinnerung. Die NS-Vergangenheit im geteilten Deutschland, Berlin 1998; Jürgen Danyel (Hg.), Die geteilte Vergangenheit. Zum Umgang mit Nationalsozialismus und Widerstand in beiden deutschen Staaten, Berlin 1995.

53 Heinrich Potthoff, Die „Koalition der Vernunft“. Deutschlandpolitik in den 80er Jahren, München 1995.

54 Peter Reichel, Vergangenheitsbewältigung in Deutschland. Die Auseinandersetzung mit der NS-Diktatur von 1945 bis heute, München 2001; Martin Sabrow, Das Diktat des Konsenses. Geschichtswissenschaft in der DDR 1949-1969, München 2001.

55 Uta Poiger, Jazz, Rock and Rebels: Cold War Politics and American Culture in a Divided Germany, Berkeley 2000; Konrad H. Jarausch, Jugend 1945-1989. Einstiege in eine deutsch-deutsche Nachkriegsgeschichte, Mskr. Potsdam 2003.

56 Günther Heydemann/Eckhard Jesse (Hg.), Diktaturvergleich als Herausforderung. Theorie und Praxis, Berlin 1998.

57 Zur Vergleichsproblematik insgesamt: Heinz-Gerhard Haupt/Jürgen Kocka (Hg.), Geschichte und Vergleich. Ansätze und Ergebnisse international vergleichender Geschichtsschreibung, Frankfurt a.M. 1996.

58 André Steiner, Zwischen Wirtschaftswundern sowie Rezession und Stagnation. Deutsch-deutsche Wirtschaftsgeschichte 1945-1989, Mskr. Potsdam 2003; ders., Zwischen Konsumversprechen und Innovationszwang. Zum wirtschaftlichen Niedergang der DDR, in: Konrad H. Jarausch/Martin Sabrow (Hg.), Weg in den Untergang. Der innere Zerfall der DDR, Göttingen 1999, S. 153-192.

59 Vgl. nur die unterschiedlichen Positionen von CDU und SPD in: Bericht der Enquêtekommission „Aufarbeitung von Geschichte und Folgen der SED-Diktatur in Deutschland“, Bonn 1994.

60 Konrad H. Jarausch, Implosion oder Selbstbefreiung? Zur Krise des Kommunismus und Auflösung der DDR, in: ders./Sabrow, Weg in den Untergang (Anm. 58), S. 15-40.

61 Maier, Das Verschwinden (Anm. 37); Zwahr, Ende einer Selbstzerstörung (Anm. 39); Jarausch, Die unverhoffte Einheit (Anm. 39).

62 Konrad H. Jarausch, Zehn Jahre danach. Die Revolution von 1989/90 in vergleichender Perspektive, in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 48 (2000), S. 909-924.

63 Ders., Normalisierung oder Re-Nationalisierung? Zur Umdeutung der deutschen Vergangenheit, in: Geschichte und Gesellschaft 21 (1995), S. 571-584.

64 Hans Joas/Martin Kohli (Hg.), Der Zusammenbruch der DDR, Frankfurt 1993; Rolf Reißig, Transformationsforschung. Gewinne, Desiderate und Perspektiven, in: Politische Vierteljahresschrift 39 (1998), S. 301-328.

65 Jürgen Habermas, Die Normalität einer Berliner Republik, Frankfurt 1995; Michael Jäger, Probleme und Perspektiven der Berliner Republik, Münster 1999; Roland Czada/Hellmut Wollmann (Hg.), Von der Bonner zur Berliner Republik. 10 Jahre Deutsche Einheit, Wiesbaden 2000.

66 Lutz Niethammer, Methodische Überlegungen zur deutschen Nachkriegsgeschichte. Doppelgeschichte, Nationalgeschichte oder asymmetrisch verflochtene Parallelgeschichte?, in: Kleßmann/Misselwitz/Wichert, Deutsche Vergangenheiten (Anm. 12), S. 307-327.

67 Matthias Middell, Europäische Geschichte oder global history? Master narratives oder Fragmentierung?, in: Jarausch/Sabrow, Die historische Meistererzählung (Anm. 17), S. 214-252.

68 Vgl. Konrad H. Jarausch, Zeitgeschichte und Erinnerung. Deutungskonkurrenz oder Interdependenz?, in: ders./Sabrow, Verletztes Gedächtnis (Anm. 13), S. 9-37.

69 Peter Graf Kielmansegg, Konzeptionelle Überlegungen zur Geschichte des geteilten Deutschlands, und Konrad H. Jarausch, Geschichte der Deutschen „diesseits der Katastrophe“. Anmerkungen zu einem großen Werk, beides in: Potsdamer Bulletin für Zeithistorische Studien Nr. 23/24 (Oktober 2001), S. 7-15 bzw. S. 16ff.

70 Diethelm Prowe, A New National History? The Reunification Epic and the Problematic of an East-West History, Vortrag auf der Jahrestagung der German Studies Association 2002.

71 Konrad H. Jarausch, Nation ohne Staat. Von der Zweistaatlichkeit zur Vereinigung, in: Praxis Geschichte 13 (2000), S. 6-12.

72 Ders., Die Krise der nationalen Meistererzählungen, in: Jarausch/Sabrow, Die historische Meistererzählung (Anm. 17), S. 140-162.

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